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Der Norden Lebensretter aus Erstem Weltkrieg blieb unvergessen
Nachrichten Der Norden Lebensretter aus Erstem Weltkrieg blieb unvergessen
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00:15 17.10.2017
Von Simon Benne
„Es ist fantastisch“: Hayden Cullen mit der Geldbörse von Heinrich Held aus Niedersachsen, der im Krieg Cullens Urgroßvater das Leben rettete. Quelle: LAC Naomi James
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Hannover

Fast ehrfürchtig hält er sie in den Händen. Mit kerzengerader Haltung und einer gewissen Feierlichkeit. Als wäre diese Geldbörse ein Beleg dafür, dass im Leben alles mit allem zusammenhängt. Und tatsächlich würde es Hayden Cullen gar nicht geben, wenn sein Urgroßvater nicht im Jahr 1918 dem Besitzer dieses Portemonnaies begegnet wäre. Wenn dieser Deutsche, der eigentlich sein Feind hätte sein müssen, nicht mitten im Ersten Weltkrieg zum Lebensretter des Neuseeländers geworden wäre.

„H. Held“ steht auf dem Leder

Ein Familienname ist auf dem Leder auch nach 100 Jahren noch gut zu lesen: „H. Held“ steht dort. „Es ist uns nie gelungen, die deutsche Familie ausfindig zu machen, der wir so viel verdanken“, sagt Hayden Cullen, der Musiker der neuseeländischen Streitkräfte ist. „Jetzt ist es geglückt - damit ist zum zweiten Mal ein Wunder geschehen.“

Die schicksalhafte Begegnung der beiden Soldaten ereignete sich 1918 in Nordfrankreich. Dort tobte die Schlacht um das Städtchen Le Quesnoy, das von den Deutschen besetzt war. Bis heute erinnert in dem 5000-Seelen-Ort ein Denkmal an die Befreiung durch die Neuseeländer. John Raymond Cullen lag dort mit seinem Maschinengewehrposten. Dieser geriet ins Feuer der deutschen Artillerie; er war der einzige Überlebende der sechsköpfigen Besatzung. Der versprengte Soldat versuchte, sich zu seiner Truppe durchzuschlagen, doch er wurde verwundet und verlor blutüberströmt das Bewusstsein.

So fand ihn eine Gruppe deutscher Soldaten, die sich wahrscheinlich selbst ergeben wollte. Unter ihnen war „H. Held“. „Er befahl den anderen, ihre Uniformjacken auszuziehen und eine provisorische Trage für meinen Urgroßvater zu bauen“, sagt Hayden Cullen. So trugen sie den Verwundeten zu seinen Kameraden, die ihn medizinisch versorgten.

Die Großnichte lebt bei Uelzen

Ehe der Deutsche in Gefangenschaft ging, steckte er dem Neuseeländer seine Geldbörse zu. Vielleicht wollte er, dass dieser sie nach Deutschland schickte, schließlich stand die Adresse „Eppensen Kr Uelzen b. Emmendorf“ auf der Börse. Doch John Raymond Cullen nahm sie mit auf die heimische Farm nach Neuseeland - und dort blieb sie fast ein Jahrhundert lang. „Ich wollte sie immer seinen Nachkommen zurückgeben“, sagt Hayden Cullen. Seit einiger Zeit sucht er auch mit Aufrufen im Internet nach Angehörigen von „H. Held“. Bislang ohne Erfolg.

Durch die HAZ erfuhr er jetzt, dass es noch Angehörige des deutschen Weltkriegssoldaten gibt. „Heinrich Held war der Bruder meiner Großmutter“, sagt Anja Rabe. Die 48-Jährige hat in alten Fotoalben und Familiendokumenten geblättert, als sie von Cullens Suche erfuhr. Sie selbst lebt in Barum bei Uelzen, nur zwei Kilometer vom damaligen Wohnort ihres Großonkels entfernt.

Dieser wurde 1898 in Eppensen geboren; er stammte aus einer Schneiderfamilie und war gerade 20 Jahre alt, als er in Le Quesnoy in Gefangenschaft geriet. „Er überlebte den Ersten Weltkrieg“, sagt seine Großnichte. „Sonst wissen wir kaum noch etwas über ihn.“ Das Auftauchen seines Portemonnaies ist ein ziemlich unverhoffter Gruß aus der Vergangenheit.

Der Soldat Heinrich Held aus Eppensen wäre heute vergessen, spurlos verschwunden, hätte er nicht an einem Novembertag im Jahr 1918 in einem barbarischen Krieg einem Neuseeländer das Leben gerettet, den er gar nicht kannte. Am anderen Ende der Welt erinnerten sich Menschen ein Jahrhundert lang dankbar an ihn.

„Es ist fantastisch, dass ich seine Familie jetzt gefunden habe“, sagt Cullen. „Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Rätsel sich nach fast 100 Jahren lösen würde.“ Er will nun Kontakt zu den Verwandten von Heinrich Held aufnehmen. Das Portemonnaie möchten diese allerdings nicht zurückhaben: „Es hat seit 100 Jahren seinen Platz in Neuseeland“, sagt Anja Rabe, „und dort darf es ruhig bleiben.“

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