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Der Norden Ein Dorf kämpft gegen Nitrat
Nachrichten Der Norden Ein Dorf kämpft gegen Nitrat
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00:33 29.03.2018
Düngen mit Fäkalien erhöht die Nitratbelastung im Borden – die Gemeinde Süstedt im Kreis Diepholz whrt sich gegen die Rekordwerte. Foto: Villegas Quelle: Villegas
Süstedt

In Jackett und Krawatte, die blankgeputzten Schuhe voll Lehm, stapft Bernd Bormann über einen Acker am Rand eines Eichenwäldchens. Der Samtgemeindedirektor von Bruchhausen-Vilsen (Kreis Diepholz) hat sich zwischen zwei Terminen Zeit für das Thema Gülle genommen, das ihn seit Monaten umtreibt.  Er zeigt die Grundwassermessstelle „Süstedt“ – ein unscheinbar eingefasstes Bohrloch mit kleinem Messingschild.

Hier habe der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft den auffälligen Nitratanstieg festgestellt, sagt Bormann: „Das hat mir natürlich keine Ruhe gelassen.“  Denn 17 Meter tief in der Erde wurden Werte gemessen, die das 700-Einwohner-Dorf Süstedt einen bundesweiten Rekord bescherten.

Nirgendwo sonst, teilte die Bundesregierung im vergangenen Herbst mit, war der Wert des als krebserzeugend verdächtigen Stoffes innerhalb kurzer Zeit so drastisch gestiegen. Lag er zwischen 2008 und 2011 im Mittel noch bei 35 Milligramm je Liter, hatte er sich bis 2015 auf 97 Milligramm fast verdreifacht. Zulässig sind laut Trink- und Grundwasserverordnung höchstens 50 Milligramm; dieser Wert war in Niedersachsen  an mehr als der Hälfte der Messstellen überschritten worden. 

Bodenbakterien zersetzen die Gülle

Süstedt haftet seitdem das Etikett des „Nitratspitzenreiters“ an, obwohl sich weiter nördlich und westlich im Land noch viel höhere Messwerte fanden. Und obwohl der Samtgemeindebürgermeister gute Nachrichten mitgebracht hat: Der Nitratwert in Süstedt ist wieder gesunken, auf nur noch 48 Milligramm im Jahr 2016.

Woran das liegt? „Wir wissen es nicht“, sagt der Bürgermeister. Vielleicht habe es in der Vergangenheit eine Zeit mit Starkregen gegeben, der den Stoff in die Tiefe spülte. Wie auch immer – im gemeinsamen Bemühen mit den Landwirten um sauberes Wasser werde die Samtgemeinde auf jeden Fall fortfahren.

Die Landwirtschaft gilt als Hauptverursacher hoher Nitratwerte. Feldpflanzen brauchen Nährstoffe aus Gülle, Mist oder künstlichem Mineraldünger. Wo zu reichlich verteilt wird, entsteht durch bakterielle Zersetzung Nitrat, dieses kann über Jahrzehnte ins Grundwasser sickern. Überdüngt wurde früher oft in der Nähe von Hofstellen, wenn Bauern sich überschüssigen Düngers bequem entledigen wollten. Zu viel Gülle und Mist entsteht, wo im Verhältnis zur Ackerfläche zu viel Vieh im Stall steht.  

Unterschiedliche Werte an einem Ort

„Die hohe Tierdichte reicht bis in unsere Region“, sagt Bernd Schneider, Grünen-Ratsherr in Bruchhausen-Vilsen. In und um Süstedt aber gilt das nicht. Acht Vollerwerbslandwirte mit Schweinen, Rindern oder Puten gibt es im Dorf. Auch Nils Ehlers bewirtschaftet einen Familienbetrieb. „Die Problem-Messstelle liegt bei uns“, sagt der 43-Jährige. Auf dem Feld in Hofnähe baut er in nachhaltiger Fruchtfolge Raps, Weizen, Gerste, Kartoffeln und Mais an. „Wir haben eine Grundwasserströmung von West nach Ost“, erläutert Ehlers. Das Nitratproblem sei vermutlich in einigen Kilometern Entfernung entstanden. Wie etliche Kollegen engagiert sich Ehlers trotzdem beim landkreisweiten Runden Tisch zum Wasserschutz.

Kreislandwirt Wilken Hartje verweist auf die lehmige Erde in Süstedt. „Das natürliche Abbauvermögen des Bodens ist unterschiedlich“, erläutert er. So entstünden selbst innerhalb einer Ortschaft sehr unterschiedliche Messwerte.

Das bestätigt Franz Jansen-Minßen von der Landwirtschaftskammer.  Er setzt auf die seit vergangenem Jahr bundesweit geltende neue Düngeverordnung. „Damit werden wir Effekte im Grundwasser feststellen“, meint der Berater bei der Düngebehörde – aber noch nicht in dieser Woche, wenn Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast den Nährstoffbericht vorstellt. „Wir haben weiterhin einen Nährstoffüberschuss,“ sagt Jansen-Minßen. Die Landwirte hätten sich bereitwillig über die neuen, strengeren Regeln informiert: „Sie nehmen das Thema sehr ernst.“ 

Sensor misst Nährstoffgehalt der Gülle

Das lässt sich auch in Süstedt beobachten. Da blättert Schweinemäster Torben Garbers in einem Ordner mit Vorgaben zu Düngesperrfristen, Bodenproben, Bedarfsplanung und Nährstoffanalysen. Wer sie nicht einhält, muss mit hohem Bußgeld und dem Wegfall von Fördermitteln rechnen. „Die Düngeverordnung ist eine gute Sache“, meint der 26-Jährige. „Auch wir profitieren davon, wenn effektiv und sparsam gedüngt wird.“

Nebenan ist Lohnunternehmer Reinhard Zöllner dabei, seine Güllefässer für Tausende Euro technisch aufzurüsten: Ein Sensor misst, was an Nährstoffen durch die Schleppschläuche fließt, ein Bordcomputer richtet die versprühte Güllemenge bedarfsgerecht aus. Möglichst dicht am Boden. „Das stinkt dann auch nicht mehr so“, sagt der Unternehmer.

Dorfbewohner berichten von aufgeschlossenen Landwirten, die das Vereinsleben in Süstedt prägen.  Auch Henning Rodekohr hat die Bauern in der Samtgemeinde als offen kennengelernt. Der Vilsa-Chef könnte Grund haben, sich wegen der Nitratdiskussion Sorgen um den Ruf seines wenige Kilometer entfernten Mineralwasserbrunnens in Bruchhausen-Vilsen zu machen. „Ich bin nicht sauer auf die Landwirte“, versichert der 46-Jährige. Viele hätten sich seit Jahren an freiwilligen Naturschutzprojekten seines Familienunternehmens beteiligt. In den Flaschen, das ist erwiesen, kommt von dem Nitrat im Übrigen nichts an – das Mineralwasser wird aus 80 bis 100 Meter Tiefe gefördert. 

Von Gabriele Schulte

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