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Kultur Mr. Graffin, ist Bad Religion inzwischen eine Oldie-Band?
Nachrichten Kultur Mr. Graffin, ist Bad Religion inzwischen eine Oldie-Band?
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15:50 18.07.2018
„Am liebsten trage ich Wanderschuhe“: Greg Graffin, Sänger von Bad Religion. Quelle: dpa

Mr. Graffin, das „Suffer“-Cover zeigt einen brennenden Teenager in Chucks. Das Motiv ist vermutlich dafür verantwortlich, dass auch viele junge Leute in Deutschland diese Leinenturnschuhe von Converse trugen? Waren Sie damals am Umsatz beteiligt?

Nein. Das waren vermutlich die beliebtesten Schuhe in der Achtzigerjahre-Punkrockwelt. Die Ramones hatten sie zuerst an.

Was trugen Sie damals?

Doc Martens.

Und heute?

Sehr bequeme und praktische Schuhe. Wanderschuhe.

Auch auf der Bühne?

Nein, dort benötige ich Schuhe, die meinen Bewegungsdrang unterstützen, mit denen ich nicht wegrutsche. Ich trage Nike.

Sie spielen auf dieser Tour das 30 Jahre alte Album komplett am Stück. Haben Sie sich in eine Oldie-Band verwandelt?

Ich habe andere Bands immer davor gewarnt, nostalgisch zu werden. Würden Bad Religion jetzt damit aufhören, neue Songs zu schreiben, müsste ich mir um uns Sorgen machen. Tatsächlich sind wir gerade im Studio. Eine neue Single, „The Kids Are Alt-Right“, ist schon erschienen. Wir haben sie in den sozialen Medien veröffentlicht. Also, wir machen neue Musik und heben daneben Musik aus unserer Vergangenheit hervor, weil wir finden, dass die Themen, über die wir vor 30 Jahren sangen, immer noch relevant sind. Manche Songs sind sogar bedeutsamer als damals.

„You are (The Goverment)“ zum Beispiel könnte auch als Protestsong gegen den gegenwärtigen amerikanischen Ego-Präsidenten verstanden werden. Überrascht Sie die Aktualität von „Suffer“?

Vieles, was auf der Welt geschieht, ist deprimierend. Genauso gibt es aber auch Glück und Zufriedenheit. Der Rückfall in konservatives Denken hat mich tatsächlich überrascht.

Punkrocker und Professor

Greg Graffin (53) ist Sänger der 1980 in Los Angeles gegründeten Punkrockband Bad Religion. Mit ihrem dritten, 1988 erschienenen Album „Suffer“ belebte die Gruppe die Punk-Bewegung neu. Inzwischen hat sie 16 Studioalben veröffentlicht. Graffin ist promovierter Evolutionsbiologe und lehrt zeitweise an der University of California.

Werden Bad Religion jetzt, in Trump-Zeiten, mehr gebraucht als in den Obama-Jahren?

Nein, denn uns war auch in den Obama-Jahren klar, dass die konservativen Ansichten nicht einfach verschwunden sind. Sie beherrschten nur nicht so wie heute die Schlagzeilen. Die Idee von Bad Religion ist zeitlos. Unser Anliegen geht weit darüber hinaus, wer aktuell Präsident ist.

Sie stehen für soziale Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Nachdenklichkeit und intelligente Songtexte ...

Es geht um ewige Wahrheiten. Was ist gut? Was ist böse? Zur Natur des Menschen gehört eine hässliche Seite, die stets gegenwärtig ist. Wir sind zutiefst philosophisch, so waren wir immer.

Apropos „Suffer“: Was besorgt Sie zurzeit am meisten?

Nur, damit wir uns nicht missverstehen: Ich selbst bin ein ziemlich zufriedener Mensch. Es wäre nicht fair, uns als Musiker zu beschreiben, die leidend oder depressiv durchs Leben gehen. Unter „Suffer“ verstehen wir ein philosophisches Ringen. Heutzutage geht es uns um die Angst vor Fremden und um die Abschottung. Dies sind sehr enttäuschende Entwicklungen für mich. Wir sollten endlich damit anfangen, alle Menschen als eine große Familie zu sehen. Solange du das nicht erkennst, wirst du völlig verwirrt bleiben. Mein Song „Chaos From The Inside“ beschreibt diesen kranken Zustand der Welt.

In Ihrem Song „Delirium of Disorder“ singen Sie, man sei „lediglich ein Atom in einem endoplasmatischen Meer, ohne Ziel, ohne Grund zu existieren“. Sie sind jetzt 53 Jahre alt, Sie sind definitiv erwachsen, haben Kinder. Haben Sie einen Sinn gefunden?

Der große Strom des Lebens ergibt keinen Sinn. Aber jeder einzelne Mensch findet seinen Sinn auf seinem Lebensweg. Und dieser Sinn liegt im persönlichen Glück. Das bedeutet nicht, dass man aufhören sollte, über die ewigen Fragen nachzudenken. Sie sind zwar komplex, werden aber immer wichtiger je älter man wird.

Lassen Sie uns noch über Glauben sprechen. Ihr Bandname sagt es schon: Sie selbst glauben nicht an Gott. Glauben Sie an gar nichts?

Nein. Man muss an etwas glauben. Sonst bist du ein Nihilist. Davon sind wir bei Bad Religion weit entfernt. Nicht an den traditionellen christlichen Gott zu glauben, schließt nicht aus, an etwas zu glauben, dass größer ist als man selbst. Persönlich habe ich großes Vertrauen in meine Familie, meine Freunde, mein soziales Umfeld. Das macht mein Leben lebenswert.

Von Mathias Begalke/RND

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