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Der Norden „Ich hoffe mal, dass ich normal bleibe“
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00:18 02.09.2018
„Ich fahre VW-Passat-Kombi“: Heiner Wilmer ist sehr weltläufig, aber auch sehr geerdet. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hildesheim

Heiner Wilmer ist der neue Bischof von Hildesheim.

Pater Wilmer, wie spricht man Sie ab Sonnabend an?

Gute Frage. Sie können gerne Pater Wilmer zu mir sagen. Viele werden dann aber wahrscheinlich sagen Herr Bischof oder Bischof Heiner.

Was macht das hohe Amt eines katholischen Bischofs mit einem Ordensmann namens Pater Wilmer?

Ich hoffe mal, dass das Amt mit meiner Person nichts macht. Dass ich normal bleibe. Das haben mir auch die Jugendlichen gesagt, mit denen ich jetzt auf Pilgertour gegangen bin: Sehen Sie zu, dass Sie normal bleiben.

Was heißt für Sie als künftigen katholischen Bischof normal?

Dass man ansprechbar und erreichbar bleibt. Dass man unkompliziert ist, seinen Humor behält. Dass man kein Stenz ist oder kein Snob.

Wenn man Ihren Werdegang betrachtet, kann man kaum von Normalität reden: Sie sprechen mehr als fünf Sprachen, haben Theologie, Philosophie und anderes studiert, einen Doktor gemacht, waren Ordensgeneral und Lehrer in der New Yorker Bronx, haben mehrere Bücher verfasst – das ist schon kein normaler, sondern ein außergewöhnlicher Lebenslauf…

Ich sehe meinen Weg als gar nicht so außergewöhnlich an. Ich bin im Emsland aufgewachsen. Auf einem Bauernhof. Habe jeden Tag auf dem Hof gearbeitet, habe Emsländer Platt gesprochen und bekam von meinem Vater, der ein strenger Mann war, drei Tage frei fürs Abitur, um mich auf die Prüfung vorzubereiten. Ansonsten habe ich hart gearbeitet. Vieles an meiner Biografie lässt sich erklären durch die Dynamik einer Ordensgemeinschaft. Ich bin bereits als junger Mann in eine Ordensgemeinschaft eingetreten. Und hier sind die Wege über die Ländergrenzen kurz. Ordensleute verkörpern vielleicht den ursprünglichen Aspekt der katholischen Kirche, die eine allumfassende Organisation ist. Thomas von Aquin war es als Dominikaner verboten zu reiten, er musste sich also als Italiener per pedes, zu Fuß, von Italien nach Frankreich aufmachen. Also schon ganz früh waren die Orden international aufgestellt…

War Ihr Vater so streng, dass der Bauernberuf überhaupt nicht infrage kam…?

Nein, keineswegs. Ich habe sogar noch bis zum 13. Jahr Tagebuch über das Leben auf dem Bauernhof geführt. Mein Vater war nicht nur Bauer, sondern auch Landwirtschaftsmeister und als Bürgermeister auch ein engagierter Kommunalpolitiker, mit dem man heftig und engagiert diskutieren konnte…

Man konnte lesen, dass in Ihrem emsländischen Herkunftsdorf Schapen nur CDU-Leute im Ortsrat sitzen. Ist das nicht etwas eintönig?

Mein Vater war ebenfalls in der CDU, aber zu Hause, in der großen Familie, gab es auch Sozialdemokraten und später auch Grüne – und damit lebhafte Diskussionen am Küchentisch. Die haben heftigst diskutiert und sich dennoch gut vertragen. Ich habe die Zeit noch als sehr bunt und lebhaft in Erinnerung.

Heiner Wilmer...

... ist ein Niedersachsen. Er wurde am 9. April 1961 in Schapen im Emsland geboren. Dort wuchs er auf dem elterlichen Bauernhof auf. Gleich nach dem Abitur trat er in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester ein. Er studierte Theologie und Geschichte in Freiburg, wo er 1987 auch zum Priester geweiht wurde und 1991 promovierte, sowie Romanistik in Paris und französische Philosophie in Rom. Später arbeitete er als Lehrer und Schulseelsorger an der Liebfrauenschule in Vechta und unterrichtete an einer High School der Jesuiten in der New Yorker Bronx. Von 1998 bis 2007 war er Schulleiter am Gymnasium Leoninum in Handrup, danach leitete er bis 2015 als Provinzial die Geschicke der deutschen Provinz seines Ordens in Bonn und wurde schließlich Generaloberer der Herz-Jesu-Priester in Rom. Im April ernannte ihn Papst Franziskus zum Nachfolger von Norbert Trelle. Am Sonnabend, 1. September, wird Wilmer in einem festlichen Gottesdienst um 10 Uhr im Hildesheimer Dom zum 71. Bischof von Hildesheim geweiht.

