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Der Norden Niedersachsens Schüler lernen an ungewöhnlichen Orten
Nachrichten Der Norden Niedersachsens Schüler lernen an ungewöhnlichen Orten
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00:17 21.10.2017
Von Gabriele Schulte
Wissen sinnlich vermitteln: Ulrike Eckhardt (links) mit dem Schulbesuch in ihrer Kaffeerösterei. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Bücken

Es riecht nach Getreide. Dabei sind es rohe Kaffeebohnen, die gerade erhitzt werden. Sieben Mädchen und fünf Jungen blicken gebannt auf die Maschine, aus der nach zwölf Minuten ein Schwall frisch gerösteter Bohnen prasselt. „Kann ich eine essen?“, fragt der zwölfjährige Max die Expertin am Röster. Er darf. „Wenn Kaffee so lange geröstet wird, ist er magenfreundlich“, sagt Ulrike Eckhardt und fügt vielsagend hinzu: „Die Industrie begnügt sich mit 90 Sekunden.“

Die 63-Jährige betreibt mit ihrer Tochter Laura die Kaffee- und Kakaomanufaktur Catucho in Bücken (Kreis Nienburg), die das niedersächsische Kultusministerium als einen von nun 60 außerschulischen Lernorten „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ genehmigt hat. Dabei geht es darum, mit Unterstützung dafür freigestellter Lehrer fächerübergreifend Wissen sinnlich zu vermitteln. Bei Catucho zum Beispiel erfahren die Schüler auf diese Weise, welchen Weg der Kaffee von der Pflanze bis in die Tassen nimmt - und wie die Kunden beim Kauf die Bauern in Mittelamerika unterstützen können.

Anfangs die Natur im Fokus

Mehr als 250.000 Kinder aus Schulen und Tagesstätten haben im vergangenen Jahr an den Programmen mit Unterthemen ihrer Wahl teilgenommen. Zuletzt kam als eigenständiger Bereich „globales Lernen“ dazu. Außer Catucho durften seitdem das Welthaus in Barnstorf (Kreis Diepholz) und der Entwicklungshilfeverein Mirantao im ostfriesischen Ostrhauderfehn die begehrte Plakette neben ihrer Eingangstür anbringen. „Aber auch viele der langjährigen Standorte haben die Themen nachhaltige Ernährung und Landwirtschaft, Klima und fairer Handel mit im Programm“, sagt Bianca Schöneich von der Landesschulbehörde in Lüneburg.

Anfangs stand vor allem die Natur im Fokus. Kürzlich feierte der erste außerschulische Lernort, das Regionale Umweltzentrum in Cloppenburg-Stapelfeld, sein 25-jähriges Bestehen. 1993 folgte das Regionale Umweltzentrum im friesischen Schortens. Ein Jahr später wurden auf der Basis des Erlasses „Öffnung von Schule“ weitere regionale Umweltzentren mit Lehrkräften unterstützt. Dazu gehörten das Umweltzentrum am Steinhuder Meer, die Schulbiologiezentren Hannover und Hildesheim, die Zoo-„Schule“ in Hannover und das Energie- und Umweltzentrum in Springe am Deister.

Verbände, Vereine, Kirchen, Kommunen und Stiftungen können die Anerkennung beim Land beantragen. „Es war ein langer Weg“, erinnert sich Ulrike Eckhardt in Bücken. Viele Formulare habe sie ausfüllen müssen, dreimal habe ein Vertreter der Schulbehörde die Kaffee- und Kakaomanufaktur in dem 2000-Einwohner-Dorf besucht. Belohnt wird die Mühe nicht nur durch die Aufnahme in die Liste der Lernstandorte (zugänglich über die Internetseite nibis.de), sondern auch mit einer dafür fortgebildeten Lehrkraft.

In Bücken ist es Oberschullehrer Jörg Sommerfeld aus dem Nachbarort Hoya. Fünf Stunden pro Woche ist der 41-Jährige für Catucho freigestellt. Der Besuch der zwölf Gesamtschüler aus dem Nachbarkreis Diepholz ist sein erster Einsatz. Er betreut eine der drei Kleingruppen, die sich unter anderem mit dem Bereich fairer Handel befassen. Gemeinsam mit den Betreibern der Rösterei will er Konzepte für verschiedene Schulformen und Altersstufen entwickeln. „Die außerschulischen Lernstandorte müssen zu den Lehrplänen passen“, meint Sommerfeld.

Alltag als Anschauung vor Ort

Noch eine Lehrerin ist an diesem Tag dabei. Dorit Schierholz hat die Fahrt organisiert und ihre Schüler bei der Busfahrt begleitet. Für die Deutschlehrerin ist es nicht der erste Besuch an einem außerschulischen Lernort. „Die Schüler sind in einer anderen Umgebung viel aufmerksamer“, sagt die 56-Jährige. Und niemand solle meinen, dass sie selbst sich von Arbeit entlaste, wenn sie das Klassenzimmer für einen solchen Ausflug verlasse.

Schierholz betreut eine Gruppe, die sich mit den Auswirkungen von Koffein beschäftigt. Der 13-jährige Jessie führt bei der Präsentation der Ergebnisse vor, wie Kaffee und Cola den Herzschlag beschleunigen können. „Sonst hätte ich heute fünf Stunden Bio, Englisch und Sport gehabt“, erzählt der Siebtklässler anschließend. „Das hier ist interessanter als in der Schule.“ Der gleichaltrigen Nina hat besonders imponiert, wie während des vierstündigen Besuchs Säcke mit Rohkaffee aus Ecuador an die Rösterei geliefert wurden - keine Schau für die Schüler, sondern spannender Alltag an einem außerschulischen Lernort.

Neue Ansätze für Bio, Mathe und Deutsch

Für viele Kinder in skandinavischen Ländern gehört das regelmäßige Lernen an Natur- und Kulturorten schon lange zum Schulalltag. Wie sinnvoll eine Übertragung des Modells auf Deutschland ist, haben Erziehungswissenschaftler der Universität Mainz in einem dreijährigen Projekt mit Grundschülern untersucht, das sie in diesem Jahr beendet haben. Der Studie zufolge bringt der regelmäßige Unterricht außerhalb des Klassenzimmers großen Lernerfolg. Der „Draußenschule“, wie sie bei dem Projekt einmal wöchentlich praktiziert wurde, sei deutschlandweit ein Durchbruch zu wünschen, sagt Studienleiter Matthias Witte: „Entdeckendes, forschendes und spielerisches Lernen kommen im klassischen Frontalunterricht zu kurz.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler lassen sich nicht nur Biologieunterricht, sondern zum Beispiel auch Mathematik oder Deutsch hervorragend an außerschulischen Lernorten vermitteln. „Wir wollten keine zusätzlichen Themen in den Schulalltag bringen“, heben die Mainzer Pädagogen hervor. An Schulen gebe es genug Extraprogramme. „Es geht um die Vermittlung des alltäglichen Unterrichtsstoffs.“ Gleichzeitig würden die Kinder am konkreten Objekt zu eigenständigem Lernen und Handeln angeregt.

Es ist eine neue Dimension, ein ähnlicher Fall ist aus den vergangenen Jahrzehnten in Niedersachsen nicht bekannt: Ein Sexualstraftäter vergewaltigt während eines Freigangs seine Begleiterin, eine Therapeutin der JVA Lingen, und bringt sich danach selbst um. 

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