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Der Norden Sturm "Herwart" fordert drittes Todesopfer
Nachrichten Der Norden Sturm "Herwart" fordert drittes Todesopfer
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07:09 30.10.2017
Überflutete Straße in der Hafencity in Hamburg. Quelle: dpa
Hannover
Tote, Verletzte und erhebliche Schäden hat das Sturmtief „Herwart“ am Wochenende in Europa hinterlassen. Vor allem in Norddeutschland wütet das Sturmtief.

Knapp vier Wochen nach „Xavier“ ist der nächste Herbststurm über Deutschland hinweggefegt. Das Sturmtief „Herwart“ hat am Sonntag mindestens zwei Menschen an der Nordseeküste das Leben gekostet. Die Bahn stellte den Zugverkehr in Norddeutschland und Teilen Ostdeutschlands wegen des Sturms weitgehend ein. Wichtige Fernverbindungen sollen erst am Montag oder Dienstag wieder freigegeben werden – Reisende müssen mit Verspätungen rechnen. Der Nahverkehr ist hingegen auf vielen Strecken bereits wieder angerollt (Hier finden Sie eine Übersicht mit allen gesperrten Strecken)

Am frühen Sonntagmorgen waren bereits mehrere Strecken in Niedersachsen wegen umgestürzter Bäume gesperrt worden. Aus Sicherheitsgründen ordnete dann die Deutsche Bahn gegen 6.45 Uhr den Stillstand aller Züge in Norddeutschland an. Zuvor hatte bereits der Metronom seinen Betrieb eingestellt, nachdem bei Suderburg (Kreis Uelzen) eine Bahn des Unternehmens mit einem Baum kollidiert war. Nach Angaben eines Metronomsprechers gab es bei dem Unfall keine Verletzten. Wenig später wurden auch die Züge in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gestoppt.

Die Deutsche Bahn bietet allen Reisenden an, ihre am Sonntag gültigen Tickets vier Wochen zu stornieren oder kostenlos umzutauschen (hier finden Sie das Onlineformular). 

In Hannover wurde der S-Bahn-Verkehr am Sonntagmorgen eingestellt, am späteren Vormittag fuhren die ersten Nahverkehrszüge wieder. Am Hauptbahnhof stellte die Bahn einen Hotelzug für wartende Reisende bereit. Insgesamt kam die Region vergleichsweise glimpflich davon: Die Feuerwehr im Stadtgebiet musste 16-mal ausrücken, meist wegen abgebrochener Äste oder weil sich Dachziegel gelöst hatten. In Wülfel stürzte ein Baum auf mehrere Autos. Meldungen über Verletzte lagen nicht vor. Die Stadt Springe hatte das zweitägige Hubertusfest im Wisentgehege, zu dem jedes Jahr Tausende Besucher erwartet werden, bereits im Vorfeld abgesagt.

Toter an der Nordseeküste

Härter traf „Herwart“ die Küste. Im Kreis Wesermarsch stellten zwei Camper ihren Bulli am Jadebusen ab und ignorierten nach Auskunft der Polizei ein Warnschild mit der Aufschrift „Überflutungsgebiet“. In der Nacht zu Sonntag wurden die beiden Brüder von der Sturmflut überrascht. Die 59 und 63 Jahre alten Männer versuchten, sich zu Fuß vor den Wassermassen zu retten. Der jüngere der beiden konnte sich an einen Mast klammern und wurde von einem Schlauchboot der DLRG gerettet, seinen Bruder konnten die Helfer nur noch tot aus der Nordsee bergen.

Auf dem Peenestrom in Mecklenburg-Vorpommern war am Sonntag ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen gekentert. Eine ins Krankenhaus gebrachte Frau starb später, wie ein Polizeisprecher in Neubrandenburg am Abend mitteilte. Ein 56-Jähriger Mann aus Sachsen sei in der Nacht zum Montag im Krankenhaus verstorben, sagte ein Polizeisprecher am frühen Montagmorgen. Der Mann war gemeinsam mit der 48-Jährigen  und einem 48-jährigen Mann auf dem Peenestrom gekentert. Der 48-jährige Mann wird weiterhin vermisst.

