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Der Norden Jagdschein wird bei Frauen immer beliebter
Nachrichten Der Norden Jagdschein wird bei Frauen immer beliebter
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00:15 07.03.2017
„Frauen sind sorgsamer und geben weniger an“: Ausbilder Uwe Völksen mit Vivien und Robina Scheer im Kirchwehrener Holz.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Kirchwehren

Gebannt hängen die Schwestern an den Lippen des Ausbilders, wollen kein Wort verpassen. An einem Übungsstand zwischen Buchenwald und von Wildschweinen zerwühlter Wiese geht es um Büchsen, Flinten und Messer - Generalprobe kurz vor der Jägerprüfung. „Kaliber zwölf“, sagt eine der jungen Frauen mit blondem Pferdeschwanz und grünem Hut. Sie dreht eine Schrotpatrone prüfend zwischen Daumen und Zeigefinger. „Damit kann ich den Winterfuchs und den Dachs schießen.“ Alles noch Theorie. Doch demnächst wird die 27-jährige Robina Scheer ebenso wie die vier Jahre jüngere Vivien selbst auf die Jagd gehen.

Seit September wird gebüffelt

Im Kirchwehrener Holz bei Seelze bereiten sich angehende Jäger auf den Jagdschein vor. Seit Anfang September haben die 16 bis 60 Jahre alten Teilnehmer zweimal pro Woche im Abendkurs der Jägerschaft Hannover-Land gepaukt, an Wochenenden Reviere erkundet und zwischendurch gebüffelt. Vier der 28 sind Frauen. Sie hatten mit Waffen vorher weniger am Hut als viele der Männer, wie Waffenkunde-Ausbilder Uwe Völksen festgestellt hat. „Frauen gehen vorsichtiger ran, da ist nicht so ein Gehabe wie bei vielen Männern“, sagt der Kursleiter. „Aber wenn sie sich auf die Waffen eingestellt haben, verfliegt die Skepsis ganz schnell.“ Wenn es nach ihm ginge, meint der 50-jährige Berufsschullehrer nur halb im Scherz, würde es eine 50-prozentige Frauenquote in den Kursen geben. „Frauen sind sorgsamer und geben weniger an.“

An Wissen mangelt es schon mal nicht, das ist bei der Generalprobe am Wald deutlich zu sehen. Robina und Vivien Scheer melden sich immer wieder unaufdringlich zu Wort, wenn einer in der Gruppe nicht weiterweiß. Die beiden haben ihren Vater bereits in der Grundschulzeit zur Jagd begleitet.

„Ich fand schon damals das Aufbrechen des Wildes so spannend, dass ich Gerichtsmedizinerin werden wollte“, erinnert sich Vivien Scheer. Stattdessen ist die 23-Jährige nun Physiotherapeutin, ihre Schwester organisiert Konzerte und Messen. Nach der Ausbildung haben sie endlich Zeit gefunden, zusammen den Jagdschein zu machen. Der Weg dorthin führt über Fragen und Antworten. Die reichen von Brauchtum bis Wildkrankheiten und füllen ein sehr dickes Buch. Vivien Scheer hat auch ihren Freund zum Abhören eingespannt. Der sei kein Jäger und warte darauf, dass die neunmonatige Lernzeit zu Ende geht, meint die junge Frau: „Mein Freund und mein Pferd sind zuletzt etwas kurz gekommen.“

Auch Jagd-Mitschülerin Friederike Bock hatte sich den Aufwand nicht so groß vorgestellt. „Als mein Vater verstorben ist, waren noch zwei Langwaffen da, das hat mich über den Jagdschein nachdenken lassen“, erzählt die 38-Jährige auf dem Weg zur nächsten Übungsstation. Dort gilt es, Körperteile ausgestopfter Tiere wie Fuchs und Hase zu benennen. Wozu das Haar des Dachses verwendet werden kann, hat niemand parat. „Für Rasierpinsel“, verrät der Lehrer. Bock will sich nach der Prüfung eine Jagdgelegenheit suchen. In den ersten drei Jahren nach dem Abschluss ist das in der Regel ein - nicht gerade billiger - Begehungsschein in einem Revier. Die Juristin freut sich darauf, ihr erstes Reh zu schießen. Bisher habe sie Wildbret immer im Wildhandel gekauft, sagt sie: „Ich bin gespannt, ob das selbst erlegte anders schmeckt.“

Das Interesse steigt

Nahrung und deren Herkunft beschäftige Frauen in den Kursen besonders, erzählt Förster Thomas Seel-Schwarze, einer der ehrenamtlichen Ausbilder. „Sie hinterfragen die Massentierhaltung und wollen wissen, wie Fleisch natürlich auf den Tisch kommen kann.“ Dass diese Frage insgesamt an Bedeutung gewonnen hat, könnte auch ein Grund für die gestiegene Nachfrage an den Jagdkursen sein. „Wir müssen gar keine Werbung mehr machen“, sagt Kursleiter Völksen. Schon jetzt sei der im September beginnende Folgekurs beinah ausgebucht.

