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Der Norden Größer, teurer, später: Die neue Friesenbrücke kommt erst 2024
Nachrichten Der Norden Größer, teurer, später: Die neue Friesenbrücke kommt erst 2024
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00:17 22.06.2018
Alles neu bis 2024: Ein Blick auf die bei einer Kollision zerstörte Friesenbrücke über die Ems. Quelle: dpa
Weener

Es wird die große Lösung. Kosten: 66 Millionen Euro. Zeit bis Fertigstellung: sechs Jahre. Die neue Friesenbrücke bei Weener wird die größte Drehbrücke Europas werden.

Es war am 3. Dezember 2015, um 18.03 Uhr, als ein Frachter die alte Klappbrücke rammte, die die Ostfrieslandregionen links und rechts der Ems verbunden hatte. Hier fuhren die Züge der Bahnlinie Leer-Groningen, hier konnten die Einheimischen mal eben über den Fluss, mit dem Rad oder zu Fuß. Damit ist es seit zweieinhalb Jahren vorbei. Der zerstörte Mittelteil der Brücke wurde entfernt, der Rest gesperrt.

Lange wurde nach der Kollision geprüft, ob sich der Schaden an der Friesenbrücke beheben ließe, Instandsetzungssummen um die 30 Millionen Euro schwirrten durch die Medien. Dann kam die Papenburger Meyer-Werft, die ihre Kreuzfahrtschiffe über die Ems in die Nordsee transportieren muss, und schlug einen Neubau vor. Am Ende sprachen sich das Land Niedersachsen und der Bund für die Variante mit den Superlativen aus. Durchfahrtsbreite für Schiffe: 56 Meter, wie beim Panamakanal. Länge des schwenkbaren Teils der Drehbrücke: 142 Meter. Wegbreite für Fußgänger und Radfahrer: 2,50 Meter. Fertigstellung: 2024.

Was das kostet? Frühere Schätzungen von rund 50 Millionen Euro für einen Neubau sind obsolet, Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis sagt, es seien „66 Millionen nach jetzigem Planungsstand“. Er dementiert die Summe von 80 Millionen, die zurzeit gerüchteweise kursiert.

Die 66 Millionen Euro zahlt der Bund. Die Ems ist eine Bundeswasserstraße, damit ist die Zuständigkeit geregelt – und dass die Meyer-Werft von dem Brückenbauvorhaben profitiert, gilt in solchen Fällen als zweitrangig. Die Urkunde über die Finanzierungsübernahme ist noch nicht unterschrieben, doch bei der Bahn hält man das für eine Formalie. Das Land hat fünf Millionen Euro bereitgestellt, damit die Planungen beginnen konnten. Die Versicherung des Frachters hat um die vier Millionen für den Schaden an der Brücke berappt. Das Unternehmen Meyer wird nichts beisteuern.

Die Bahn hat ihre Pläne am Montag in der Gemeinde Westoverledingen (rechts der Ems) vorgestellt. Es gab nicht nur Beifall: Anwohner fürchten Krach und Staub und weitere Verzögerungen – man könne doch immer noch die alte Klappbrücke wiederherstellen, hieß es. Aber daraus wird wohl nichts.

Von Bert Strebe