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Warum knickt ein Windrad einfach um?

Havarie Warum knickt ein Windrad einfach um?

Ein knapp 100 Meter großes Windrad ist am Dienstag bei Neu Wulmsdorf (Kreis Harburg) umgeknickt – und auch am Tag danach gibt es noch keine Erklärung dafür. Auch strenge Kontrollen können Havarien nicht verhindern.

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Am Dienstag stürzte dieses Windrad bei Neu Wulmstorf um.

Quelle: dpa

Hannover. Umgestürzte Türme, abgeknickte Rotorblätter oder brennende Gondeln: Die Bilder von havarierten Windkraftanlagen sorgen immer für viel Aufsehen. Windkraftgegner warnen, dass die von den Anlagen ausgehenden Gefahren unterschätzt werden. Das Land Niedersachsen betont dagegen, dass die Unfallzahlen im Vergleich sehr selten seien und verweist auf umfangreiche Sicherheitskontrollen.

Erst am Dienstag knickte bei Neu Wulmstorf (Kreis Harburg) eine 94 Meter hohe Windkraftanlage um. Auf etwa 20 Meter Höhe löste sich die mit 80 Bolzen befestigte Verbindung zweier Rohrstücke, sodass der obere Teil des Turms auf den Acker fiel. Ein Sachverständiger solle jetzt die havarierte Anlage untersuchen, teilte ein Sprecher der Hamburger Stadtreinigung mit, die die Anlage betreibt. Erst wenn dessen Ergebnisse vorlägen, könne man mehr zu der Ursache des Unfalls sagen.

Drei Vorfälle in drei Wochen

Es ist bereits das dritte umgestürzte Windrad in Deutschland innerhalb von drei Wochen: Mitte Dezember war eine Anlage bei Grischow in Mecklenburg-Vorpommern auf ähnliche Weise umgestürzt. Nach Medienberichten war ein defektes Bauteil die Ursache. Kurz vor Silvester knickte eine Windkraftanlage nahe dem sächsischen Leisnig kurz über dem Boden um - hier ist die Ursache ebenfalls noch unklar.

Alle Anlagen stürzten auf das Feld, ohne jemanden zu verletzen oder ein Gebäude zu beschädigen. Das Gesetz schreibt einen Mindestabstand der Anlagen zum nächsten Gebäude vor, der vor allem dem Schallschutz dient, aber auch verhindert, dass die Windräder auf Häuser kippen können.

Matthias Elsner, Vorsitzender der windkraftskeptischen Bürgerinitiative Vernunftkraft in Niedersachsen, sieht die Unfallgefahren durch Windkraftanlagen daher vor allem auf anderen Gebieten: „Bei Bränden entstehen massiv Gifte“, warnt er. Etwa nach Blitzschlägen sind in der Vergangenheit bereits die Gondeln an der Spitze der Anlagen in Brand geraten. Diese könne man nicht löschen, sodass man es in Kauf nehmen müsse, dass giftiger Rauch über die benachbarten Felder ziehe. Außerdem bestehe die Gefahr, dass bei dem Brand Kühlflüssigkeit aus der Anlage auslaufe und ins Grundwasser gerate.

Gefahr durch Eiswurf

Eine weitere Gefahr sieht Elsner im sogenannten Eiswurf: Wenn auf stillstehenden Rotorblättern Wasser gefriert, könne es sein, dass beim Wiederanlaufen der Anlage Eisstücke mit hohem Tempo durch die Luft geschleudert würden, erläutert er.

Bei Behörden und Betreibern werden die Gefahren als nicht so dramatisch eingeschätzt. „Unfälle lassen sich nie vollständig ausschließen“, schreibt das niedersächsische Umweltministerium in einer Broschüre zur Windenergie. Insgesamt seien zum Beispiel Rotorblattbrüche aber selten und mit Unfallzahlen bei weit verbreiteten Technologien wie dem Autoverkehr in keiner Weise vergleichbar.

Denn weit verbreitet ist die Windenergie in der Tat. 26 000 Anlagen stehen in Deutschland, davon 5783 in Niedersachsen. Die niedersächsischen Windkraftanlagen kommen auf eine Gesamtleistung von 8957 Megawatt, was etwa dem Sechsfachen der Leistung des Kernkraftwerks in Grohnde entspricht.

