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Der Norden Mord an Flüchtling: Täter zu langer Haft verurteilt
Nachrichten Der Norden Mord an Flüchtling: Täter zu langer Haft verurteilt
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09:17 23.05.2018
Erst Monate nach der Tat wurde die Leiche des Flüchtlings gefunden. Quelle: Foto: dpa
Flensburg

Sie glaubten, dass ihre Schwester und Freundin vergewaltigt wurde. Deswegen haben zwei Männer auf der Nordseeinsel Amrum nach Überzeugung des Landgerichts Flensburg einen Flüchtling aus dem Irak getötet. Sie wurden am Dienstag zu langjährigen Haftstrafen wegen Mordes verurteilt. Ein zur Tatzeit 19-Jähriger bekam eine Jugendstrafe von siebeneinhalb Jahren, ein zur Tatzeit 26-Jähriger eine lebenslange Haftstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer den Flüchtling aus dem Irak im April 2017 unter einem Vorwand in die Dünen der Nordseeinsel lockten und dort mit einem Messer töteten. Anschließend vergruben sie die Leiche zwei Meter tief im Sand. Die Männer kannten sich demnach seit Längerem, der ältere Angeklagte lebte mit seiner minderjährigen Freundin und deren Mutter im selben Haus wie das spätere Opfer. Die Freundin des heute 27-Jährigen ist die Schwester des heute 20-Jährigen.

Flirt und sexuelle Kontakte?

Der Anklage zufolge glaubten die Männer, der Iraker habe die junge Frau vergewaltigt. Eine solche Vergewaltigung hat es aber nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wie auch der Verteidigung nie gegeben. Wie das Gericht feststellte, konfrontierte der ältere Angeklagte seine Freundin am Tattag mit Fotos, die sie und den Flüchtling in „vertrauter Pose“ zeigten. Der Iraker und die Frau unterhielten im Sommer 2016 einen Flirt, hatten „möglicherweise auch sexuellen Kontakt“, wie die Richterin sagte. Die Vergewaltigung sei möglicherweise von der Frau erfunden worden, um dies zu verschleiern.

Der Ältere kontaktierte jedenfalls nach dem Disput mit seiner Freundin seinen „Schwager“. Gemeinsam klingelten sie bei ihrem späteren Opfer und schlugen vor, gemeinsam etwas trinken zu gehen. In den Dünen ließen sie dann „die Jägermeisterflasche kreisen“, wie es die Richterin formulierte. Und sie konfrontierten den 27-Jährigen mit dem Vergewaltigungsvorwurf.

Der Jüngere schlug dann den Iraker mit der Flasche nieder. Später stachen die beiden Männer mit mindestens einem Messer zu. Das Opfer habe keinen Anlass gehabt, mit einem tödlichen Angriff zu rechnen. „Es war arg- und wehrlos“, sagte die Richterin.

Bei der ganzen Aktion gingen die beiden Täter nach Überzeugung des Gerichts planvoll vor: Sie nahmen ein Messer mit, suchten einen plausiblen Grund, damit der Iraker mit in die Dünen kommt und verabredeten ein Zeichen für den Angriff. Nachdem sie den jungen Mann getötet hatten, verscharrten sie ihn erst notdürftig im Sand, bevor sie am nächsten Tag ein tiefes Loch aushoben und ihn dort vergruben. Wenige Tage später verließen sie die Insel, da die Suche nach dem verschwundenen Flüchtling begann.

Eine Zeit lang verschwunden

Mitte Mai 2017 gab die Polizei eine Vermisstenmeldung heraus, zu diesem Zeitpunkt wurde noch gedacht, dass die drei Männer gemeinsam die Insel verlassen haben. An ein Verbrechen dachte zunächst niemand.

Im Juli wurden die jetzt Verurteilten erstmals wieder auf Amrum wahrgenommen. Wo sie sich aufgehalten haben und wo ihr Bekannter ist, wollten sie nicht sagen. Bei den Ermittlern wuchs die Befürchtung, dass der Iraker einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Bei einer Suchaktion wurde die Leiche schließlich im Sand gefunden, im Oktober wurden die beiden Männer festgenommen.

Von Birgitta von Gyldenfeldt