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Der Norden Wie konnte Niels H. mehr als 100 Menschen ermorden?
Nachrichten Der Norden Wie konnte Niels H. mehr als 100 Menschen ermorden?
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19:37 11.02.2018
Krankenpfleger Niels H. soll hundert Menschen in Delmenhorst und Oldenburg ermordert haben. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
Delmenhorst/Oldenburg

 Der Krankenpfleger Niels H. spritzt Patienten zu Tode. Es ist die wohl größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte. Schon früh gibt es Alarmzeichen. Wie kann es sein, dass ihn niemand stoppte? 

Wenn Christian Marbach das Grab seines ermordeten Großvaters besucht, kommt er ganz nah am Tatort vorbei. Nur fünf Minuten zu Fuß entfernt, zwischen den winterkahlen Bäumen weithin sichtbar, liegen die roten Backsteingebäude des Delmenhorster Krankenhauses. Ärzte und Pfleger kümmern sich um kranke Männer, Frauen und Kinder, geben Medikamente und retten Leben. Auch Marbachs 78-jähriger Großvater hoffte hier auf Hilfe - und wurde umgebracht. Von einem Mann, der ihn gesund pflegen sollte: von Niels H.. 

 Heute, 15 Jahre später, spricht der Enkel ruhig und offen über die erschütternden Details. Darüber, dass sein Großvater eines der Opfer in einer unfassbaren Mordserie ist. 

Mehr als 100 Patienten soll Niels H. getötet haben

 Der 47-Jährige arbeitet als Diplom-Kaufmann bei einer großen Bank. Im dunklen Anzug, den obersten Hemdknopf offen, kommt er zum Gespräch. Er ist ein Mann der Zahlen und Fakten. Doch man spürt, dass ihn die Geschichte weiter aufwühlt. Mehr als 100 Patienten soll Niels H., so sind die Ermittler sicher, als Krankenpfleger in rund fünf Jahren getötet haben: erst im nahen Oldenburg, dann in Delmenhorst. 

 Wegen des Todes von Marbachs Großvater und fünf anderen Patienten in der 82.000-Einwohner-Stadt stand H. bereits in zwei Verfahren vor Gericht. Er sitzt lebenslang im Gefängnis. Doch Christian Marbach bewegen noch viele Fragen. 

 Die Aufklärung der Mordserie kam nur zögerlich voran. Der größte Prozess, in dem es um 97 Tote geht, soll erst im Herbst starten. „Das eine ist der Mordprozess gegen den Täter. Das andere ist die Frage, wie kann das in einem Krankenhaus passieren?“, sagt Marbach. Während des Gesprächs lehnt er sich immer wieder nach vorne, die Kaffeetasse auf dem Tisch vor ihm bleibt fast unberührt. 

 Verdächtiger Tod kurz vor der Entlassung 

Der Enkel erinnert sich genau an jene Tage im Herbst 2003, die sein Vertrauen in die Justiz und ins Gesundheitssystem zerstören sollten. Wenn man ihm zuhört, wenn man die Aussagen früherer Kollegen Hs. und der Ermittler vor Gericht einbezieht, entsteht der Eindruck, dass manche in den Kliniken nicht gut hingeschaut haben. Es vielleicht auch nicht immer wollten. 

 Wegen einer Operation kam Marbachs Großvater ins Klinikum im niedersächsischen Delmenhorst unweit von Bremen. „Das war unser Krankenhaus“, berichtet Marbach. „Wir sind dort alle geboren.“ Ein kleines Haus, in dem sich viele zumindest vom Sehen kennen. Und in dem die Tante als Krankenschwester arbeitete. 

 Zwei Wochen später, der Operierte sollte bald entlassen werden, klingelte bei den Marbachs nachts das Telefon. Ein Pfleger musste den alten Mann wiederbeleben. Am Tag darauf wirkte der Patient verstört. „Er hatte massiv Angst. Er hat gespürt, dass jemand an ihm herummanipuliert“, erzählt Marbach. Doch die Familie deutete das falsch: Sie hielt es nicht für möglich, dass jemand im Krankenhaus Wehrlose tötet. „Das ist für uns heute sehr schwer zu verarbeiten.“ 

 Zwei Tage danach musste der Großvater erneut reanimiert werden. Diesmal scheiterte es. Die Familie ging von einem Behandlungsfehler aus. Heute wissen die Angehörigen: Niels H. spritzte dem alten Mann ein Medikament, das tödliche Nebenwirkungen hatte. Das machte er wieder und wieder, wahllos suchte er seine Opfer aus. Vor Gericht sagte der Ex-Pfleger später, dass er es aus Langeweile tat und um vor Kollegen mit seinen Wiederbelebungskünsten zu glänzen. 