800 Meter Abstand zu Häusern

Und die Windkraftanlagen unterliegen einer ständigen Kontrolle. Bereits während der Herstellung werde das Material mehrfach Belastungstests ausgesetzt, um eine Lebensdauer der Anlage von 20 bis 25 Jahren gewährleisten zu können, betont Bernd Eilitz, Sprecher der Windkraftsparte beim Hersteller Siemens. Bei der Errichtung ist es Sache der Landkreise, auf die Einhaltung der Mindestabstände zu benachbarten Häusern zu achten. In der Region Hannover seien das 800 Meter, sagt Sprecher Klaus Abelmann. Zudem müsse gewährleistet sein, dass der Turm nicht auf eine Autobahn oder große Straße fallen könne. Allerdings seien Wirtschaftswege von der Abstands­regelung nicht betroffen.

Während des Betriebs stehen die Windräder unter dauerhafter Kontrolle. Wer eine Anlage aufstelle, der schließe in der Regel einen Wartungsvertrag mit dem Hersteller, sagt Heinz Visel, Geschäftsführer der Burgwedeler Wind GmbH. Das Unternehmen betreibt drei Windkraftanlagen der ostfriesischen Firma Enercon in der Region Hannover. Die Enercon-Ingenieure überprüften die Technik der Anlage alle drei Monate, nähmen dabei aber auch das ganze Windrad in Augenschein, sagt Visel.

Technik überwacht Rotoren

Zusätzlich sei alle zwei bis vier Jahre eine gründliche Sicherheitsinspektion vorgeschrieben, fügt Abelmann hinzu. Dann muss der Gutachter sich auch an den Rotoren abseilen, um nach Materialschäden zu suchen.

Und schließlich werden die Anlagen rund um die Uhr von eingebauten Systemen kontrolliert. Diese Systeme sollen verhindern, dass die Rotoren etwa Unwuchten aufbauen oder die Anlage bei starkem Wind in Schwierigkeiten gerät. Gibt es Probleme, stellt sich das Windrad selber ab.

Fällt eines der Systeme aus, wird ein Kontrollzentrum beim Hersteller benachrichtigt, das in der Regel rund um die Uhr besetzt ist, sodass ein Techniker sich umgehend um das Problem kümmern kann. „Wir bekommen dann auch eine SMS“, sagt Visel, und fügt scherzhaft hinzu: „Wenn der Turm umgefallen ist, nützt einem das zwar nichts mehr, aber dann weiß man es wenigstens sofort.“

Abstürze und 
zahlreiche Brände

Immer wieder kommt es in Deutschland zu Vorfällen, bei denen Windkraftanlagen beschädigt oder sogar vollständig zerstört werden. Einige Unfälle haben auch schon Menschenleben gefordert.

Anfang August geriet bei Scholen (Kreis Diepholz) die Gondel einer Windkraftanlage in Brand. Weil die Feuerwehr die Flammen in 100 Metern Höhe weder erreichen noch löschen konnte, musste sie die Anlage abbrennen lassen.

Mitte Juli fing eine Windkraftanlage im nordfriesischen Oldersbeck (Schleswig-Holstein) Feuer. Auch bei der 77 Meter hohen Anlage konnte die Feuerwehr nur zuschauen, wie die Flammen nach einer Weile von selbst ausgingen und aufpassen, dass niemand von herabfallenden Trümmern getroffen wurde.

Anfang Juli brannte eine Windkraftanlage in Renkenberge (Kreis Emsland) vollständig aus. Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe.

Anfang Juni fing ein Windrad in Martinshöhe (Rheinland-Pfalz) Feuer und brannte vollständig aus.

Mitte Mai wurde nahe Borchen im Kreis Paderborn (Nordrhein-Westfalen) ein Windrad bei einem Unwetter vollkommen zerstört. Die Trümmerteile flogen teilweise mehrere Hundert Meter weit in die Felder hinein.

Anfang Mai riss bei einer Windkraftanlage bei Kloster Lehnin nahe Brandenburg an der Havel ein 15 Meter langes Rotorblatt ab und fiel auf den Boden. Als Ursache wird ein Blitzschlag vermutet. Die Trümmer des Flügelblattes hatten sich über mehrere Hundert Quadratmeter verteilt.

Mitte Februar knickten bei einer Windkraftanlage in Dörpen (Emsland) alle Rotorblätter um, blieben aber an der Nabe hängen.

Ende Januar brach in Altenbeken-Buke (Kreis Paderborn) die rund 100 Tonnen schwere Gondel samt Rotorblättern von der Spitze einer Windkraftanlage ab und stürzte zu Boden.

Im Oktober 2015 starb ein Mann bei Reinigungsarbeiten auf einer Windkraftanlage im hessischen Sontra (Werra-Meißner-Kreis). Er war in 141 Metern Höhe in einer Kuppel eingeklemmt worden.

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24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

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