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Der Norden Tierquälerei-Vorwürfe in Schlachthöfen: Wo kaufen Sie denn ein?
Nachrichten Der Norden Tierquälerei-Vorwürfe in Schlachthöfen: Wo kaufen Sie denn ein?
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00:20 26.11.2018
Wie gehen wir mit Tieren um? Diesen Frage stellt sich immer wieder. Quelle: picture alliance/Jens Büttner
Hannover

Haben Sie schon fürs Wochenende eingekauft? Mit einem Besuch an der Fleischtheke – oder lieber ohne? Das ist ja so eine Frage in dieser Woche in Niedersachsen. Nach Schlachthöfen in Bad Iburg und Oldenburg ist nun auch ein Betrieb in der Region Hannover wegen abscheulicher Tierquälereien ins Licht der Öffentlichkeit geraten. Und mit ihm ein Teil unserer Nahrungsproduktion, den Erzeuger wie Verbraucher meist lieber im Verborgenen lassen. Die einen, weil sie wissen, dass nicht jedem gefällt, wie’s beim Abferkeln, Kastrieren oder Wurstmachen eben zugeht – und die anderen, weil sie das auch lieber gar nicht wissen wollen. Unser Umgang mit Fleisch ist ein seltsamer Hort von Doppelzüngigkeit und Verdrängung.

Nun hören die Kunden von den Schlachthofbetreibern wieder die Leier von bösen Subunternehmern, die sich leider nicht an die ansonsten hochmögenden Standards der Betriebe gehalten hätten. Das ist kaum noch zu ertragen. Wer, bitte, hat die angeheuert? Wer hat sie nicht kontrolliert? Und unter welchen Bedingungen arbeiten eigentlich die Menschen, die bei diesen oft windigen Unterfirmen beschäftigt sind? Wenn die Branche nicht versteht, dass sie auf diese Fragen jetzt schnell neue Antworten braucht, ist der nächste Besuch von Tierschutzaktivisten nicht mehr fern. So aufgeblasen und selbstgerecht die ihrerseits auch daherkommen mögen.

Die Schlachthöfe sind natürlich nur Teil einer Kette, die von Züchtern und Mästern über diverse Formen der Fleischverarbeitung bis zum Fachgeschäft oder eben der Supermarkttheke reicht. Anständige Schlachthofbetreiber – die gibt es auch – kämpfen nicht vorrangig mit den Tieren, sondern mit Vorschriften und Preisen. Dabei endet ihr Wettbewerb nicht an den deutschen Grenzen; dort wird er erst richtig hart. Landwirten geht es nicht anders – derzeit gibt es rund 1,40 Euro je Kilo fürs schlachtreife Schwein. Klar, dass es sehr schnell wachsen muss, wenn sich die Arbeit da noch lohnen soll. Und Bio? Nichts als schöner Schein: Rund 3,70 Euro kann ein alternativ mästender Bauer derzeit fürs Kilo Schwein erlösen – aber das kaufen dann halt nur ein paar Nerds. Mehr als 98 Prozent der Fleischkäufe in Deutschland gehen am Bioangebot schlicht vorbei.

Dabei heißt es seit Langem: bewusster einkaufen, auf Herkunft und Behandlung der Tiere achten und am Ende wieder etwas mehr für gutes Fleisch bezahlen. Es müsse ja nicht täglich auf den Tisch. Und? Was passiert wirklich? Eben.

Der beste Weg zur Änderung von schlechten Verhältnissen ist immer noch, einfach mal anzufangen. Notfalls in kleinen Schritten – die hier am wirkungsvollsten nicht vom Staat, sondern von den Endkunden ausgehen. Wir alle haben es mit in der Hand, wie es Menschen und Tieren ergeht. Spätestens beim nächsten Wochenendeinkauf.

Von Hendrik Brandt

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