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Kultur Auftakt zum Bauhausjubiläum von der Debatte um Feine Sahne Fischfilet überschattet
Nachrichten Kultur Auftakt zum Bauhausjubiläum von der Debatte um Feine Sahne Fischfilet überschattet
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17:45 24.10.2018
Das Bauhaus in Dessau Roßlau Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/ZB/dpa
Berlin

Und plötzlich ist alles ganz laut, riecht nach Dosenbier und schwimmt sich frei von akademischer Vorsicht. Dabei ging es doch zunächst ums Bauhaus, eine kreative Gruppe, die Kunst und Handwerk in Design und Architektur zusammenführte. Eine wache Truppe, doch letztlich predigte sie strenge Formen, vieles geriet ihnen zu Klötzen und Klötzchen, ihre Bögen schlugen sie mit dem Zirkel, ihre Geradlinigkeit war nicht nur Überzeugung, sondern auch Gesinnung, die selten Zweifel duldete. Dieser elegante, eng definierte Gestus hat weltweit ausgestrahlt, im nächsten Jahr wird der 100. Geburtstag des Bauhauses gefeiert. Es hätte eine souveräne Geste sein können

Was für eine schöne, souveräne Geste, kurz vor Beginn des Jubiläumsjahres die Punkband Feine Sahne Fischfilet am 6. November ins Gründungshaus nach Dessau (Sachsen-Anhalt) einzuladen, die den Begriff der Strenge nicht so eng sieht, schon deshalb, weil Sänger Jan Gorkow stolz ist auf sein Bäuchlein, das zwar rund ist, aber keineswegs mit dem Zirkel geschlagen. Die ausdrücklich linke Band Feine Sahne Fischfilet spielt auch dort, wo nur die AfD Plakate klebt. Auf dem Chemnitzer Konzert „Wir sind mehr“ gegen rechte Selbstjustiz vor ein paar Wochen galten sie als Wortführer eines unverstellten, direkten Protestes, der ohne Fußnoten zu den Leute spricht. Laut, gerne mit einem kühlen Getränk in der Hand.

Gestern wurde in Berlin das Feierprogramm zum Jubiläumsjahr des Bauhauses vorgestellt, der Saal des Kinos „International“ war randvoll mit Journalisten – weil das Konzert von Feine Sahne Fischfilet abgesagt worden war, die Dessauer Bauhaus-Direktorin Claudia Perren hatte vom Hausrecht Gebrauch gemacht und begründet, die zu erwartenden Proteste rechter Gruppen würden die Sicherheit des Bauhaus-Gebäudes gefährden und war auf heftige Kritik gestoßen. Perren stellt sich den Journalisten

In Berlin hat sich Perren gestern erstmals der Nachfrage von Journalisten gestellt. „Meine Aufgabe ist es, das Gebäude zu schützen, dieses Ensemble zählt zum Weltkulturerbe, laut Satzung ist hier jede Türklinke heilig“, sagte sie, im Wissen, „dass uns die Absage des Konzertes voll auf die Füße gefallen ist.“ Sie stelle sich der „legitimen Kritik“, die laut wurde. „ich bedauere es ausdrücklich, dass ich hier physische Werte über ideologische Werte stellen musste.“ Dass also vorrangig das Haus zu schützen sei, und der fatale Eindruck, sie habe vor dem Druck der Rechtsradikalen kapituliert, nicht ganz so wichtig sei. „Die Kritik an diesem Entschluss akzeptiere ich.“ Doch ändern könne sie ihn nicht, das verbiete die Verantwortung für ihr Gebäude. „Die missverständliche Kommunikation zu diesem Thema tut mir sehr leid“, sie habe keine inhaltliche Einwände gegen die Band, doch ein Kulturinstitut allein könne sich gegen die Bedrohung durch die Rechten nicht wehren – „es hat absoluten Vorrang, die Neonazis vom symbolischen Ort des Bauhauses fernzuhalten.“ Lederer: „Das Bauhaus hat eine politische Dimension“

Es wird nun eine neue Bühne in Dessau gesucht, wo die Band spielen kann, Verhandlungen laufen noch. Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte demonstrativ Feine Sahne Fischfilet nach der Dessauer Absage ins Berliner Bauhaus-Archiv eingeladen, gestern betonte er in Berlin: „Das Bauhaus hat eine politische Dimension. Die Nazis haben die Künstler der Vereinigung aus Deutschland vertrieben, es darf nicht sein, dass die Rechtsextremen auch heute wieder Hoheit über die Entscheidungen des Hauses erlangen.“

Rainer Robra (CDU), Kulturminister in Sachsen-Anhalt, verteidigte das Auftrittsverbot im Bauhaus. „Die Punkband drinnen und die Rechtsextremen draußen wären nur durch ein Fenster getrennt“, er wolle sich nicht ausmalen, was daraus folgen könne, sagte er dem Radiosender MDR Kultur.

Die Band Feine Sahne Fischfilet äußerte sich auf ihrer Facebook-Seite: „Dass das Bauhaus einknickte vor dieser rechten Allianz, setzt neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit.“ Die Polizei eines Rechtsstaats müsse in der Lage sein, so ein Konzert zu schützen, schrieb die Band.

Die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Claudia Perren Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Kulturschaffende und Architekten protestieren unterdessen mit einem Offenen Brief gegen die Entscheidung der Stiftung Bauhaus Dessau, das Konzert abzusagen. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts und die Stiftung hätten „der Demokratie und dem kulturellen Leben in unserem Lande schweren Schaden zugefügt“, heißt es in dem im Internet veröffentlichten Schreiben. „Besorgniserregend ist, wie die Politik durch offenkundige Weisungen in eine kulturelle Einrichtung hineinregiert.“

Jan „Monchi“ Gorkow von Feine Sahne Fischfilet Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Auf der Liste der ersten Unterstützer fanden sich am Mittwoch etwa 200 zum Teil bekannte Namen aus dem Museums-, Architektur- und Hochschulbereich. Auch die Künstlerinnen Hito Steyerl und Anne Imhof, der Ausstellungsmacher Kasper König, der Gestalter Erik Spiekermann sowie der Grafiker Klaus Staeck waren darunter. Zu den Unterzeichnern gehört der Kasseler Professor Philipp Oswalt, ehemaliger Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, dessen Vertrag vom Stiftungsrat nach einem Streit nicht verlängert worden war.

Lesen Sie hier: Bauhaus „komplett im Arsch“ – Kommentar zur Konzertabsage

Im Offenen Brief heißt es mit Blick auf die Historie des Bauhauses, das von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, die jetzige Entscheidung der Stiftung sei „erschreckend geschichtsvergessen“. Gefordert wird, „dass die Kontrollgremien von Kultureinrichtungen in Zukunft zumindest hälftig mit Fachvertreter/innen und Vertreter/innen der Zivilgesellschaft besetzt werden“.

Von Lars Grote

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