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Der Norden Von der Leyen entschuldigt sich für Moorbrand bei Meppen
Nachrichten Der Norden Von der Leyen entschuldigt sich für Moorbrand bei Meppen
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18:57 21.09.2018
Rauchwolken steigen beim Moorbrand auf dem Gelände der Bundeswehr in Meppen auf. Quelle: dpa
Meppen

Wegen des Moorbrandes auf einem Bundeswehr-Testgelände bei Meppen hat der Landkreis Emsland am Freitagmorgen den Katastrophenfall ausgerufen. Es wird befürchtet, dass aufkommender Wind das Feuer weiter anfacht. Eine Evakuierung der Gemeinden Groß Stavern und Klein Stavern könne nicht mehr ausgeschlossen werden, teilte Landrat Reinhard Winter mit. Davon betroffen wären rund 1000 Einwohner. Sollte der Wind die Rauchwolken ungünstig treiben, müssten auch die 7500 Einwohner der Gemeinde Sögel in Sicherheit gebracht werden. Winter betonte, dass die Ausrufung des Katastrophenfalls unumgänglich für die Planungen und Vorbereitungen sei, sollte sich die Situation vor Ort verschärfen. Das bedeute aber nicht, „dass es katastrophenähnliche Zustände im Emsland gibt“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Freitag.

Der Landrat erklärte, dass man keine Unruhe in der Bevölkerung hervorrufen wolle. Man wolle vielmehr die Bewohner von Stavern frühzeitig darauf aufmerksam machen, „dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar ist“. Eine Prognose sei derzeit nicht möglich, man erwarte aber, „dass sich Rauchbelästigung und Funkenflug verschärfen“. Sollte es notwendig werden, die Anwohner in Sicherheit zu bringen, würden sie in einer Schule oder einer Veranstaltungshalle im nahegelegenen Haselünne unterkommen - so lange, bis die Gefahr endgültig gebannt sei.

Seit Anfang September brennt auf einem Gelände der Bundeswehr ein Moor.

Gesundheitsgefahr? Landkreis errichtet Messpunkte

Der Landkreis Emsland kündigte zudem an, ein dichtes Netz an Messpunkten in dem betroffenen Gebiet um den Moorbrand aufzubauen, um die Belastung durch den Rauch überwachen zu können.

Die Rauchwolke hatte sich zwischenzeitlich über weite Teile Norddeutschlands ausgebreitet. Wie das Umweltministerium Niedersachsens am Donnerstag mitteilte, wurden vorübergehend höhere Feinstaubwerte an den Messstationen Südoldenburg und Oldenburg gemessen, Grenzwerte seien aber nicht überschritten worden. Man habe bislang auch keine „annähernde Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung“ feststellen können. Am Freitag wurden weitere Messungen auf und in der Nähe des Testgeländes angeordnet. Weil die Bundeswehr als Brand-Verursacher keine entsprechende Anfrage gestellt habe, passiere das erst jetzt, sagte Landrat Reinhard Winter.

Genau das hatten Experten bereits am Donnerstag gefordert und vor einer Belastung durch Feinstaub gewarnt. „Die Rauchwolke führt zu einer massiven Feinstaubbelastung und ist eine Gefahr für die Gesundheit“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner. Nach Schätzungen des Naturschutzbundes (Nabu) hat der Moorbrand bereits zu einem Ausstoß von 500.000 Tonnen Kohlendioxid geführt - so viel, wie 50.000 Deutsche im Jahr verursachen.

Spezialpioniere sollen bei Löscharbeiten helfen

Der Brand auf dem Gelände war vor gut zwei Wochen nach einem Raketentest ausgebrochen. Inzwischen sind mehr als 1000 Einsatzkräfte vor Ort, um den Brand zu löschen. Feuerwehrleute der Bundeswehr, zivile Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, Spezialpioniere aus Husum und Heeresaufklärer arbeiteten gemeinsam gegen die Flammen.

Vier Kreisfeuerwehren mit insgesamt 500 Mann seien angefordert worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag in Hannover. Bereits eingetroffen ist zudem ein Regiment Spezialpioniere. Die Bundeswehr bezeichnet diese Soldaten als „Handwerker in Uniform“. Sie sollen in Meppen unter anderem die Wasserversorgung für den Löscheinsatz sicherstellen und andere logistische Aufgaben übernehmen.

Eine Fläche mit der Größe von mehr als 1000 Fußballfeldern ist betroffen. In Teilen des Gebietes sei der Brand inzwischen eingedämmt, in anderen nicht, sagte ein Bundeswehrsprecher. Insgesamt sei das Feuer unter Kontrolle. „Der Brand kann sich nicht weiter ausbreiten.“

Was ist ein Katastrophenfall?

Treten Unwetter, Überschwemmungen oder andere Naturgewalten auf, ist das nicht automatisch ein Katastrophenfall. Von einer Katastrophe sprechen Behörden erst, wenn die Bedrohung von vielen Menschen, umfangreichen Sachwerten oder natürlichen Lebensgrundlagen so gravierend ist, dass die betroffene Kommune überfordert ist.

Das bedeutet, dass die Lage nur beherrscht werden kann, indem überregional Einsatzkräfte alarmiert werden und ein Krisenstab eingerichtet wird. Ist das der Fall, wird der Katastrophenfall ausgerufen. Der Katastrophenfall ist dabei gleichlautend mit Katastrophenalarm.

Von der Leyen entschuldigt sich für Moorbrand

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) reist am Sonnabend in die betroffene Region im Emsland. Zugleich bat sie für den Brand um Verzeihung. „Ich entschuldige mich im Namen der Bundeswehr bei allen Menschen der Region, die jetzt unter den Auswirkungen des Brandes leiden“, sagte die Ministerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das Feuer sei ein „sehr ernster Vorfall, der so nicht passieren darf“, sagte von der Leyen. Man werde untersuchen, ob die Munitionstests in dem ausgetrockneten Moor „nötig und verantwortbar“ waren. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und dessen Stellvertreter Bernd Althusmann (CDU) haben sich für Sonnabend angekündigt.

Bürgertelefon eingerichtet

Mittlerweile würden die Landräte und andere Verantwortliche jeden Morgen umfassend unterrichtet. Von Montag bis Donnerstag von 9 Uhr bis 15 Uhr und am Freitag von 9 Uhr bis 14 Uhr werden unter folgender Telefonnummer Fragen beantwortet: 030 1824 2424 2. Bei der Katastrophenschutzbehörde Landkreis Emsland wurde zudem ein Bürgertelefon eingerichtet. Dieses ist unter der Telefonnummer (0 59 31) 44-57 01, -57 02 und -14 31 erreichbar.

Von frs/mbb/dpa/RND

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