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Der Norden "Die Bahn hat ihre Kunden nicht ausreichend informiert"
Nachrichten Der Norden "Die Bahn hat ihre Kunden nicht ausreichend informiert"
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15:45 07.10.2017
Nach Sturmtief "Xavier" wurde am Donnerstag der gesamte Zugverkehr am Hauptbahnhof Hannover eingestellt. Quelle: dpa
Hannover

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisiert die Deutsche Bahn wegen der Kommunikation nach Sturm „Xavier“. „Wir leben in einem Zeitalter von Apps und digitaler Information und doch ist das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, seine Kunden ausreichend zu informieren“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel am Sonnabend. Zumindest am Tag nach dem schweren Sturm über Norddeutschland hätte das möglich sein sollen. Bahnreisende müssen noch bis in die nächste Woche hinein mit zahlreichen Zugausfällen rechnen. 

EVG-Vize Hommel erklärte, es sei für die Mitarbeiter beschämend, wenn sie den an den Bahnhöfen Gestrandeten oft nur unzureichend weiterhelfen könnten. „Wieder einmal fehlte es an den nötigen Informationen, wieder einmal war das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, mit seinen Kunden zu kommunizieren.“ Hommel erklärte, die Instandhaltungstrupps arbeiteten unter Hochdruck und unter oft widrigen Umständen. Auch die Fahrdienstleister, die den Verkehr koordinieren, leisteten im Hintergrund Großartiges. „Die Basis weiß, was zu tun ist, damit die Eisenbahn funktioniert, daran sollte sich die Führungsspitze ein Beispiel nehmen.“

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn hat der Deutschen Bahn schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. „Es hat einfach an Informationen gefehlt“, sagte Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann der „Passauer Neuen Presse“. „Wir haben alle Verständnis, dass kein Zugverkehr stattfinden kann, wenn Bäume auf die Schienen fallen oder Oberleitungen beschädigt werden.“ Es sei auch richtig, dass Züge nicht rollen, solange nicht klar ist, wo Bäume liegen. „Aber man muss dann auch sauber informieren. Das ist der Bahn nicht gelungen.“

Doch es gehe nicht nur um das Informieren, monierte Pro Bahn. „Man hat offenbar keine Konzepte dafür, was im Fall von Sperrungen zu tun ist“, sagte Naumann. „Erforderlich ist ein genauer Überblick, welche Strecken noch frei sind und welche nicht. In vielen Fällen hätte es Ausweichstrecken gegeben, die nutzbar gewesen wären. Aber das ist kaum geschehen, unter anderem weil den Lokführern hier Streckenkenntnisse und Streckeninfos fehlten.“ Die Probleme, deren Folgen die Kunden zu spüren bekommen hätten, seien „nicht nur auf das Wetter zurückzuführen, sondern auch auf ein großes internes Kommunikations- und Koordinierungsproblem bei der Bahn“.

Entschädigung

Zugausfall wegen "Xavier":  Das sind Ihre Rechte.

Bereits am Freitag hatte der Fahrgastverband angemahnt, dass die Deutsche Bahn Bahnstrecken besser vor umstürzenden Bäume schützen müsse. Bis zur Abschaffung der Dampfloks vor 40 Jahren habe es zehn Meter breite Brandschutzstreifen entlang der Gleise gegeben, die später schlichtweg zugewachsen seien, erklärte Niedersachsens Pro-Bahn-Chef Björn Gryschka. Früher seien die den Gleisen am nächsten stehenden Bäume kurz gehalten worden, damit sie nicht auf die Schienen fallen und dahinter stehende Bäume bei einem Unwetter auffangen können.

Die Deutsche Bahn betonte, dass sie auf die klimatischen Veränderungen mit extremen Wetterlagen und gesperrten Strecken mit einem erweiterten Grünschnitt reagiere. Es seien bereits problematische Streckenabschnitte bestimmt worden, auf denen die Bäume über den üblichen sechs Meter breiten Streifen hinaus zurückgeschnitten werden, und zwar unter Beachtung des Umwelt- und Naturschutzes. Fast 400 Kilometer Strecke sollen bis Ende 2017 nach dem neuen Verfahren bearbeitet sein.

Der Sturm "Xavier" hatte am Donnerstag den Zugverkehr in der Nordhälfte Deutschlands lahmgelegt. Viele Reisende strandeten an Bahnhöfen. Allein am Hauptbahnhof Hannover strandeten rund 10.000 Personen. Dort kehrte am Sonnabend allmählich wieder so etwas Normalität ein. Angesichts der zahlreichen Zugausfälle bildeten sich zwar am Vormittag erneut lange Schlangen an den Infoschaltern der Deutschen Bahn, vom Chaos der beiden Vortage war das jedoch weit entfernt.

dpa/frs/jst

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