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Der Norden Nordsee weiter zu hoch belastet
Nachrichten Der Norden Nordsee weiter zu hoch belastet
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18:01 08.01.2019
Pro 100 Meter Strandabschnitt seien bis zu 389 Müllteile zu finden, davon seien 88,6 Prozent aus Plastik. Quelle: dpa
Hannover

Die Nordsee ist nach wie vor in keinem guten Zustand. Vor allem der zunehmende Kunststoffmüll belastet Gewässer und Strände. Auch die Verschmutzung durch ins Meer gespülte Düngemittel und Schadstoffe wie Blei oder Quecksilber bleiben ein Problem. Das geht aus dem nationalen Bericht zum Zustand der Nordsee hervor, den Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies am Dienstag in Hannover vorstellte. Der SPD-Politiker sieht großen Handlungsbedarf.

„Müll ist überall an der Küste vorhanden und am Meeresboden weit verbreitet“, sagte Lies. Pro 100 Meter Strandabschnitt seien bis zu 389 Müllteile zu finden, davon seien 88,6 Prozent aus Plastik. Das wirke sich auch auf die Tierwelt der Nordsee aus. 60 Prozent der untersuchten Eissturmvögel hätten mehr als 0,1 Gramm Kunststoffe im Magen gehabt. Der Minister befürwortet deshalb das EU-Plastikmüllverbot, das unter anderem Strohhalme und Wattestäbchen betrifft. „In Gesamteuropa sind gerade die kleinen Plastikabfälle ein großes Problem. Durch Wind und Wetter werden Plastikteile zu Mikroplastik. Es ist zu befürchten, dass dieses sich mittelfristig über die marine Nahrungskette auch in unserer Nahrung wiederfindet“, sagte Lies. „Die beste Strategie ist es, Plastikmüll zu vermeiden.“

Der Minister forderte die Verbraucher zum Verzicht auf Einwegverpackungen auf. Beim Getränkekauf sollten sie auf Mehrwegsysteme setzen. Lies betonte allerdings, dass Deutschland das Problem nicht alleine lösen können. „Müll am Meer und an den Stränden ist ein globales Problem.“ Niedersachsen hatte federführend für die Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Nord- und Ostsee die Studie als Teil eines bundesweiten Berichts erstellt, der Ende 2018 der EU übergeben wurde. Hintergrund ist die EU-Meeresstrategierichtlinie MRSL, die bis zum Jahr 2020 einen „guten Zustand“ der Meere fordert.

Die Grünen im Landtag forderten die Landesregierung auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Plastikflut zu stoppen und Müll zu vermeiden. „Die Kosten für Strandreinigungen und Müll-Entsorgung müssen über einen Fonds auf die Verursacher, also die Plastikindustrie und den Handel umgelegt werden“, forderte die Grünen-Abgeordnete Imke Byl. CDU-Fraktionsvize Martin Bäumer sprach von einer „prekären Situation“. Die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll belaste die niedersächsischen Küstenregionen.

Ein weiteres ökologisches Problem der Nordsee ist nach Angaben von Lies die übermäßige Belastung durch Nährstoffe. Auch wenn der Ausbau von Kläranlagen die Verschmutzung über die Flüsse in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verringert habe. Die Nährstoffkonzentrationen in den Flussmündungen von Elbe, Ems, Weser und Eider überschritten die Grenzwerte für Gesamtstickstoff und -phosphor. Die Landwirtschaft sei im Zeitraum von 2012–2014 für 71 % der Stickstoff- und 44% der Phosphorbelastung verantwortlich gewesen.

Laut Lies führt die Anreicherung mit Nährstoffen und organischem Material über direkte Einleitungen, die Flüsse und die Luft unter anderem zu Algenblüten, Änderungen der Planktonzusammensetzung und Trübung des Wassers. Nach dem Bericht erreichen nur sechs Prozent der deutschen Nordseegewässer den „guten Zustand“ hinsichtlich der Nährstoffbelastung, 55 Prozent sind weiterhin belastet und für 39 Prozent fehlt eine abschließende Bewertung.

Lies kündigte zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat und Phosphat für bestimmte Gebiete verschärfende Maßnahmen zur Nährstoffverringerung und Kontrollen der Landwirtschaft an. Düngevorgaben müssten strikt eingehalten und überprüft werden. Gülle aus Gebieten mit hoher Viehdichte werde in Gebiete mit vorrangiger Ackerbaunutzung gebracht. Darüber hinaus unterstütze Niedersachsen die Erprobung und Errichtung von zentralen Aufbereitungs- und Behandlungsanlagen für Wirtschaftsdünger.

Bei den Schadstoffen sieht das Umweltministerium die Probleme neben Blei und Quecksilber vor allem in der Verschmutzung durch Rohöl und ähnliche Verbindungen. Lies verwies auf die bekannten Paraffin-Klümpchen, die an den Stränden anlandeten. Es müsse mehr getan werden, damit weniger Paraffin ins Meer abgeleitet werde.

Von Marco Seng

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