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Der Norden Tonne und GEW streiten über weniger Unterricht für Grundschullehrer
Nachrichten Der Norden Tonne und GEW streiten über weniger Unterricht für Grundschullehrer
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17:15 07.12.2018
Schon im September hat Minister Grant Hendrik Tonne (li.) von der GEW-Vorsitzenden Laura Pooth (GEW) einen Forderungskatalog entgegengenommen, Haupttforderung war die nach besserer Besoldung von Grundschullehrern. Quelle: Saskia Döhner
Hannover

Zwischen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ist ein Streit darüber ausgebrochen, ob Grundschullehrer weniger unterrichten sollen oder nicht. Der Minister will keine pauschale Senkung der Unterrichtsverpflichtung von 28 auf 27 Stunden, wie es die vom Land eingesetzte Arbeitszeitkommission empfohlen hat, sondern gezielte Entlastungen für Pädagogen, die mehr arbeiten. GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth zeigt sich „irritiert“, dass Tonne nicht ergebnisoffen in einen Runden Tisch mit den Bildungsverbänden gehen will, den er selbst vorgeschlagen hat. Wenn bestimmte Maßnahmen von vorherein ausgeschlossen würden, könne von einem offenen Dialog keine Rede mehr sein.

Platzt der Runde Tisch? „Etwas, das noch gar nicht begonnen hat, kann nicht platzen“, sagt ein GEW-Sprecher. Die GEW knüpft ihre Teilnahme an Gesprächen über mögliche Entlastungen für Lehrer ohnehin an zwei Bedingungen: nämlich daran, dass das Land einen Stufenplan zur besseren Besoldung von Grund-, Haupt- und Realschullehrern vorlegt und über echte, konkrete Entlastungen diskutieren will. Dieselben Bedingungen haben auch der Schulleitungsverband, der Verband Bildung und Erziehung und der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte gestellt.

Minister will zielgenaue Entlastungen

Die Lage sei kompliziert, sagt der Minister: Einerseits gebe es einen eklatanten Mangel an Lehrkräften, andererseits müssten Lehrer dringend entlastet werden. Laut einer Arbeitszeitstudie, bei der rund 3000 Lehrer ein Jahr lang minutengenau ihre Arbeitzeit erfasst hatten, arbeiten Pädagogen an Grundschulen rund 1 Stunde und 20 Minuten zuviel in der Woche, an Gymnasien etwa drei Stunden und fünf Minuten.

 Tonne will mit den Verbänden lieber über zielgenaue Entlastungen für diejenigen Pädagogen sprechen, die Überstunden machten. Die Arbeitszeitstudie hatte eine breite Streuung bei der Mehrarbeit ergeben. So gibt es Lehrer, die viel zu lange arbeiten, aber auch solche, die sogar unter ihrem Soll bleiben. Eine pauschale Senkung der Pflichtstunden für Grundschullehrer macht für den Kultusminister keinen Sinn. Dies würde gerade den hochbelasteten Teilzeitkräften zeitlich überhaupt nicht helfen, allenfalls finanziell, da sie selbstständig darüber entschieden, wieviel sie unterrichten wollten.

Die Arbeitszeitkommission hatte vorgeschlagen, den Schulleitern einen Topf von zusätzlichen Entlastungsstunden zu geben, die diese dann an besonders belastete Lehrer verteilen könnten. Das bringe die meiste Gerechtigkeit, meint der Minister – und zwar an Gymnasien wie Grundschulen.

„Frechheit gegenüber Grundschullehrern“

„Der Minister hat den Ernst der Lage nicht erfasst“, sagt Julia Hamburg (Grüne). Es gehe nicht nur um die Resultate der Arbeitszeitstudie, sondern auch um die Hunderte Überlastungsanzeigen, die Grundschullehrer schon 2013/2014 gemacht hätten. Die Absage an eine generelle Senkung der Unterrichtsverpflichtung sei den Grundschullehrern gegenüber eine Frechheit.

Hamburg erneuert ihre Forderung nach einer Enquetekommission zur Lehrerarbeitszeit, in der Mitglieder aller Landtagsparteien sitzen sollten. Für dieses Thema brauche man einen großen Konsens, der über Legislaturperioden hinaus gelten müsste.

Aus Sicht des Kultusministeriums ist das Einsetzen einer Enquete-Kommission zur Lehrerarbeitszeit ein wenig hilfreicher Vorschlag. Ein solches Gremium arbeitet nicht kurzfristig, sondern in langen Linien. „Ein solches Gremium zu installieren birgt also die Gefahr, dass vorerst nichts bewegt in Sachen Verbesserungen bei der Arbeitszeit. Bis ein Ergebnis auf den Tisch gelegt würde, wäre viel Zeit die Leine heruntergeflossen“, sagt ein Sprecher. „Wir arbeiten an einem Dreiklang aus Entlastung im Arbeitsalltag, besserer Bezahlung und Veränderungen bei der Arbeitszeit.“

Von Saskia Döhner

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