 Im Jahr 2005 flog H. auf

 Obwohl Kollegen Verdacht schöpften, stoppte ihn lange niemand. Dabei lassen sich an beiden Arbeitsstellen, in Oldenburg und Delmenhorst, Hinweise finden. „Die Morde hätten verhindert werden können, wenn Verantwortliche früher reagiert hätten“, sagte Oldenburgs Polizeipräsident Johann Kühme im vergangenen August, als er die Ermittlungsergebnisse vorstellte. 

 Doch erst im Sommer 2005 flog H. auf: Eine Krankenschwester ertappte den Pfleger, als er einem Patienten eine Überdosis spritzte. Sogar da reagierten Vorgesetzte und Kollegen nicht sofort. Erst ein paar Tage später gingen sie zur Polizei. So konnte H. noch einen kranken Menschen töten, wie die Ermittler heute wissen. 

 Sechs Klinikmitarbeiter hat die Staatsanwaltschaft inzwischen wegen Tötung durch Unterlassen angeklagt. Zwei damalige Oberärzte und eine weitere Führungskraft in Delmenhorst müssen sich demnächst vor Gericht verantworten. Bei drei Pflegekräften ist noch offen, ob es zum Prozess kommt. 

 Einige Pflegerinnen stehen an diesem trüben Wintertag vor dem Delmenhorster Josef-Hospital. Ein Rettungswagen wartet auf einen Einsatz. Patienten rauchen wenige Schritte vom Haupteingang entfernt. Ein Krankenhaustag wie jeder andere. Zum Alltag zurückkehren - das fällt vielen Opferangehörigen angesichts ihrer offenen Fragen schwer. Doch Antworten werden sie hier nicht bekommen. 

Kliniken zogen Konsequenzen

 Der Geschäftsführer ist erst seit Anfang des Jahres im Haus. Auch der ärztliche Direktor Frank Starp kam erst nach der Mordserie an die Klinik. Er spricht von einem tragischen Einzelfall, aus dem das Josef-Hospital gelernt habe. Es hat ein sogenanntes Whistleblowing-System eingeführt: Mitarbeiter können darüber anonym Auffälligkeiten melden. Außerdem untersucht ein externer Rechtsmediziner alle Patienten, die in dem Krankenhaus sterben. 

 „Diese Maßnahmen haben vor allem abschreckenden Charakter und sind ein Sicherheitsnetz, durch das künftig sehr früh die Alarmglocken schrillen würden“, sagt Starp. Und sie sollen verlorenes Vertrauen wiederherstellen. Das Josef-Hospital steckt tief in den roten Zahlen, nicht nur, aber auch weil Patienten wegen der Morde wegbleiben. „Auch wenn die Vorgänge bereits mehr als zehn Jahre zurückliegen, haben die Taten unserem Ruf erheblichen Schaden zugefügt“, sagt Starp. 

 An dem Haus erinnert kein Gedenkstein, keine Tafel, an die Mordserie. Dafür muss man ein ganzes Stück fahren, in die Graft, einen Park zwischen Innenstadt und Krankenhaus. Nach längerer Suche lässt sich die Stelle finden. Etwas versteckt zwischen Spielplatz und Minigolfanlage stehen drei Bäume und ein kleines Schild mit der Aufschrift: „In Gedenken an all Diejenigen, die sich Niels H. anvertrauten und um ihr Leben betrogen wurden.“ 

 Es wirkt ein bisschen, als wolle man in Delmenhorst die Vergangenheit endlich ruhen lassen. „Die wiederkehrende Medienberichterstattung über den Fall ist natürlich eine emotionale Belastung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, meint Starp. „Sie bringen jeden Tag vollen Einsatz zum Wohl unser Patienten und haben dennoch häufig das Gefühl, dass sie wegen der kriminellen Taten eines Einzelnen unter Generalverdacht stehen.“ 

 Experten – Kontrollen haben versagt

Der Psychiater Karl H. Beine blickt aus einer anderen Perspektive auf den Fall. Er hat sich mit vielen Mordserien an Kliniken beschäftigt. Die von Niels H. hält er für international herausragend - nicht nur wegen der Opferzahl. „In den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst haben alle Kontrollmechanismen versagt. Dazu wurden die von Angehörigen gemeldeten Verdachtsfälle von der Justiz sehr schleppend bearbeitet“, sagt er. Die Opferfamilien mussten oft Jahre auf die Prozesse warten, ein Großteil wartet bis heute auf Gerechtigkeit. 

