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Der Norden Der Moorbrand ist noch lange nicht gelöscht
Nachrichten Der Norden Der Moorbrand ist noch lange nicht gelöscht
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21:00 19.09.2018
Auf einer Fläche größer als 1000 Fußballfelder brennt das Moor auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 im Emsland. Quelle: dpa
Groß Stavern

Auf dem Dorfplatz in Groß Stavern im Emsland dominieren in diesen Tagen die blau-weißen Farben. Doch mit dem bevorstehenden Oktoberfest hat die Gestaltung des Areals zwischen Kirche und Dorfladen nichts zu tun. Das Technische Hilfswerk (THW) hat in der kleinen Gemeinde eine Einsatzzentrale aufgeschlagen. Die blau-weißen Fahrzeuge stehen vor der Dorfkneipe, vor der einzigen Bankfiliale und neben dem Gotteshaus, St. Michael. Auf dem Fußballplatz im Nachbarort Klein Stavern rollt kein Ball mehr. Eine Zeltstadt ist auf der vertrockneten Grünfläche entstanden. Dort können sich Hunderte Helfer des THW ausruhen.

Auf einem Testgelände der Bundeswehr im Emsland wütet seit Anfang September ein rund fünf Quadratkilometer großer Moorbrand. Die Truppe hat unter anderem Unterstützung der Berufsfeuerwehr Hannover angefordert, um die Flammen zu löschen.

Seit gut zwei Wochen beschäftigt ein Moorbrand auf dem nahe gelegenen Übungsgelände der Bundeswehr die Bewohner des Emslandes und darüber hinaus.„Am Dienstagnachmittag gab es Gerüchte, wir würde alle evakuiert werden, weil der Rauch vom Moorfeuer zu uns herübergezogen war“, sagt Hans-Bernhard Wotte aus Groß Stavern. Überlegungen zu diesem Schritt gab es tatsächlich. Der Plan musste nicht in die Tat umgesetzt werden.

Größer als 1000 Fußballfelder

Der Brand hat sich inzwischen auf einer Fläche größer als 1000  Fußballfelder ausgedehnt. Die Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen auf einen nahen Wald. Der Rauch war am Dienstag sogar bis ins 100 Kilometer entfernte Bremen zu spüren. Auch in den Kreisen Oldenburg, Cloppenburg, Vechta Diepholz und Verden, sogar am Steinhuder Meer beunruhigte der Brandgeruch die Menschen.

Und natürlich beeinträchtigt er auch die Staverner. „Gestern Abend hat es im ganzen Haus nach Qualm gerochen. Erst gegen 22 Uhr war es nicht mehr so schlimm und ich konnte die Fenster wieder öffnen“, sagt Sonja Monsees der HAZ. Die Rauchsäule war sogar vom Weltall aus zu sehen, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte.

So viele Helfer wie Einwohner

Rauchgeruch liegt auch am Mittwoch noch über der Landschaft. Neben dem THW haben sich auch zahlreiche Fernsehteams in der Gemeinde eingefunden. „Wir haben unsere Einwohnerzahl von rund 1000 in aller Kürze verdoppelt“, sagt eine Dorfbewohnerin.

Die Helfer des THW sind seit ein paar Tagen vor Ort. Sie haben mehrere Wasserschläuche von Groß Stavern zur etwa sechs Kilometer entfernten Einsatzstelle verlegt. Weil einer der Schläuche direkt über die Hauptstraße verlegt werden musste, haben die THW-Helfer eine Brückenkonstruktion dafür gebaut.

Auf dem Übungsplatz kämpfen inzwischen rund 1000 Helfer gegen das Feuer, das bei Munitionstests der Bundeswehr ausgebrochen war. „Das passiert eigentlich jedes Jahr, nur so heftig wie jetzt war es noch nie“, sagt Helene Wotte. Erschwert werden die Löscharbeiten durch vermutete Munitionsreste in dem seit 1876 als Übungsgelände genutzten Moor. Aus Sicherheitsgründen können die Feuerwehrleute das Gelände nicht überall betreten.

Moorbrände nicht ungewöhnlich

Moorbrände nach Munitionstests sind hier nichts Ungewöhnliches. Die Bundeswehr habe die Brände sonst immer selbstständig in den Griff bekommen, sagt Hans-Bernhard Wotte. „Wenn es gar nicht ging, ist die Freiwillige Feuerwehr aus dem Nachbarort dazugerufen worden.“ In diesem Jahr fehlte aber Löschgerät. Es dauerte Tage, bis ein Hubschrauber einsatzbereit war. Da hatte sich das Feuer bereits unterirdisch in den Torf gefressen.

Manche Dorfbewohner sind nicht mehr so gut auf die Bundeswehr zu sprechen. „Ständig kommt im Fernsehen und im Radio die Warnung, weil die Böden so trocken sind und man mit offenem Feuer aufpassen soll und die ballern einfach weiter mit ihren Granaten“, sagte eine Dorfbewohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Das war schon immer ein Testgelände für neue Waffen und Munition aller Art“, sagt ein Anwohner. Er hat früher selber auf dem Gelände der Bundeswehr gearbeitet. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird dort bereits Munition getestet.

Wie lange die Einsatzkräfte noch gegen den Moorbrand vorgehen müssen, ist derzeit noch vollkommen offen. „Das dauert noch mindestens vier Wochen, bis alles gelöscht ist“, schätzt Hans-Bernhard Wotte. Nervös werden lässt ihn der ganze Vorfall auch nicht: „Wir Emsländer sind eben so“, sagt er und schenkt Kaffee nach.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat am Mittwoch in Hannover die Bundeswehr kritisiert, die den Moorbrand im Emsland ausgelöst hat. „Wenn ich ehrlich sein soll: Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach diesem trockenen Sommer ausgerechnet im Moor Schießübungen zu veranstalten.“ Das Verteidigungsministerium müsse in den eigenen Reihen Ursachenforschung betreiben. „Die Situation zurzeit ist bedenklich“, sagte Weil.

Auch UmweltministerOlaf Lies (SPD) äußerte sich empört: „Es ist unglaublich, was wir da gerade erleben und ein großer Schaden für die Umwelt.“ Es stelle sich sehr nachdrücklich die Frage nach der Verantwortung. Er wolle wissen, warum nicht angesichts der langanhaltenden Trockenheit auf die Übung verzichtet wurde. „Wenn jetzt auch noch klar ist, dass das Löschfahrzeug nicht einsatzfähig war, dann ist es mehr als fahrlässig.“

Der Landtagsabgeordnete Christian Meyer (Grüne) hat nach eigenen Angaben die Verantwortlichen bei der Bundeswehr wegen fahrlässiger Brandstiftung angezeigt. Jeder andere, der bei extremer Trockenheit im Moor zündele oder auch nur eine Zigarettenkippe wegwerfe, müsse sich strafrechtlich verantworten. „Vom Bundesverteidigungsministerium erwarten wir angesichts der verheerenden Lage Konsequenzen für solche Waffentests.“

Am Donnerstag willder für den Brandschutz zuständige Innenminister Boris Pistorius (SPD) den Einsatzort besuchen.

Von Tobias Morchner

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