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Der Norden Die fiese Masche der falschen Polizisten
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19:36 13.01.2019
 „Das ist mir im Nachhinein unbegreiflich“: Die 86-Jährige aus Duderstadt hat sich von den Betrügern unter Druck setzen lassen (Symbolbild). Quelle: Heidi NIemann
Göttingen

Am 20. März 2018 bekommt eine 86-jährige Frau in Duderstadt (Kreis Göttingen) einen Anruf, der sie in Angst und Schrecken versetzt. Der angebliche Kriminaloberrat Thomas Müller von der Polizei Nordhausen teilt ihr mit, dass man zwei Mitglieder einer rumänischen Bande gefasst habe. Die Männer seien auf dem Weg zu ihr gewesen, um sie zu überfallen. Trotz der Festnahme sei die Seniorin weiter in Gefahr. Die Männer hätten detaillierte Informationen über ihre Konten und finanziellen Verhältnisse bei sich gehabt. Offenbar versorge ein Mitarbeiter ihrer Bank die Bande mit vertraulichen Daten. Sie müsse daher unbedingt ihr Geld in Sicherheit bringen.

Der nette Herr ist kein Polizist

Die 86-Jährige ist völlig geschockt und folgt den Ratschlägen des Polizisten. Sie räumt ihre Konten und Sparbücher ab und übergibt das abgehobene Bargeld einem Kurier des Kripobeamten, damit es sicher verwahrt wird. Nachdem sie sogar noch ihr Haus verkauft hat, wird ihr klar, dass der nette Herr Müller, der sie drei Monate lang immer wieder kontaktiert hat, gar kein Polizist ist. Sie ist einer Bande zum Opfer gefallen, die mit einer raffinierten Betrugsmasche nach und nach insgesamt 290.000 Euro von ihr ergaunert hat.

Die Seniorin ist kein Einzelfall, bundesweit sind bereits zahlreiche Menschen durch falsche Polizisten um ihr Vermögen gebracht worden. Die Betrugsmasche weitet sich immer weiter aus. 2017 wurden in Niedersachsen rund 2900 Fälle angezeigt, bei denen sich Anrufer als Polizisten ausgaben. 2018 waren es nach Angaben des Innenministeriums in Hannover bis Ende November bereits mehr als 3900, Tendenz weiter steigend: Zu Beginn des neuen Jahres gab es vor allem in Südniedersachsen eine Flut von Anrufen falscher Polizisten.

Die Trickbetrüger suchen in Telefonbüchern gezielt nach Personen, die sich aufgrund ihres Vornamens der älteren Generation zuordnen lassen, sagt der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Breyer. Die Anrufer seien außerordentlich gut geschulte und gewiefte Rhetoriker: „Sie können die Betroffenen so unter Druck setzen, dass diese am Ende nicht mehr klar denken können.“

Mit welchen perfiden psychologischen Tricks die Trickbetrüger arbeiten, wurde kürzlich bei einem Prozess vor dem Amtsgericht Duderstadt deutlich. Dort musste sich einer der Kuriere verantworten, die bei der Seniorin in Duderstadt hohe Bargeldsummern abgeholt hatten. Die Polizei nahm den 27-Jährigen einige Wochen später in Coburg fest. In dem Prozess sagte die 86-Jährige als Zeugin aus. Die geistig fitte, hellwache frühere Gymnasiallehrerin kann es bis heute nicht fassen, dass sie den Betrügern auf den Leim gegangen ist: „Dass ein Anrufer eine solche Macht ergreifen kann und einen Menschen in eine Falle zieht, aus der man nicht mehr herauskommt – das ist mir im Nachhinein unbegreiflich.“

Klaviatur der Angst

Die Betrüger spielen vor allem auf der Klaviatur der Angst. „Der allererste Anruf war entscheidend“, berichtete die Zeugin. Der angebliche Polizist habe geschildert, wie die festgenommenen Räuber bei ihren Überfällen zu agieren pflegten: Sie fesselten und knebelten ihr Opfer, betäubten es mit einem Narkosespray und ließen es dann hilflos liegen „Ein alter Mensch kann dabei sterben“, sagte die 86-Jährige. Deshalb sei sie voller Panik gewesen.