Die letzten Jahre haben Sie als Ordenschef der Herz-Jesu-Priester in Rom verbracht, nach mehreren internationalen Stationen. In den Orden, haben Sie gesagt, sei das Nationale kein Thema. Das ist in vielen Ländern der Europäischen Union ganz anders. Auch in Deutschland werden nationale, auch nationalistische Töne immer lauter – gerade im Blick auf die Flüchtlingspolitik

Bei diesem Thema rate ich, den Blick etwas zu weiten und auch einmal auf andere Länder zu schauen. Viele Länder, etwa im Nahen Osten, stehen vor wesentlich größeren Herausforderungen. Und manchmal ist auch ein Blick zurück nicht verkehrt: Viele Menschen im Bistum Hildesheim stammen aus entfernten Regionen – aus Schlesien, aus Polen, manche haben italienische Wurzeln. Auch in meiner Heimat Emsland lebten immer wieder Menschen, die aus anderen Regionen kamen und sich bei uns einlebten. Wir hatten auf dem Bauernhof auch immer fremde Menschen am Tisch. Da wurde die Suppe nicht gestreckt, sondern die Fremden wurden genauso behandelt wie wir Kinder. In einem alten jüdischen Sprichwort heißt es: Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung. Anders formuliert: Wenn ich ein erfülltes Leben haben will, tut es gut, an Momente zu denken, in denen andere mir Gutes taten. So sollte ich es auch selber halten.

Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik wird in manchen Kreisen sogar darüber geredet, ob man Schiffbrüchige noch aus dem Mittelmeer fischen sollte, schließlich erfülle man so das Geschäft von Schlepperbanden. Haben Sie Verständnis für diese Sicht?

So eine Argumentation finde ich schon in sich zynisch und fürchterlich. Ich habe gerade in Italien erlebt, wie die Menschen in Lampedusa ankamen. In einer Notsituation ist der Gedanke der Humanität vorrangig. Wer im Mittelmeer in Seenot gerät, muss gerettet werden, egal, ob bei uns Platz ist oder nicht. Ich kann doch nicht sehenden Auges Menschen verrecken lassen. Da verbietet sich jede Diskussion. Wir müssen doch selbst noch in den Spiegel schauen können.

Hildesheim rechnet mit Andrang bei der Bischofsweihe

Es dürfte voll werden: Am Sonnabend wird Heiner Wilmer in einem festlichen Gottesdienst um 10 Uhr im Hildesheimer Dom zum 71. Bischof von Hildesheim geweiht – und die Organisatoren rechnen mit mehr als 3000 Gästen. Der Dom ist das geistliche Zentrum des im Jahr 815 begründeten Bistums, das den Osten Niedersachsens umfasst und zu dem heute rund 600 000 Katholiken zählen. Für Besucher wird der Dom schon um 8.30 Uhr geöffnet, doch da er nur 800 Besucher fasst, wird der Gottesdienst live auch auf den Domhof sowie in die Kreuzkirche und die Basilika St. Godehard übertragen. Auch im Internet-Livestream des NDR sowie auf der Internetseite der Diözese www.bistum-hildesheim.de lässt sich die Weihe verfolgen.

Neben Altbundespräsident Christian Wulff und Ministerpräsident Stephan Weil wird auch der Apostolische Nuntius Nikola Eterovic in Hildesheim erwartet. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße wird den Weihegottesdienst leiten. Die Liturgie ist reich an Symbolen: Als Zeichen der Demut vor Gott wird Wilmer während eines Teiles des Feier ausgestreckt auf dem Boden liegen. Die Weihe selbst erfolgt durch die Geste des Handauflegens. Dabei halten zwei Diakone ein aufgeschlagenes Evangeliar über den Kopf des neuen Bischofs – ein Zeichen dafür, dass dieser die biblische Botschaft zu verkünden hat. Anschließend werden ihm Bischofsring und Mitra, Bischofskreuz und Hirtenstab als Insignien seines neuen Amtes verliehen.

