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Der Norden Wie sich ein Dorf das Kino in den Ort holt
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00:18 22.10.2017
Von Gabriele Schulte
Der Bürgerbus holt die Zuschauer ab: Im Saal in der früheren Gaststätte Lintler Krug in Kirchlinteln laufen regelmäßig Filme – diesmal „Der Biss der Ameise“.  Quelle: Clemens Heidrich
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Kirchlinteln

Renate Meyer gehört zu den rührigen Gründerinnen vom „Kino im Krug“, das gerade in seine zehnte Saison startet. Die 64-Jährige engagiert sich auf vielfältige Weise: Sie fährt den Bürgerbus, der einen Teil der Zuschauer zur Vorstellung in den Lintler Krug, eine ehemalige Gaststätte, bringt. Sie bereitet einmal im Monat, wenn Kino-Tag ist, zu Hause im großen Topf Popcorn zu. Bis zum späten Abend geht es fast pausenlos weiter: Rasch die Küche von Fettspritzern befreien, zum „Krug“ fahren, wo sie mit ihren Mitstreitern Kasse, Stühle, Tische und eine drei mal vier Meter große Leinwand aufbaut. „Ich bin auch für die Deko zuständig“, sagt Renate Meyer und verteilt Hagebutten und Herbstlaub auf weißen Tischen in dem schick renovierten Fachwerkgebäude, das dem Dorf als Gemeinschaftshaus dient.

Wie immer wird nachmittags ein Film für Kinder und abends einer für Erwachsene gezeigt - Eintritt frei, Spenden erbeten. Die Lizenzgebühr für die Filme ist dank des freien Eintritts mit 42 Euro erschwinglich. Die Leinwand hat Sigrid Lindhorst, die sich in Kirchlinteln auch schon als Ortsvorsteherin ehrenamtlich engagiert hat, beim Medienzentrum des Kreises abgeholt. „Der Landkreis unterstützt uns außerdem mit 700 Euro im Jahr“, sagt sie. Schließlich hole das Kulturangebot die Leute vom heimischen Sofa und fördere die Gemeinschaft. Von den Zuschauerspenden konnte die Kino-Initiative unter anderem Jalousien kaufen. Anfangs hatte sie den Saal mit Plastiktüten vor den Fenstern verdunkelt.

In der Grundschule haben die Lehrer einige Tage zuvor wieder Zettel verteilt, um für den Kino-Nachmittag zu werben. 40 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren verfolgen diesmal den Film „Der Biss der Ameise“ - einzelne begleitet von Vater oder Großmutter, und alle so gebannt, dass als Nebengeräusch nur ihr Popcorn-Knispeln zu hören ist.

In der Pause toben die Kleinen herum, nach der Vorstellung werden Flaschen und Müll zur Sammelstelle gebracht. Während die Kinder entweder von Eltern abgeholt oder mit dem Bürgerbus in Nachbardörfer zurückgebracht werden, räumen Meyer und ihre „Kino-im-Krug“-Kolleginnen schnell den Saal um. Die Stuhlreihen, die sie für die Kinder aufgestellt hatten, weichen nun Tischgruppen, an denen das erwachsene Publikum eine gute Stunde später bei Kerzenlicht und Wein zusammensitzt.

„Pride“, ein politischer und gleichzeitig amüsanter Film über britische Homosexuelle in der Ära Thatcher, lockt nur rund ein Dutzend Zuschauer an. Am beliebtesten seien Komödien, sagt Elke Beckmann von der Kino-Initiative. Nach dem Abendfilm „Willkommen bei den Sch’tis“ hätten die Erwachsenen sogar applaudiert. „Aber wir legen auch Wert auf Anspruch“, stellt die 59-Jährige klar: „Es muss auch was Ernstes dabei sein.“ In der Sommerpause haben die zurzeit vier aktiven „Kino-Frauen“ die sechs Filme für das Winterprogramm ausgesucht. Jede habe erst im Katalog ihre Favoriten angekreuzt, erzählt Meyer. „Wir sind uns dann immer schnell einig.“

Ins Gespräch kommen

Für das Stammpublikum spielt die Auswahl nicht die größte Rolle. „Ich wusste gar nicht, was heute kommt“, sagt Zuschauer Thomas Redenius, ein Rinderzuchttechniker. „Aber es sind hier immer schöne Filme gewesen.“ Seine Tischnachbarin Gabriele Busche ergänzt: „Die Filmauswahl überrascht. Ich lasse mich gern auf Neues ein.“ Die 56-Jährige ist gerade aus Rotenburg hergezogen und nutzt die Gelegenheit, vor und nach der Vorführung mit ihren neuen Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Das Beisammensein sei eine willkommene Alternative zum Fernsehabend, meinen auch andere, die regelmäßig in den „Krug“ kommen. „Es ist ein bisschen wie ein Familientreffen“, sagt Angelika Bennefeld, eine frühere Lehrerin.

Immer wieder mal sind Neue dabei, nicht zuletzt aus Dörfern in der Umgebung; auch Flüchtlinge aus Eritrea haben schon zugeschaut. Mancherorts kam das Konzept so gut an, dass Ehrenamtliche dort inzwischen ihr eigenes Kino betreiben - etwa in Westen, Dörverden und Etelsen, alle im Landkreis Verden. Die Leinwände werden dort in der Dorfgaststätte, einem Mehrgenerationenhaus und einer Mühle aufgestellt. Die Kirchlintelner stört die Konkurrenz nicht. Sie sind stolz, den Anstoß gegeben zu haben. „Kino im Krug“ sei auch in der zehnten Saison besonders geblieben, meint Elke Beckmann: „Wir waren nicht nur die Ersten. Immer einen Film für Kinder und einen für Erwachsene haben nur wir.“

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