Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur Gretchen Peters tanzt mit dem Biest
Nachrichten Kultur Gretchen Peters tanzt mit dem Biest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:53 25.05.2018
Der „Boy from Rye“ fuhr am Ende des Sommers wieder in die Stadt zurück: Traurige Frauen bevölkern die Songs von Gretchen Peters – aber zuweilen sind es auch wehrhafte Mädchen. Quelle: Gina R. Binkley
Anzeige
Hannover

Gefangen fühlt sie sich in ihrem Städtchen, seit sie auch noch das Drive-In geschlossen haben. „Manchmal fliehen die Jahre, als wären sie Tage, und manchmal zieht sich ein Tag hin wie ein Jahr“, flüstert Gretchen Peters, „und ich weiß nicht, was von beiden ich mehr hasse“. Die Heldin ihres Songs sitzt am alten Küchentisch, zündet eine Zigarette an, die dann im Aschenbecher verglimmt. Und wenn die Sängerin mit allerhand Coutrywehmut in der Stimme von einem Leben erzählt, das sich in der Vergangenheit verloren hat, von einem Leben, in dem die Protagonistin nur noch mit Geistern streitet, zieht Gänsehaut herauf.

Der Song „Arguing With Ghosts“ eröffnet „Dancing With The Beast“, ein Album voller dunkler, amerikanischer Frauengeschichten. Der strahlende, leicht silbrige Gesang der 60-Jährigen Peters schafft im Nu Atmosphäre, als wäre der Vortrag ein Schauspiel. Man sieht Bilder heraufziehen rostige Windräder und vom Wind zermürbte Scheunen, nickende Ölpumpen, Straßen durch die Windteufel rollen, leer stehende Geschäfte, einsam in Corralls grasende, traurige Pferde.

Das ist kein klassischer Country-Sound. Das lyrische Piano von „Truckstop Angel“, der Cinemascope-Westernklang von „Wichita“, die seufzende Gitarre von „Disappearing Act“ verankern die Songs im freieren, rockigeren Feld von Americana. Die Arrangements sind kantig, die Melodien bezwingend, betörend geradezu, die meisten Songs – vornehmlich sind es Balladen - wachsen mit jedem Mal, die man sie hört.

Nichts passiert in Amerikas Herzlanden, alles in Peters’ Songs

Peters erzählt in „Wichita“ von einem missbrauchten zwölfjährigen Mädchen, das den Mann, der schon ihre Mutter missbrauchte, mit einem geladenen Gewehr von ihrer Schwester fernhält. Und in „Disappearing Act“ von einer Frau, die auf ihr Leben zurückblickt und in trauriger Weisheit feststellt, dass das Leben ein Verschwindezauber ist. Zweimal war ihr Mann im Irak, kam nach Hause aber trotzdem nie mehr zurück, starb dann an Weihnachten.

In „Lowlands“ mit seinem raschelnden Rhythmus und seiner traurigen Orgel singt Peters von einer Arbeiterin, die abends kaputt nach Hause kommt und sich ihr Abendessen kocht. Keine gemeinsame Zigarette mehr mit dem Nachbarn, der sich den falschen Politsticker auf die Stoßstange geklebt hat. Sie macht das Licht aus, schließt die Tür zu. Und in „Boy From Rye“ fährt der neue Junge, in den sich alle Mädchen verliebt haben, am Ende des Sommers wieder in die Stadt zurück. Stille. Nichts passiert in Amerikas Herzlanden, und doch passiert so viel in Peters‘ Storys. Die Hälfte nur fasst sie in Worte, die andere überlässt sie der Imaginationskraft ihres Publikums. Großartiges Songwriting.

Verschweigen gehört zur hohen Kunst des Erzählens

Gretchen Peters hat deutsche Vorfahren, mütterlicherseits. Den Namen aber gab ihr der Vater, sagt sie, weil er den Klang hübsch fand. In New York geboren, in Boulder (Colorado) aufgewachsen, lebt sie lange schon in Nashville, im Stadtteil German Town. Warum sie erst 2011 erstmals bis Deutschland kam, stellt man die Gretchenfrage. „Ziemlich lange Story“, antwortet sie und verschweigt die Story dann.

Wie sie die Hintergründe der wirklich bösen Liebesgeschichte im Titelsong verschweigt, die eine Frau in den Abgrund zieht. Liebe gibt es vielerlei, weiß Peters im versöhnlichen, abschließenden Akustikgitarrengespinst des Albums. Liebe, die Berge versetzt, ins Gefängnis geht oder in den Krieg zieht – alles gut und schön oder völlig irrig. Die einzige Liebe aber, die zählt ist die, die dir zuhört, die wissen will, wie es dir geht, die „Love That Makes A Cup of Tea“. Solche Lieben sind wahrlich selten.

Gretchen Peters: „Dancing With The Beast“ (Scarlett Letter Records)

Von Matthias Halbig / RND

Seit Freitag (28. Mai) steht er auf den Streaming-Plattformen: „Live It Up“, der offizielle FIFA-Song zur WM in Moskau fordert auf, sein Leben nach Kräften zu leben und könnte Will Smith ein Comeback bescheren

25.05.2018

Jacob Burckhardt ist mit Büchern wie seiner„Kultur der Renaissance in Italien“ berühmt geworden. Anlässlich seines 200. Geburtstags zeigen nun drei Neuerscheinungen, was für ein großartiger Stilist er war.

24.05.2018

Er ist gerade mit dem Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet worden: Franz Rogowski über seinen Film „In den Gängen“, seine Erfahrungen als Gabelstaplerfahrer und Terrence Malick auf dem Anrufbeantworter.

24.05.2018
Anzeige