Sie werden nun Bischof in einer Kirche, von der Papst Franziskus die Armut als großes Thema herausstellt. Wie gehen Sie damit als künftiger Bischof Hildesheims um?

Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass wenig Besitz auch große Freiheit bringen kann und einen flexibler werden lässt. Ich persönlich brauche recht wenig. Ich bin bei meinen vielen Umzügen immer ohne Möbel umgezogen, habe nur einen kleinen Trolley und einen Computerkoffer. Und ein paar meiner Bücher.

Wie werden Sie hier in Hildesheim leben?

Ich halte nicht viel vom Single-Leben. Wenn ich kein Priester geworden wäre, der zölibatär lebt, hätte ich vermutlich eine Frau und fünf Kinder. Als Ordensmann habe ich immer mit anderen zusammengelebt. Darum hatte ich erst große Sorge, als ich den Ruf aus Hildesheim bekam. Aber ich lebe hier im Bischofshaus mit vier Canisianer-Brüdern auf einer Etage, mit denen ich bete und auch Mittag esse. Ich selbst habe eine Wohnung mit drei Räumen und fahre einen VW-Passat-Kombi.

Sie haben erzählt, dass vor Ihrer Entscheidung Priester zu werden, die Ehelosigkeit schon ein großes Thema war. Glauben Sie, dass angesichts der Ökumene und des Priestermangels der Zölibat irgendwann fällt?

Wenn man sich die 2000-jährige Kirchengeschichte anschaut, hat es ganz verschiedene Formen des priesterlichen Lebensstils gegeben. Ich bin überzeugt, das uns die Wucht und Kraft des Heiligen Geistes auf Wege führt, die wir heute noch gar nicht kennen.

Ein großes Thema war und ist die Missbrauchsthematik, auch hier im Bistum Hildesheim. In den USA gibt es jetzt neue erschütternde Enthüllungen. Was sagen Sie dazu?

Der Zusammenhang von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch ist ein ernstes und für mich auch erschütterndes Thema. Das sind nicht nur Taten, für die ich mich fremdschäme, sondern es handelt sich um Verbrechen, die aufgeklärt werden müssen. Es gab Versagen in der Kirchenleitung, auch in der höheren Kirchenleitung. Unsere große Sorge muss den Opfern gelten, Täter müssen sofort rausgenommen werden. Und es darf nichts vertuscht werden. Deshalb ist es immer wichtig, unabhängige Kontrolleure einzuschalten. Das dürfen keine Menschen sein, die auf der Gehaltsliste der Kirche stehen. Das Bistum Hildesheim hat ja selbst einen schmerzhaften Prozess hinter sich und ist jetzt auf einem guten Weg. Ich habe mich neulich mit der früheren Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer getroffen, die den bischöflichen Beraterstab zu Fragen sexuellen Missbrauchs leitet und unabhängig ist. Ich werde als Bischof auch darauf achten, dass alle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, an den bereits vorhandenen Präventionskursen teilnehmen. Zudem bräuchten wir eine theologische Aufarbeitung dieser ganzen Problematik.

Das Bistum hat im Jahr 2017 rund 9500 Gläubige verloren, bis 2050 soll es ein Minus von 250 000 Mitgliedern geben. Muss man das als gottgegeben hinnehmen?

Bei der letzten Prognose wäre ich vorsichtig. Aber schon die rund 9500 Gläubigen sind eine ernste Zahl und ich denke darüber nach, was das für uns bedeutet. Bei meinen Pilgertouren mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen war das übrigens auch eine Frage. Wir müssen stärker herausstellen: Was bringt uns der Glaube, wie attraktiv ist es eigentlich, Christ zu sein?

Und was bringt der Glaube?

Zunächst ein grundsätzliches, bedingungsloses und großes Ja. Ich, dein Schöpfer, stehe zu dir, stehe dir bei in dick und dünn. Ich habe dich gewollt. Das müssen wir immer wieder klar und deutlich machen.

Sie haben dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Treue geloben müssen, getreu einem alten Konkordat. Ist das nicht völlig antiquiert und gehört abgeschafft?

