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Kultur Autor Robert Menasse fälschte in Artikeln Zitate von CDU-Politiker Walter Hallstein
Nachrichten Kultur Autor Robert Menasse fälschte in Artikeln Zitate von CDU-Politiker Walter Hallstein
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15:01 04.01.2019
Der österreichische Autor Robert Menasse hat 2017 den Deutschen Buchpreis mit seinem Europaroman „Die Hauptstadt“ erhalten – weil der Autor Zitate erfunden hat, ist er nun in die Kritik geraten. Quelle: Arne Dedert/dpa
Berlin

Die Wunde Relotius ist beim „Spiegel“ noch nicht vernarbt, da gibt es einen weiteren Fälscherskandal: Ausgerechnet der renommierte Schriftsteller Robert Menasse, gerühmt für seinen ersten Europaroman „Die Hauptstadt“ und 2017 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, soll mehrere Zitate des CDU-Politikers Walter Hallstein gefälscht haben. Und zwar nicht in einem Roman, sondern in diversen Zeitungsartikeln. Besonders brisant: Auch die Antrittsrede von Hallstein als erstem Kommissionschef der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in Auschwitz soll der 64-jährige Österreicher erfunden haben.

Hallstein fungiert bei Menasse als Repräsentant seiner Idee vom Ende der Nationalstaaten und der Vereinten Nationen. „Die Abschaffung der Nation ist die europäische Idee“, legte er ihm in den Mund, oder „Ziel ist die Organisation eines nachnationalen Europas.“ Der Historiker Heinrich August Winkler hatte in einem Essay – ironischerweise im „Spiegel“ – bereits im Oktober 2017 seine Zweifel an der Richtigkeit der Zitate angemeldet. Er sprach von einer „post-faktischen Geschichtsbetrachtung“, doch der Artikel fand erst im Zuge der Relotius-Affäre Gehör.

Menasse: „Die Wahrheit ist belegbar“

Die „Welt“ hatte ein Zitat von Menasse übernommen, Winkler rief beim zuständigen Redakteur an, der wiederum beim Schriftsteller nachfragte. Der soll demnach freimütig bekundet haben: „Der Sinn ist korrekt. Die Wahrheit ist belegbar. Die These ist fruchtbar. Was fehlt, ist das Geringste: das Wortwörtliche.“ Selbst in dieser kurzen Replik zeigt sich die pointierte Sprachgewalt Menasses, zugleich aber auch ein fahrlässiger Umgang mit Fakten. Anders als der junge Relotius hat Menasse es nicht nötig, sich mit ästhetisierten Texten zu profilieren, vielmehr ordnet der Romancier die Wirklichkeit offenbar im Dienste einer Idee. Diese Methode gehört für einen Schriftsteller zum täglich Brot, im Journalismus hat sie gerade in Zeiten von Fake-News-Debatten nichts zu suchen. Während die Vermischung von Fiktion und Realität im Roman reizvoll sein kann – Menasse wurde gerade dafür bislang gefeiert – gelten bei nichtfiktionalen Artikeln andere Regeln.

In einer Reihe vieler Ehrungen sollte Menasse am 18. Januar mit der Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet werden, für seinen Einsatz für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer will dies nun prüfen lassen.

Robert Menasse hat inzwischen die Fehler eingeräumt und sich dafür entschuldigt. „Die Anführungszeichen waren, vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, ein Fehler“, sagte der 64-jährige Autor und Träger des Deutschen Buchpreises in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag). „Dafür entschuldige ich mich, das tut mir leid.“

Er habe selbst verschiedentlich darauf hingewiesen, dass er Hallstein nicht wörtlich, sondern sinngemäß wiedergegeben habe, erklärte Menasse. Die Kritik an seinem Umgang mit Zitaten bezeichnete er als „künstliche Aufregung“.

Von Nina May/RND

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