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Der Norden Fanforscher lehnt Freigabe von Pyrotechnik ab
Nachrichten Der Norden Fanforscher lehnt Freigabe von Pyrotechnik ab
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20:20 17.08.2017
„Von einem Innenminister hätte ich eine besonnenere Haltung erwartet“: Feuerwerk im Stadion, wie hier beim Spiel Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig, soll laut Pistorius unter Bedingungen zulässig sein.Foto: dpa Quelle: Jochen Lübke
Hannover

Fast zeitgleich lodern die mehr als 20 Handfackeln auf. Ihr gleißend rotes Licht zeichnet einen 40 Meter langen Riss quer durch den Fanblock von Hannover 96 beim Spiel gegen Eintracht Braunschweig. Dichter Rauch zieht aus den 1000 Grad heißen Leuchtfackeln, mit denen die 96-Ultras ihre Mannschaft unterstützen wollen. Gleichzeitig gellen erboste Pfiffe durch das Stadion, mit denen andere 96-Fans gegen die illegalen Feuerwerkskörper protestieren.

Nicht alle Fußballfans lieben Pyrotechnik, manchen packt beim Anblick Halbstarker, die mit glühend heißen Brennstoffen in eng besetzten Stadionrängen herumfuchteln, das kalte Grausen. In der Politik teilte man diese Haltung, doch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hat mit seinem Vorschlag, Pyrotechnik unter strengen Auflagen zu erlauben, diese Front aufgebrochen. Neben massiver Kritik erfuhr der Minister dafür Donnerstag auch erste vorsichtige Unterstützung.

„Durch die Illegalität haben die Pyros erst ihren Reiz“, meint etwa Belit Onay, innenpolitischer Sprecher der Landtagsgrünen. Eine kontrollierte Inszenierung von Pyroeffekten, wie etwa bei einem Rockkonzert, würde den Fans eine Möglichkeit geben, die Brennstoffe wirkungsvoll einzusetzen, ohne jemanden in Gefahr zu bringen. Jens Nacke (CDU) hält die Idee dagegen für vollkommen falsch: „Pyrotechnik in Fußball-Stadien ist hochgefährlich und hat dort nichts verloren.“ Es sei vollkommen ­verantwortungslos, darüber nachzudenken, „Ultras eine Spielwiese in den Stadien einzurichten“, so Nacke.

Kritik von Fanforscher

Offener für den Vorschlag des Ministers zeigte sich Donnerstag der Sportchef des Bundesligisten Hannover 96, Horst Heldt: „Ich finde es mutig und auch erst mal richtig, das überhaupt zu einem öffentlichen Thema zu machen“, so Heldt. „Ob dann alles haltbar ist, wird sich zeigen.“

Der Fanforscher und Sportwissenschaftler Gunter Pilz hält Pistorius’ Idee dagegen für den falschen Weg: „Wir diskutieren jetzt das, was die Ultras bereits vor zehn Jahren gefordert haben.“ Und auch damals habe sich die Forderung nach kontrolliertem Pyroeinsatz als nicht umsetzbar herausgestellt. „Kontrolliertes Abbrennen ist nicht in allen Bundesliga-Stadien baulich möglich“, so Pilz. Es sei den Fans nicht zu vermitteln, dass in einem Stadion gefackelt werden dürfe, im nächsten wiederum nicht. Und dann sei da noch die ungeklärte Frage der Verantwortung: „Wer übernimmt die denn, wenn etwas passiert? Im Zweifel ist dann der Veranstalter haftbar“, warnt Pilz.

Der Forscher wundert sich über Pistorius’ Vorschlag. „Von einem Innenminister hätte ich da eine besonnenere Haltung erwartet“, sagt der Forscher. Wenn man den Fans ein Entgegenkommen signalisieren wolle, sollte man sich dafür einsetzen, dass Spieltage nicht auf bis zu fünf Kalendertage verteilt werden können. „Damit könnte man besser zeigen, dass man die Anliegen der Fans ernst nimmt.“

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