So ein Rechtstext ist natürlich überraschend, zumal für Italiener, denen ich etwas von meinem Treueeid erzählt habe. Aber das sind nun mal alte Abkommen und Rechtstexte. Auch dort, wo es so etwas historisch nicht gibt, gibt es Absprachen zwischen Politik und Kirche.

Politiker betrachten die Kirchen von außen gerne als „Bindemittel“ der Zivilgesellschaft. Sehen Sie das auch so?

Ich finde, dass unser christlicher Glaube weit mehr ist als nur ein Bindemittel. Er berührt zutiefst die Sehnsucht eines jeden Menschen nach innerer Erfüllung. Unser christlicher Glaube nimmt die Einzigartigkeit eines jeden ins Visier und wehrt sich gegen Uniformierungen. Gegen ein Denken von der Stange.

Haben Sie keine Angst als weltläufiger Mensch, hier im beschaulichen Hildesheim in provinzieller Enge zu verharren?

Ich finde überhaupt nicht, dass dieses Bistum provinziell ist. Es hat nicht nur landschaftlich eine große Bandbreite, sondern auch schöne Städte. Ich war in Südafrika, Asien, oder Südamerika. Da kennen viele etwa Hannover. Und Hannover 96. Ein alter Fan bin ich vom FC 27 Schapen. Dennoch freue ich mich jetzt schon auf die großen Mannschaften im Bistum.

Haben Sie selbst auch Fußball gespielt?

Ja, rechter Läufer. Bin aber mit 13 Jahren zum Tischtennis gewechselt, wo ich viele Turniere gespielt habe.

Die Insignien des Bischofs

Als Symbol ihrer Würde und ihrer religiösen Vollmachten bekommen katholische Bischöfe besondere Zeichen verliehen, die sogenannten Insignien.

Die Mitra: Die Kopfbedeckung ist ein modischer Brückenschlag in die Spätantike. Damals zählte die Kopfbedeckung zur Tracht besonderer Würdenträger im Römischen Reich. Bis heute ist sie für Bischöfe Teil der liturgischen Kleidung. Bei der Übergabe der Mitra wird der neue Bischof jedoch ermahnt, dass sein eigentlicher Schmuck im Streben nach Heiligkeit bestehen soll.

Der Ring: Als Zeichen der Verbundenheit mit seinem Bistum soll ein Oberhirte seinen Bischofsring ständig tragen – außer am Karfreitag. Der Ring von Heiner Wilmer besteht aus Silber und zeigt Christus mit den Aposteln Petrus und Paulus. Er ist jenem Ring nachempfunden, den Papst Paul VI. in den Sechzigerjahren allen Teilnehmern des Konzils schenkte, das wichtige Reformen einläutete – ein Symbol für die Erneuerung der Kirche.

Der Stab: Er erinnert an den Stab, mit dem Hirten ihre Herde zusammenhalten. Der Bischofsstab von Heiner Wilmer wurde vom Schmiedemeister Alfred Bullermann aus Friesoythe angefertigt. Die Krümme erinnert an drei Flammen – ein Symbol für den Heiligen Geist und für die Dreifaltigkeit. Der Stiel ist aus Eichenholz. Alle Materialien stammen aus Niedersachsen.

Das Brustkreuz: Es ist betont schlicht gehalten. Das silberne Brustkreuz von Heiner Wilmer zeigt das Symbol seines Ordens, ein Herz in einem Kreuz. Die Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester wurde 1878 vom Franzosen Leo Dehon gegründet und zählt weltweit mehr als 2000 Ordensmänner. Sie verbinden spirituelle Mystik mit einem wachen Interesse an sozialen und politischen Fragen.

Das Wappen: Heiner Wilmers’ Bischofswappen zeigt in Blau das Kreuz seiner Ordensgemeinschaft und jenes berühmte Reliquiengefäß, das schon bei der legendenumwobenen Gründung des Bistums Hildesheim im Jahr 815 eine Rolle spielte. Am Tag seiner Weihe wird Wilmer dieses von seinem Amtsvorgänger Norbert Trelle überreicht bekommen. Drei Schafe verweisen auch auf Wilmers Heimatdorf Schapen. Der Wahlspruch des neuen Bischofs lautet „Adiutores gaudii vestri“ – „Gehilfen zu eurer Freude“.

Von Michael B. Berger und Simon Benne

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