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Der Norden Ist das Abitur in Niedersachsen zu einfach?
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05:54 22.10.2018
Abitur ohne Wert? Der Verband der Elternräte der Gymnasien warnt vor einer inneren Aushöhlung der Schulen. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hannover

 Abschaffung der zweiten Fremdpflichtsprache in der 11. Klasse, Referat statt Abiprüfung, Sprechprüfungen statt Klausuren: Der Verband der Elternräte der Gymnasien sorgt sich um das Niveau des Abiturs in Niedersachsen. Beim Verbandstag zum 70-jährigen Bestehen am Wochenende in Hameln sagte der Vorsitzende Hartwig Jeschke: „Der Regierungswechsel hat zu unserem großen Bedauern nicht zu einem klaren Kurswechsel in der Bildungspolitik geführt, wir Eltern finden immer weniger Verständnis für den fortlaufenden Qualitätsabbau an den Gymnasien.“ Ein Drittel der Abiturienten habe inzwischen einen Schnitt mit einer Eins vor dem Komma, in manchen Kommunen wechselten 60 Prozent der Viertklässler am Ende der Grundschule aufs Gymnasium.

In vielen Gymnasialklassen falle der Unterricht aus oder müsse gekürzt werden, mahnte Jeschke. Von den benötigten 2400 Lehrerstellen seien zu diesem Schuljahr nur 2000 ausgeschrieben und nicht mal die seien alle besetzt worden, erneut seien Lehrer von Gymnasien an andere Schulformen abgeordnet worden. Nach Angaben des Philologenverbandes ist die Zahl der Abordnungen von 878 Pädagogen im Sommer 2017 auf rund 1400 in diesem Jahr gestiegen.

Der Lehrermangel werde noch deutlicher im Schuljahr 2020/21, wenn der erste Jahrgang wieder nach 13 Jahren das Abitur mache und 1300 Lehrer zusätzlich benötigt würden, erklärte Jeschke. Das Land sei aber für Pädagogen unattraktiv geworden, das belege auch die Tatsache, dass sich in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Lehrer, die das Bundesland wechseln wolle, von 600 auf 1000 gesteigert habe.

Gute motivierte Lehrer seien für Kinder der Schlüssel zum Bildungserfolg, sagt Petra Wiedenroth, die Geschäftsführerin des Elternverbandes, aber mittlerweile seien viele Lehrer überarbeitet und ausgebrannt. Sie hätten über Jahre bis über die Belastungsgrenze hinaus versucht, die täglichen Lücken der Unterrichtsversorgung durch Mehrarbeit auszugleichen. Wiedenroth verwies darauf, dass immer mehr Pädagogen frühzeitig in den Ruhestand gingen. Zuletzt standen 221 reguläre Pensionierungen 861 vorzeitigen gegenüber.

Auch der Philologenverband kritisiert den rapiden Niveauverlust, die Gymnasien würden von innen ausgehöhlt, sagt der Vorsitzende, Horst Audritz. Anstatt auf mehr Qualität zu setzen führe Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) unnötige Reformen wie den neuen Erlass zur Berufsbildung ein. Danach sollen die Schüler nicht mehr nur zehn, sondern 25 Praxistage für Praktika und Besuche von Betrieben und Jobmessen haben. Das gehe zu Lasten des Fachunterrichts und belaste die Lehrer.

Das Kultusministerium weist die Vorwürfe vehement zurück: Von einem „Abitur light“ könne nicht im Geringsten die Rede sein, ließ ein Sprecher erklären. Die Abiturprüfung sei anspruchsvoll, die Schüler hätten fünf Prüfungsfächer statt vier wie in anderen Länder. Vier davon seien schriftlichen, drei auf erhöhtem Anforderungsniveau. In Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch gebe es zudem seit 2017 einen gemeinsamen Aufgabenpool für alle Bundesländer. Durch die Rückkehr zu G 9 sei die Gesamtstundenzahl von 265 auf 273, an einigen Schulen sogar auf 279 erhöht worden. Die Fächer Deutsch und Mathematik seien mit je zwei zusätzlichen Jahreswochenstunden gestärkt worden.

Unterstützung bekommen die Elternräte in ihrer Kritik von der FDP: „Leistung wird klein geschrieben, die Unterrichtsversorgung bleibt schlecht, die Gymnasien werden nur in den Fokus genommen, wenn Abordnungen benötigt werden“, sagte Björn Försterling: „ es ist sachlogisch richtig, wenn man mit reduzierten Anforderungen auf den hohen Unterrichtsausfall reagiert, aber gut für die Schüler ist das nicht.“ Die CDU habe sich vollends aus der Bildungspolitik verabschiedet. „Im Hinblick auf den 13. Jahrgang am Gymnasium kann einem nur Angst und Bange werden.“ Auch Harm Rykena (AfD) meint, dass die Bildungspolitik der Großen Koalition die Studierfähigkeit der Schüler gefährde, er spricht von „Noteninflation und Reduzierung der Ansprüche“.

Mareike Wulf, Bildungsexpertin der CDU, kontert: „Das Abitur hat einen hohen Stellenwert, zur Sicherung der Qualität hat die CDU 2005 das Zentralabitur eingeführt.“ Man lege großen Wert auf die bundesweite Vergleichbarkeit, Schüler und Eltern dürften nicht das Gefühl haben, einer Abi-Lotterie ausgesetzt zu sein. Stefan Politze (SPD) weist den Vorwurf des Qualitätsabbaus zurück: Sprech- und Präsentationsprüfungen seien eine Ergänzung für eine gerechte Leistungsüberprüfung, viele zunächst an anderen Schulformen eingestellte Lehrer kämen mit der Umstellung auf G 9 wieder an die Gymnasien. Julia Willie Hamburg (Grüne) sagte, mit seiner Kritik am Lehrermangel habe der Elternverband Recht, nicht aber mit dem Vorwurf des „Abi light“: „Veränderung bedeutet nicht automatisch Verschlechterung.“

Von Saskia Döhner

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