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Der Norden „Niedersachsen ist in der Schlussgruppe“
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19:52 19.07.2018
„Die hohe Zahl der Studierenden wird so bleiben“: Die Universitäten in Niedersachsen brauchen mehr Geld, fordert Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Landeshochschulkonferenz. Quelle: dpa
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Hannover

Professor Wolfgang-Uwe Friedrich über den Sanierungsstau und die Digitalisierung an den Universitäten in Niedersachsen.

Herr Professor Friedrich, die Landesregierung hatte sich vorgenommen, 100 Professorenstellen zu schaffen, die sich speziell mit Fragen der Digitalisierung und Informatik befassen. Doch dafür gibt es nun keine Haushaltsmittel. Was heißt das für die Wissenschaft?

Das ist für die Entwicklung des Landes nicht gut und heißt, dass der Mangel an Fachkräften für den IT-Bereich weiter zunehmen wird. Wir haben in diesem Bereich schon jetzt einen großen Nachholbedarf, der jetzt nicht angegangen wird. Nach einem Ländervergleich, den der Stifterverband erstellt hat, gehört Niedersachsen zur Schlussgruppe. Nur zwei Zahlen: Wir haben in ganz Deutschland im letzten Jahr 33.000 Studienanfänger im Fach Informatik gehabt, davon 2000 in Niedersachsen. Zum Vergleich: In Bayern waren es 5300, und in Baden-Württemberg sogar 5800.

Was verheißt das für die Entwicklung des Landes?

Nichts Gutes, denn der Abstand zwischen den süddeutschen Ländern und dem Flächenland Niedersachsen wird größer. Die Gefahr besteht, dass wir auf dem wichtigen Feld der Innovationen, von denen auch die Wirtschaft lebt, zurückgeworfen werden.

Was müsste man dagegen tun?

Die Digitalisierungsoffensive auch wirklich umsetzen, wie sie im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU beschlossen worden ist. Hier werden hervorragend und exemplarisch alle Facetten des Problems beschrieben, von den Studienplätzen über Forschungsinfrastruktur bis hin zur IT-Sicherheit. Und Kernstück dieser Offensive sind die Digitalisierungsprofessuren, denn die tragen Forschung und Lehre. Aus den Professuren ergeben sich Studienplätze, aus den Professuren ergeben sich Forschungsprojekte. Das ist alles in der Koalitionsvereinbarung in wunderbarer Weise festgehalten worden. Jetzt gibt es zwar befristet 25 Millionen Euro für Big Data in den Lebenswissenschaften, aber für die Herzkammer der Digitalisierungsoffensive, die Professuren, ist kein Geld da. Das kann nicht das letzte Wort der Landesregierung bleiben. Wir brauchen eine Erhöhung der Grundfinanzierung.

Seit Jahren wird auch ein Sanierungsstau an den Hochschulen beklagt, den das Ministerium selbst mit mindestens 1,5 Milliarden Euro beziffert.

Das ist nur der aktuelle Bedarf. Der tatsächliche Bedarf ist wesentlich höher. Unsere Schätzungen für die Jahre bis 2030 belaufen sich auf 3 bis 3,5 Milliarden Euro. Wenn das Land da nicht bald handelt, werden noch mehr Bauten in Hochschulen geschlossen werden müssen, weil sie etwa den neuen Brandschutzanforderungen nicht genügen, wie es in Braunschweig und Osnabrück geschehen ist.

Nun nimmt das Land aber eine Milliarde Euro in die Hand, um die Universitätsmedizin in Göttingen und in Hannover zu sanieren.

Das tut es, und dies ist eine großartige Kraftanstrengung, die alle Universitäten begrüßen. Daneben ist im Koalitionsabkommen aber ein Hochschulinvestitionsprogramm beschlossen worden, das uns bis 2030 besser aufstellen soll. Doch von der Verwirklichung dieses wunderbaren Planes sind wir noch meilenweit entfernt. Außerhalb der Medizin liegen derzeit 150 Millionen für Bausanierung bereit. Das ist viel zu wenig. In der Medizin hat das Land gezeigt, wohin es gehen will und muss. Das wünschen wir uns auch für den allgemeinen Hochschulbau.

Die Studierendenzahlen steigen kräftig. Sind die Universitäten für den Ansturm gerüstet?

Wir hatten in den letzten acht Jahren einen Anstieg von 150.000 Studienplätzen auf jetzt 210.000. Diese hohe Zahl von Studierenden wird auf Jahre hinaus so bleiben. Bis 2020 kann die hohe Zahl der Studierenden finanziert werden durch einen Hochschulpakt zwischen dem Bund und den Ländern. Dieser Pakt läuft 2023 aus. Das Land muss eine große Anstrengung unternehmen, um dauerhaft Mittel aus diesem Pakt für Niedersachsen zu gewinnen. Da geht es um große Summen, denn der Bund hat 1,3 Milliarden Euro an Niedersachsen gegeben und das Land noch einmal denselben Betrag. Es geht also um 2,6 Milliarden Euro, die zwischen 2007 und 2020 geflossen sind beziehungsweise noch fließen. Derzeit fließen Bundesmittel, die der Bund für den Hochschulbereich vorgesehen hat, in den allgemeinen Landeshaushalt. Das geht gar nicht.

Befürchten Sie, dass das Land in die Drittklassigkeit fällt, wenn nicht noch intensiver in Wissenschaft investiert wird?

Ich stelle ganz sachlich fest, dass wir im Bereich der Digitalisierung bundesweit in der Schlussgruppe sind. Wir sind in der Exzellenzstrategie sehr gut, aber haben im Bereich der Digitalisierung erhebliche Defizite wie auch etwa bei der Lehrerausbildung. Bei Lehrern und Informatikern gibt es eine komplette Fehlsteuerung. Ich weise schon seit Jahren die Politik darauf hin, dass wir mehr Plätze für den Grundschulbereich hätten schaffen müssen. So werden dieses Jahr etwa 400 Lehrerstellen durch Quereinsteiger besetzt, wie der Kultusminister jetzt bekannt gegeben hat. Ich habe vor vier Jahren 200 Studienplätze zusätzlich für Hildesheim im Grundschullehrerbereich gefordert, Vechta die gleiche Zahl. Das sind zusammen 400. Die Steuerungsinstrumente des Landes funktionieren nicht: Man will mit einer Zange Schrauben drehen.

Wolfgang-Uwe Friedrich vertritt seit Januar 2015 als Vorsitzender der Landeshochschulkonferenz die Universitäten in Niedersachsen in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik. Er ist zudem Präsident der Universität Hildesheim. Der Historiker, Politikwissenschaftler und Slawist wurde 1952 in Bodenwerder (Kreis Holzminden) geboren. Er lebt in Hannover.

Von Michael B. Berger

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