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Der Norden Wohnblock leidet an schwerem Kakerlakenbefall
Nachrichten Der Norden Wohnblock leidet an schwerem Kakerlakenbefall
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00:15 24.01.2017
Von Karl Doeleke
„Die Schabe muss weg“: Selbst die Androhung von Zwangsgeld in fünfstelliger Höhe hat den Eigentümer bisher nicht bewegt. Quelle: Rahlf/Köhnken/Landkreis Stade/privat (Collage: HAZ)
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Buxtehude

Die Kakerlaken sind angeblich überall. Sie krabbeln nachts über Bettdecken, sitzen in den Schränken und Schubladen. Seit Monaten soll das nun schon so gehen in dem Mehrfamilienhaus in der Buxtehuder Schröderstraße: zwölf Stockwerke, 74 Wohnungen und Tausende Schaben.

Offenbar kommen die Insekten aus einem zentralen Müllschacht. Er soll seit Jahren nicht gereinigt worden sein. „Es ist widerlich, und die Mieter sind verzweifelt“, sagt die Buxtehuder Ratsfrau Sylvia Köhnken. Sie kümmert sich um den Fall, seit einige Hausbewohner sie vor einem halben Jahr schon um Hilfe baten. Viel ist seitdem nicht geschehen.

Dabei scheint es doch eigentlich klar zu sein. Sogar das Gesundheitsamt des Landkreises Stade ist eingeschaltet, was ungewöhnlich ist, wenn es um Kakerlaken in Wohnungen geht. In der Schröderstraße ist es aber anders. Bereits im Juli stellten Mitarbeiter des Landkreises in dem Mehrfamilienhaus einen „massiven Schabenbefall“ fest, wie die Leiterin des Gesundheitsamtes, Nicole Streitz, sagt. „Der Befall ist so stark, dass wir nach dem Infektionsschutzgesetz zuständig sind. Es besteht Gesundheitsgefahr.“ Für Streitz steht fest: „Die Schabe muss weg.“

Kurz waren Kammerjäger da

Das hört sich entschlossen an. Doch den Eigentümer beeindruckt das offenbar nicht. Der Landkreis hatte dem Immobilienentwickler aus Hamburg schon im Sommer aufgetragen, die Kakerlaken auszumerzen. Zunächst kamen die Schädlingsbekämpfer auch.

Doch die Kammerjäger hat in der Schröderstraße schon lange niemand mehr gesehen, und die Schaben sind immer noch da. „Das Gesundheitsamt lässt sich verdammt viel Zeit“, findet darum Ratsfrau Köhnken. Die Hausbewohner selbst trauten sich nicht, sich gegen ihren Vermieter zu wehren. „Die haben Angst, ihre Wohnung zu verlieren und dann keine neue zu finden“, sagt Köhnken. Überwiegend seien es Hartz-IV-Empfänger und Aufstocker, die es auf dem Wohnungsmarkt in Buxtehude schwer hätten. Mit Journalisten reden sie darum nicht. „Auch in Buxtehude herrscht Wohnungsknappheit“, sagt Köhnken.

Erst zu Jahresbeginn wurde dann auch im Gesundheitsamt klar, dass der Vermieter die Behörde anscheinend an der Nase herumgeführt hat. „Offenbar hat der Eigentümer den Vertrag mit der Schädlingsbekämpfungsfirma auslaufen lassen“, sagt Streitz. „Uns gegenüber hat er aber vorgetäuscht, dass es weitergeht.“ Man habe jetzt ein Zwangsgeld festgesetzt und ein weiteres Zwangsgeld „in empfindlicher Höhe“ angedroht. Wie hoch, will Streitz nicht sagen – nur, dass der mögliche Rahmen bis 50.000 Euro reiche. „Wir sind da sehr deutlich im fünfstelligen Bereich.“

„Ein schlimmer Typ“

Ob das den Eigentümer dieses Mal beeindruckt? Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg glaubt das nicht. Der Mann ist in der Hansestadt als Vermieter berüchtigt. „Ein schlimmer Typ“, sagt der Anwalt. Das Haus in Buxtehude hat er 2009 mit Ende 20 in einer Zwangsversteigerung erworben. Im „Hamburger Abendblatt“ prahlte der Käufer damals, er habe bereits Hunderte Objekte in Norddeutschland „gesammelt“. Der vorherige Eigentümer soll zuvor 15 Jahre nicht investiert und sich dann nach Wien abgesetzt haben. Laut Ratsfrau Köhnken hat sich der Neue seitdem auch nicht mit Engagement hervorgetan.

Für Mietervereins-Anwalt Bosse passt das ins Bild: „Er will die Häuser leer haben und hungert die Mieter aus.“ Er wolle die Gebäude entweder abreißen oder luxussanieren. Mit der HAZ will er nicht reden. Ob das alles stimmt, würde man gerne von dem Immobilienentwickler selbst erfahren. Auf mehrfache Kontaktversuche reagiert der Mittdreißiger aber nicht.

Nachgefragt: "Sie mögen es warm"

Günter Schaper ist 
Schädlingsbekämpfer.

Herr Schaper, wie kommt es, dass man Schaben im Haus hat?

Das kann verschiedene Ursachen haben. Meistens werden sie eingeschleppt, in Lebensmittelkartons, aber auch in elektrischen Geräten wie Computern oder Fernsehern. Darin verkriecht sich die Schabe gerne. Sie ist ein lichtscheues Gesindel.

Hat das mit mangelnder Hygiene zu tun?

Nein. Schaben fühlen sich in warmen Räumen, in denen sie sich zum Beispiel hinter der Küchenzeile verstecken können, einfach wohl.

Und wie werde ich die Schaben wieder los?

Es ist wichtig, einen Fachmann um Rat zu fragen, der erst einmal feststellt, um was für eine Art es sich handelt. Und es ist wichtig, dass sie nicht immer wieder neu eingeschleppt werden. In der Seefahrt werden darum am Kai die Lebensmittel aus den Kartons geholt, bevor man sie an Bord bringt. Und dann gibt es verschiedene Möglichkeiten die Schabe zu bekämpfen: mit Insektiziden oder mit Fressködern.

Bekommt man ein so großes Haus wie in Buxtehude jemals wieder frei von Kakerlaken?

Grundsätzlich ja. Der Winter ist eigentlich gut dafür. Die Kakerlaken halten sich dann nicht gern in kalten Versorgungsschächten auf, lieber in den Wohnungen. Es ist wichtig, dass man in jede einzelne reinkommt. Bei 74 Wohnungen und Mietern mit vielen Nationalitäten ist es natürlich schwierig, alle anzusprechen. Wenn man nur eine Wohnung auslässt, dann kann von dieser immer wieder neuer Befall ausgehen.

Sind Schaben gefährlich?

Sie können Krankheiten über Nahrungsmittel übertragen. Darum ist es wichtig, dass der Befall getilgt wird.     

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