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Der Norden Dieser Pastor wird seit Jahren von Rechten angegangen
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00:15 31.08.2017
„Kommt öfter vor“: Wilfried Manneke kennt das schon, wenn mal wieder eine tote Ratte an seiner Haustür hängt. Quelle: Bert Strebe
Unterlüß

Die schlimmste Aktion war die mit dem Molotowcocktail. Die letzte Aktion war die tote Ratte. Schmierereien gab es schon ganz früh, schon Ende der Neunziger, und seitdem immer wieder: Hakenkreuze und Sprüche wie „Das Land ist unser“. Die Nazis haben auch mal nachts brüllend vor der Tür gestanden. Und dann immer die Kommentare im Internet: dass man ihn nach Israel deportieren solle. Dass er ein „Verräterdeutscher“ sei. Dass man ihn vernichten müsse.

Daran gewöhnt er sich nicht

Wilfried Manneke hat einiges erlebt. Aber daran gewöhnt hat er sich nicht. Als Pastor der evangelischen Friedenskirche in Unterlüß im Landkreis Celle und Kämpfer gegen Rassismus und Nazis, ob alt, ob neu, bleibt er trotzdem stoisch bei seiner Überzeugung, dass es keine Menschen gibt, die mehr wert sind als andere. Und nimmt dafür sogar in Kauf, angegriffen zu werden - im doppelten Sinn. Jetzt würdigt das Fernsehen sein Engagement und das anderer aufrechter Geistlicher. Anfang September laufen in der ARD zwei Dokumentarfilme über Pfarrer im Visier der Rechten. Der Pastor aus Unterlüß kommt in beiden zu Wort.

Wilfried Manneke ist 63, stammt aus Delmenhorst, ist in Lemwerder aufgewachsen. Eigentlich wollte er Ingenieur werden, aber die Zeit in der evangelischen Jugend hat ihn dann doch sehr geprägt. Und der Vater hat ihn geprägt, ein Mann mit politischem Gespür, Gewerkschafter. Manneke ließ sich in Hermannsburg zum Pastor ausbilden und ging als Auslandspfarrer der EKD nach Südafrika. Zwölf Jahre lang war er dort, während der Apartheid. „Das hat mich sensibel gemacht für Rassismus“, sagt er.

Vor dem Pfarrhaus steht eine Bank. Sie steht dort, seit die Wand neu gestrichen worden ist. Das war nötig, nachdem Mannekes damals sechsjähriger Sohn im Dezember 2011 frühmorgens eine geborstene Krombacher-Flasche und Brand- und Rußspuren entdeckt hatte, die sich die Wand hinaufzogen. Jemand hatte versucht, das Haus der Mannekes mit einem Molotowcocktail anzuzünden. Das Ding ist explodiert, das Feuer dann aber verloschen. Die Familie hat geschlafen, hat nichts gemerkt.

Wo sich Neonazis zusammentun

Als Wilfried Manneke 1995 aus Südafrika zurückkam, entschied er sich für Unterlüß. Aus dem Land, das die Apartheid gerade überwunden hatte, kam er in eine Gegend, in der, wie er sagt, „Hitler seinerzeit keine große Überzeugungsarbeit leisten musste“. Die südliche Lüneburger Heide gehört zu den Landstrichen in Deutschland, in denen sich Neonazis gern zusammentun. Dezentral, auch wirtschaftlich ein bisschen abgehängt, niedriges Bildungsniveau. Orte, in denen viele für einfache Antworten zu haben sind.

Manneke engagierte sich gegen das Hetendorfer Schulungszentrum des Neonazis Jürgen Rieger, stand nach dessen Schließung bei Mahnwachen und Demos gegen weitere Rieger-Pläne in der Region auf der Straße, kämpft bis heute gegen Kameradschaften und einen Hof in Eschede, auf dem sich regelmäßig Rechte versammeln. Gerade, Ende Juni, war dort wieder Sonnenwendfeier.

Wenn Manneke zu Protesten aufruft, wird er im Internet oder direkt beschimpft, dann erstattet er Anzeige, die Polizei nimmt das auf, und in aller Regel passiert danach nichts. Er erstattet trotzdem beim nächsten Mal wieder Anzeige. Er gibt nicht klein bei.

Einmal haben Stiefelträger vorm Haus gebrüllt, es sollten keine Juden am Kreuz hängen, sondern Arier. Manneke feixt ein bisschen, als er das erzählt. „Kein Wunder, dass die ein Schulungszentrum brauchten“, sagt er trocken. „Bescheuerter kann man gar nicht sein.“

Gemeinsam mit anderen Nazi-Gegnern hat er das „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ gegründet. Und 2015 hat der Pastor einem Mann aus Eritrea fünf Monate lang Kirchenasyl gewährt. Zwei Leute aus der Gegend haben ihn deswegen angezeigt. Das Verfahren wurde eingestellt, gegen 900 Euro Geldauflage.

Manneke hat deswegen nicht aufgehört, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Die Gemeinde hilft, mit Deutschunterricht und allem Drum und Dran. Manneke hat fünf Router im Gemeindehaus installiert, da können die gut 100 Unterlüßer Flüchtlinge von draußen jederzeit kostenlos ins Internet mit ihren Handys.

Die rechte Szene reagiert immer

Wahrscheinlich deswegen hing Ende 2016 eine tote Ratte an der Tür des Gemeindezentrums, mit einem Faden am Schwanz an den Türgriff gebunden. „Tote Ratten werden in der rechten Szene gern als Warnungen benutzt“, sagt Manneke. „Kommt öfter vor.“

Er wirkt nicht ängstlich. Aber auch nicht abgebrüht. Die ganze Öffentlichkeit, die sein Engagement mit sich bringt, sieht er als so notwendig wie lästig und sogar als gefährlich an: Die rechte Szene reagiert immer.

Wilfried Manneke will im Grunde keine Aufmerksamkeit. Er will, dass der ganze Nazi-Blödsinn aufhört.

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