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Der Norden Ermittler prüfen Hinweise zu Jenny Böken
Nachrichten Der Norden Ermittler prüfen Hinweise zu Jenny Böken
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00:20 07.09.2018
Rechtsanwalt Rainer Dietz (M.) und die Eltern der 2008 an Bord der Gorch Fock verunglückten Jenny Böken, Marlis und Uwe Böken. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Kiel

Die Staatsanwaltschaft Kiel wird die Möglichkeit prüfen, die Ermittlungen zu Jenny Böken zehn Jahre nach dem rätselhaften Tod der Kadettin wieder aufzunehmen. „Neue Sachvorträge werden stets aufgegriffen und umfänglich gewertet“, sagte Sprecher Axel Bieler am Dienstag der HAZ. Allerdings warte man zunächst ab, da ein entsprechender Antrag des Anwalts von Familie Böken noch nicht eingetroffen sei. Darin kommt ein neuer Zeuge zu Wort, der an Eides statt erklärt, die 18-Jährige sei im September 2008 beim nächtlichen Wachdienst auf der „Gorch Fock“ ermordet worden. Bisher gehen die Ermittler davon aus, dass die Offiziersanwärterin bei einem Unfall ums Leben kam.

Der Zeuge, ein ehemaliger Bundeswehrkamerad, berichtet von einer Abschiedsfeier an Land einige Wochen vor Jennys Tod, bei der viel Alkohol im Spiel war und bei der er Geschlechtsverkehr mit der 18-Jährigen gehabt habe. Jenny sei ungewollt schwanger geworden und habe zudem sehr unter einem Handyfilm vom Sex auf der Party gelitten, den Kameraden auf dem Segelschulschiff kursieren ließen. Mutmaßlich um die Vorfälle zu vertuschen, sei die junge Frau gewaltsam zum Schweigen gebracht worden. Weiter erzählt der Zeuge, er selbst sei für den Fall mit dem Tod bedroht worden, dass er den Ermittlern davon berichte.

Die Suche nach der Todesursache gestaltete sich damals auch dadurch schwierig, dass Jennys Leiche erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen wurde. „Außerdem gab es keine unmittelbaren Augenzeugen des Geschehens, so dass bei der Nachstellung der Situation des Überbordgehens mit vielen unbekannten Faktoren gearbeitet werden musste“, erläutert Oberstaatsanwalt Bieler in Kiel. Am Ende kamen die Ermittler –trotz etlicher Ungereimtheiten unter anderem bei der Obduktion –zum Ergebnis, dass ein Unglück in rauher See am wahrscheinlichsten war. „Bisher haben wir keine Hinweise, dass eine Straftat vorliegt“, sagt der Behördensprecher.

Bieler verweist darauf, dass mehrere Gerichte die Arbeit der Ermittler bestätigt haben. Jennys Eltern, Lehrer im rheinischen Geilenkirchen, hatten die Unglückstheorie wiederholt infrage gestellt, stets ohne Erfolg. Die aktuelle Zeugenaussage gibt Uwe und Marlis Böken nun neue Hoffnung. Ihnen beiden gehe es um die Aufklärung der Todesumstände, betont das inzwischen geschiedene Paar seit Jahren: „Wir wollen nur wissen, warum.“

Von Gabriele Schulte

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