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Der Norden „Niedersachsen ist Ziel von Spionage“
Nachrichten Der Norden „Niedersachsen ist Ziel von Spionage“
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13:45 26.01.2016
Der Verfassungsschutz warnt für Niedersachsen vor Spionage. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

Vor dem Ausspionieren von Unternehmen, Behörden und Regierungsinstitutionen in Niedersachsen durch ausländische Nachrichtendienste hat der Verfassungsschutz gewarnt. „Nach wie vor ist auch Niedersachsen als erfolgreicher Wirtschaftsstandort Ziel von Spionage fremder Nachrichtendienste“, sagte die Präsidentin des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Maren Brandenburger, am Dienstag in Hannover. Spionage werde vor allem von Russland, China und dem Iran betrieben. Auch im letzten Jahr habe es Verdachtsmomente gegeben, dass ein Geheimdienst in Niedersachsen versucht hat, technisches Know-How illegal zu beschaffen. 

Häufig geschehe Spionage inzwischen elektronisch und geräuschlos als Cyber-Attacke, sagte Brandenburger auf einer Tagung für Behördenmitarbeiter. Weiterhin gebe es aber das klassische Ausspähen und Sammeln von Informationen, das nicht nur Verantwortliche, sondern alle Mitarbeiter auch ohne besonderen Auftrag treffen könne. 

Bedrohung auch aus westlichen Ländern

Worauf aber kann Spionage in Niedersachsen abzielen, wenn es nicht bloß um Industriespionage geht? Wie der Referatsleiter Spionageabwehr beim Verfassungsschutz, Wolfgang Rösemann, erklärte, sei etwa Russland als Öl- und Gaslieferant an Hintergründen zur Energiepolitik interessiert, etwa was alternative Energien, das Fracking oder die Energieförderung angehe. China gehe im Westen gezielt Menschen an, die sich in Karrierenetzwerken im Internet als Spezialisten in bestimmten Technikbereichen outeten.  

Spionage drohe auch von westlichen Ländern, betonte Rösemann. Das klassische Freund-Feind-Schema greife nicht, wie spätestens die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden offenbarten.  Mit Cyber-Attacken würden nicht nur Daten und Informationen abgesaugt, sagte der Chef der Spionageabwehr. Insbesondere für sensible Infrastruktur - gedacht werden kann an Energieversorger, Banken oder die Luftfahrt - drohten auch mutwillige Störungen und Sabotage. 

Unterwanderung fällt erst später auf

Diese Gefahr möglichst abzuwenden ist Aufgabe des 2012 gegründeten Niedersächsischen Computer Emergency Responce Teams (N-CERT), das die Landesbehörden in Fragen der IT-Sicherheit berät.

Wie N-CERT-Experte Michael Schätzke erklärte, würden Cyber-Angriffe auf Behörden analysiert und idealerweise abgewehrt, wie als im Dezember eine neue Version des Verschlüsselungstrojaners TeslaCrypt grassierte. Für eine monate- oder jahrelange Ausspähung würden aber auch bestimmte Mitarbeiter mit einer unverfänglichen Mail angegangen, in der sich ein Newsletter oder branchentypische Informationen befänden, so Schätzke. Wer die angehängte Datei öffne werde zunächst nicht misstrauisch und die Unterwanderung falle erst später auf. 

Fremde Agenten, die nach wie vor in Niedersachsen aktiv seien, fielen anders als in Filmen nicht mit Trenchcoats oder Schlapphüten auf, sagte Rösemann. Vielmehr versuchten sie bei Tagungen oder Messen Kontakte zu knüpfen und diese zu einer vermeintlichen persönlichen Freundschaft auszubauen. Treffen gebe es dann aber nie in der Institution, in der der Agent angeblich arbeitet und de facto telefonisch nie erreichbar ist, sondern auf neutralem Terrain wie Restaurants. Dort übernehme er oft die Rechnung, versucht im Gegenzug aber, an möglichst viel vertrauliche Informationen zu kommen.

dpa

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