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Der Norden Die giftige Diskussion: Was wird aus Glyphosat?
Nachrichten Der Norden Die giftige Diskussion: Was wird aus Glyphosat?
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00:16 27.10.2017
Glyphosat ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichter und derzeit auch der umstrittenste. Quelle: Steven Lüdtke
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Hannover

Am Mittwoch tritt der maßgebliche EU-Ausschuss zusammen, der über eine weitere Zulassung des Herbizids beraten soll. In der Debatte gewinnen derzeit die Gegner die Oberhand: Immer mehr EU-Länder, darunter Österreich und Frankreich, wollen eine weitere Zulassung des Gifts verhindern. Sie befürchten, dass das Mittel schädlich ist für die Gesundheit der Menschen und das ökologische Gleichgewicht. Befürworter halten das für überzogen und fürchten, dass ein Verbot landwirtschaftliche Betriebe in Schwierigkeiten bringen würde. Ein Blick auf eine giftige Diskussion.

Was ist Glyphosat?

Glyhosat wird seit 40 Jahren eingesetzt und galt lange als praktischer Allrounder unter den Unkrautvernichtern: Es wirkt gegen eine große Spannbreite an Pflanzen und gilt nicht als gefährlich für das Grundwasser, weil es sich an Bodenpartikel bindet. Auch für Tiere und Menschen soll Glyphosat ungefährlich sein, allerdings haben Experimente an Mäusen gezeigt, dass hohe Dosen des Gifts Krebs erzeugen können.

Warum ist das Gift umstritten?

Vor zwei Jahren hat ein Gutachten der Internationalen Krebsforschungsagentur, die zur Weltgesundheitsorganisation gehört, Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit teilen diese Bedenken nicht: Bei normaler Anwendung gehe von Glyphosat kein Risiko aus. In jüngster Zeit ist aber weitere Kritik an Glyphosat laut geworden: Weil das Mittel zahlreiche Pflanzen vernichte, sei es mitverantwortlich für den Insektenschwund. Eine Studie hatte belegt, dass die Zahl der Insekten in weiten Teilen Deutschlands seit 1989 um 76 Prozent zurückgegangen sei.

Ist Glyphosat am Insektensterben schuld?

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sieht hier einen Zusammenhang, wenngleich einen indirekten: Pflanzengifte hätten ohne Zweifel in Verbindung mit der Überdüngung und der allgemeinen Reduzierung der Grünflächen einen „schädlichen Einfluss auf die Entwicklung der Artenvielfalt“, sagte der Minister auf einer Artenschutzkonferenz in der Akademie Loccum am vergangenen Freitag. Eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung sei „eine tickende Zeitbombe für die Insektenbestände, den Vogelschutz und die Nahrungsmittelproduktion“. Dass die Vernichtung von Unkraut für die Insekten ein Problem ist, wird auch beim Landvolk gesehen. Das gelte aber für jede Form der Unkrautvernichtung, auch das Umpflügen, sagt Landwirt Holger Hennies.

Stimmt es, dass Glyphosat in Bier nachgewiesen wurde?

Nicht nur in Bier, sondern auch in Milch, Brot und anderen Lebensmitteln. Kritiker sehen das als Alarmzeichen, weil sich das Herbizid nur langsam abbaue. Das BfR betont dagegen, dass die gemessenen Mengen des Herbizids unbedenklich seien: Um eine schädliche Menge an Glyphosat aufzunehmen, müsse man schon 3000 Liter Bier am Tag trinken.

Warum wird gerade über Glyphosat so heftig gestritten?

„Glyphosat ist ein Symbol“, sagt Horst-Henning Steinmann von der Universität Göttingen. „Es steht als weltweit dominierendes Pflanzenschutzmittel für eine Form der Landwirtschaft, die viele Kritiker hat.“ Ein weiterer Faktor sei, dass es von Konzernen wie Monsanto in vielen Ländern im Paket mit gentechnisch veränderten Pflanzen angeboten werde. „Damit steht Glyphosat indirekt auch für Gentechnik.“

Warum wollen Landwirte weiter Glyphosat einsetzen?

Das Breitband-Herbizid ist das meisteingesetzte in Deutschland, jährlich werden rund 5000 Tonnen versprüht - Tendenz sinkend. Um ein Drittel sei der Verbrauch bereits reduziert worden, sagt Holger Hennies vom Landvolk. Doch in Hanglagen sei es oft die einzige Möglichkeit, den Acker von Unkraut freizuhalten. Würde man hier öfter pflügen, was mehr Diesel verbrauchen würde, drohe der Hang bei Regen abzurutschen. Sollte ein Glyphosat-Verbot kommen, „werden wir mehr Erosionsschäden haben“, vermutet Hennies.

Wo ist Glyphosat schon verboten?

In El Salvador, Bermuda und Sri Lanka darf das Mittel nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat nicht mehr verwendet werden. Die Niederlande und seit 2016 auch Niedersachsen haben eine Verwendung des Mittels auf öffentlichen Grünstreifen, Spielplätzen oder Bahndämmen untersagt. Zudem fordert Niedersachsen, den Verkauf von Glyphosat für Hobbygärtner, etwa in Baumärkten, zu verbieten.

Würde ein Auslaufen der Glyphosat-Genehmigung der Umwelt nützen?

Stünde Glyphosat nicht mehr zur Verfügung, würden Landwirte vermutlich auf andere Mittel zurückgreifen, fürchtet Silvia Pieper vom Umweltbundesamt. „Statt des Verbots einer einzelnen Substanz wäre eine generelle Reduzierung des Herbizideinsatzes sinnvoll.“ Auch der Göttinger Agrarexperte Steinmann sagt: „Glyphosat ist ein modernes Herbizid, dessen Umweltwirkung vergleichsweise günstig zu beurteilen ist. Würde es nur durch ältere Wirkstoffe ersetzt, wäre für die Umwelt nichts gewonnen.“

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