Seit der Nacht zu Sonntag hatte eine vom Deutschen Wetterdienst (DWD) herausgegebene Unwetterwarnung gegolten. An der Wesermündung bei Bremerhaven zeichnete die Wetterstation am Morgen Spitzen um 120 Kilometer pro Stunde auf, am Flughafen Langenhagen wurden am Morgen Spitzen von 100 Km/h gemessen. 

"Herwart" war bereits der zweite schwere Sturm binnen weniger Wochen, der den Norden traf. Anfang Oktober war "Xavier" mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 170 Kilometern pro Stunde über Deutschland hinweggefegt. Mehrere Menschen starben, der Bahnverkehr in Norddeutschland kam für mehrere Tag zum Erliegen. 

Der Hamburger Hafen wurde am Sonntagmorgen von der schweren Sturmflut erfasst. Eine Tiefgarage in der Nähe der Elbphilharmonie lief voll. Der Wasserstand stieg bis auf 1,50 Meter an; ob in der Garage Autos standen, war zunächst unklar. Im Bereich des Fischmarkts standen mehrere Straßen unter Wasser, Helfer mussten Autos aus den Fluten schleppen. Die Elbe erreichte laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vorübergehend einen Höchststand von mehr als drei Metern über mittlerem Hochwasser. Insgesamt zählte die Hamburger Feuerwehr bis zum Nachmittag mehr als 900 Einsätze wegen des Sturms. Verletzte gab es keine.

Umgestürzte Bäume blockieren Straßen

Auch Autofahrer mussten mit Behinderungen rechnen. Nach Angaben der Verkehrsmanagementzentrale waren in Niedersachsen zahlreiche Straßen wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Besonders betroffen war am Morgen der Kreis Celle. Auch im Oberharz waren mehrere Straßen gesperrt. Nach Polizeiangaben blockierten umgestürzte Bäume zum Beispiel die Strecke zwischen Bad Harzburg und Torfhaus. Auch im Raum Clausthal-Zellerfeld gab es Sperrungen (zur aktuellen Lage). Die Nationalparkverwaltung warnt davor, die Wälder im Harz zu betreten: Auch nach Abflauen des Sturms könnten Äste von den Bäumen brechen, hieß es.

Der Sturm hatte zudem Auswirkungen auf den Fährverkehr. Wie die das Unternehmen Schiffahrt und Inselbahn Wangerooge mitteilte, fanden am Sonntag nur zwei Überfahrten statt. Alle weiteren geplanten Fahrten fallen aus. Auch die Fähren zwischen Cuxhaven und Helgoland fielen am Sonntag aus. Zwischen Büsum und Helgoland fuhren schon seit Sonnabend keine Schiffe mehr. Zahlreiche Touristen saßen fest.

Der schwere Sturm hat auch Spuren auf den Inseln hinterlassen. Auf Wangerooge spülte der Sturm Massen an Sand weg. Dieser sei am Bade- und Burgenstrand zu 80 Prozent verschwunden, sagte Insel-Bürgermeister Dirk Lindner (parteilos). Wegen der meterhohen Abbruchkante seien zwei Strandübergänge gesperrt.


Frachter treibt vor Langeoog

Bei starkem Seegang durch Sturm hatte sich in der Nordsee ein Frachter losgerissen. Er treibt seit Sonntagmorgen in der Deutschen Bucht vor Langeoog. Versuche, die 225 Meter lange, unbeladene „Glory Amsterdam“ zu bergen, blieben zunächst erfolglos. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die 22 an Bord befindlichen Menschen unverletzt, hieß es. Aufgrund des starken Seegangs konnten die Anker zunächst nicht gehievt werden, wie das deutsche Havariekommando mitteilte. Der Frachter habe gut 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel als Betriebsstoffe an Bord. Die „Glory Amsterdam“ versucht nun aus eigener Kraft die Position zu halten, wie es hieß. Ein weiterer Schleppversuch mit drei Schiffen werde vorbereitet.

Bei starkem Seegang durch Sturm hat sich in der Nordsee ein Frachter losgerissen und ist in der Deutschen Bucht vor Langeoog auf Grund gelaufen.

Von Frerk Schenker, Joss Doebler, Stefan Knopf und Manuel Behrens, dpa

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