Doch es gibt auch Menschen, die das Töten von Tieren generell ablehnen. Und so gehört es zu den Aufgaben der Prüflinge, einen Ansitz vor dem Hochklettern in Augenschein zu nehmen: Nicht nur könnte die Leiter morsch sein, militante Tierschützer könnten Sprossen angesägt haben. Und wie heißt das Jagdhornsignal zum Anblasen des Treibens? „Aufbruch zur Jagd.“

Claudia Gerbode, die mit ihrem Deutsch-Drahthaar beim Kurs vorbeischaut, ist bereits vor einigen Jahren dem Beispiel ihres Mannes gefolgt und hat den Jagdschein gemacht. Ihr Interesse an der Natur sei mit dem Wissen über das Verhalten der Tiere noch gewachsen, erzählt die 46-jährige Bürokauffrau. „Frühmorgens an einer Wiese bei aufsteigendem Nebel und Sonnenaufgang ein Rudel Rehe beobachten, das ist wunderschön.“ Sie freut sich, dass sich auch die Hersteller für Jagdbedarf auf weibliche Kundschaft einstellen. Beim Damenvergleichsschießen habe sie neulich eine Jägerin mit besonders weiblichem Stil kennengelernt: „Die holte mit lackierten Fingernägeln ihr Gewehrfutteral raus, und das war rosa.“ Auch Jacken in Khaki und Pink seinen keine Seltenheit mehr.

Die Schwestern haben unterdessen die für die Prüfung wichtigen Fragen beantworten können. Robina Scheer wird im September noch die Schießprüfung nachholen, die sie wegen eines Reitunfalls verpasst hat. Vivien hat diese schon erfolgreich hinter sich. Sobald Theorie und mündliche Praxis durch sind, will sie ihren Jagdschein lösen. Gleich zu Saisonbeginn Anfang April soll es, zunächst an der Seite des Vaters, hinaus ins Revier gehen. Bei allem Vorwissen hat sie vor dem Abschlusstag in zwei Wochen großen Respekt. „Ich bin nervös“, sagt sie. „Wie bei jeder Prüfung.“

Von Gabriele Schulte

Niedersachsen ist bundesweit Spitzenreiter

In den Jagdscheinkursen von rund 60 Jägerschaften im Land bibbern die Teilnehmer nach neun Monaten Vorbereitung zurzeit dem Abschluss entgegen. Die Prüfung ist überall auf März terminiert, am 1. April beginnt das neue Jagdjahr. „So können Jagd- und Waffenschein gleich beantragt werden“, sagt Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft (LJN). Annähernd 90 Prozent der niedersächsischen Jäger sind in dem Verband organisiert.
Kompaktkurse der LJN am Jägerlehrhof Springe oder in einer der rund ein Dutzend privaten Jagdschulen im Land finden auch zu anderen Zeiten statt, zum Beispiel drei Wochen lang in den Sommerferien. „Sie eignen sich für Berufstätige und Schüler vor allem dann, wenn die Teilnehmer schon viele Vorkenntnisse haben“, meint Rölfing.

Der Jagdschein ist beliebt, seit Jahren steigt die Teilnehmerzahl. Niedersachsen war dabei auch 2016 wieder bundesweit Spitzenreiter: 3410 Jagdscheine wurden hier vergeben (2015: 3275), in ganz Deutschland waren es 13 268.
Der Anteil der Frauen steigt weiter. Vor 20 Jahren war nur ein Prozent der Jagdscheininhaber weiblich, inzwischen sind es fast 10 Prozent. In der Altersgruppe der 16- bis 35-Jährigen liegt die Quote mit 16 Prozent noch deutlich höher. In den Jägerkursen ist nach Befragungen der Jägerschaft aktuell etwa jeder fünfte Teilnehmer eine Frau.      

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