Ein weiteres Druckmittel ist das Schüren von Argwohn und Misstrauen gegen Menschen und Institutionen, denen man normalerweise vertraut. Nach Angaben des vermeintlichen Polizisten war ihr Geld auf der Bank nicht mehr sicher, weil einer der Mitarbeiter mit der Bande zusammenarbeite. Um diesen identifizieren zu können, sollte sie ein Schließfach anmieten, ihre Immobilienfonds kündigen, ihr Sparbuch auflösen und die Geldsummen in dem Schließfach zwischenlagern. Anschließend solle sie das Bargeld entnehmen und einem Kurier übergeben, damit die Polizei prüfen könne, ob der „Maulwurf“ auf den Scheinen seine Fingerabdrücke hinterlassen habe.

So schützen Sie sich vor den Tricks

Immer wieder sind Betrüger unterwegs, die sich als Polizisten ausgeben, um in den Besitz von Geld und anderen Wertgegenständen ihrer Opfer zu gelangen. Die Polizei hat Empfehlungen zum Schutz vor Trickbetrügern herausgegeben.

Das sollten Sie beachten:

Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.

Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen, zum Beispiel Polizisten, den Dienstausweis.

Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.

Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.

Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.

Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.

Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

Der angebliche Kriminaloberrat schärfte der 86-Jährigen ein, niemandem etwas von der Sache zu erzählen, weil dies die Ermittlungen gefährden würde. Diese seien streng geheim, innerhalb der Polizei seien nur Topleute damit befasst. Sollte jemand bei der Bank Fragen stellen, sollte sie sagen, dass sie das Geld ihren Nichten und Neffen übergeben wolle. „Ich war zum Stillschweigen verdonnert“, sagte die Seniorin.

Sie befolgte die Aufforderung zur Geheimhaltung sogar dann noch, als sie Besuch von echten Beamten der örtlichen Polizei in Duderstadt bekam. Besorgte Nachbarn hatten sich dort gemeldet, weil ihnen das Verhalten der Frau auffällig vorkam. Die Polizisten befragten sie und wiesen sie auf die Vorgehensweise der Trickbetrüger hin. Die Seniorin beteuerte jedoch immer wieder, dass alles in Ordnung sei.

Der angebliche Top-Ermittler drehte unterdessen die Spirale der Angst weiter und erzählte eine neue Geschichte: Bei einer Kontrolle sei ein falscher Notar festgenommen worden, der Grundbuchauszüge ihres Hauses besitze. Um zu verhindern, dass ihr das Haus abhandenkommt, sollte sie es so schnell wie möglich verkaufen. Die 86-Jährige schaltete einen Makler und einen Notar ein, verkaufte das Haus, hob den Kaufpreis von 200.000 Euro vom Konto ab, deponierte das Geld im Schließfach und übergab es dann dem Kurier des Herrn Müller. Dieser meldete sich noch zweimal bei ihr, dann war er nicht mehr erreichbar. Erst da begriff die Frau, dass sie betrogen worden war.

Nicht nur Senioren werden Opfer dieser Betrugsmasche. Auch jüngere Menschen seien schon darauf hereingefallen, sagt der Göttinger ZKD-Leiter Thomas Breyer. Die Anrufer erfänden von Fall zu Fall immer neue Varianten. Nach Erkenntnissen der Ermittler sprechen sie zwar deutsch, sitzen aber in Call Centern im Ausland, im Duderstädter Fall führt die Spur nach Istanbul.

Die Nummer verschleiert

Um den Aufenthaltsort zu verschleiern, manipulieren die Banden mittels Technik die Rufnummernanzeige, so dass eine deutsche Nummer oder die Notrufnummer 110 erscheint. Hat ein Anrufer das Vertrauen des Gesprächspartners gewonnen, setzt die arbeitsteilig agierende Bande in Deutschland wohnende Helfer als Kuriere zum Abholen des Geldes ein.

Von Heidi Niemann

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