 Als die Polizei Niels H. im Sommer 2005 festnahm, sprach sich das am Krankenhaus schnell rum. Christian Marbachs Tante besorgte die Dienstpläne des Pflegers. Und ein schrecklicher Verdacht bestätigte sich. Er war im Einsatz, als der Großvater starb. 

 Die Marbachs informierten die Polizei. „Es wurde aber nichts untersucht. Das war eine Katastrophe für uns“, sagt Christian Marbach. Die Staatsanwaltschaft klagte H. in einem Fall an - nur für diesen musste er sich im ersten Prozess verantworten. Als eine andere Angehörige nicht locker ließ, ermittelte die Polizei weiter. 

 Jahre später kam es zum zweiten Verfahren, in dem es um den Tod von Marbachs Großvater und vier anderen Patienten ging. Dort zeigte sich schnell das Ausmaß der wohl größten Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Polizei gründete eine Sonderkommission. Diese öffnete mehr als 130 Gräber von ehemaligen Patienten. 

 Doch zahlreiche Leichen waren eingeäschert worden. Bei ihnen lassen sich die Tod bringenden Medikamente nicht nachweisen. Bei 97 Opfern haben die Ermittler genug Beweise gefunden für den nächsten Prozess. 

 Die Staatsanwaltschaft hatte zwischenzeitlich den damals zuständigen Oberstaatsanwalt angeklagt, weil er die Ermittlungen verschleppt haben soll. Zum Prozess kam es nicht, weil das Oberlandesgericht die Vorwürfe als nicht erwiesen ansah. Christian Marbach sagt dennoch: „Wir wurden von der Staatsanwaltschaft um die Wahrheit gebracht. Vieles ist nach so langer Zeit nicht mehr aufzuklären.“ 

 Frühe Alarmsignale 

Die Mordserie begann nach Ansicht der Ermittler im Februar 2000. Da soll Niels H. am Klinikum Oldenburg zum ersten Mal einen Patienten getötet haben. Auch dort ermittelt die Polizei gegen Mitarbeiter. Demnach gab es schon damals Hinweise darauf, dass ungewöhnlich viele Patienten während der Schichten von H. starben oder wiederbelebt werden mussten. Das Klinikum versetzte den Pfleger erst auf eine andere Station. Schließlich lobte sie ihn mit einem guten Zeugnis weg. Im neuen Job in Delmenhorst konnte er weiter morden. 

 Für den Experten Prof. Beine sind solche Abläufe Symptome eines kranken Systems, wie er es nennt. In Krankenhäusern sei der Arbeitsdruck so hoch, dass Ärzten die Zeit für Gespräche fehle. Schwestern hetzten von Patient zu Patient, auf Kollegen achten könnten sie nicht. Morde blieben leicht unerkannt. Zumal der Tod dort alltäglich ist. „Wenn dann Verdächtigungen da sind, ist es eindeutig so, dass Vorgesetzte beschwichtigen, dass verdeckt wird - bis dahin, dass der Betroffene versetzt oder abgefunden wird mit einem guten Arbeitszeugnis“, sagt Beine. Aus wirtschaftlichen Gründen. 

 Wieso die Verantwortlichen in Oldenburg damals nicht die Polizei einschalteten, kann der heutige Geschäftsführer des Klinikums nicht nachvollziehen. Wegen der laufenden Ermittlungen sagt Dirk Tenzer dazu nur: „Es gab Hinweise, keine hieb- und stichfesten Beweise. Auf diese hätte man anders reagieren können, vielleicht auch müssen.“ Er beauftragte, noch bevor die Sonderkommission der Polizei ihre Arbeit aufnahm, einen Gutachter, um verdächtige Fälle zu untersuchen. 

 „Die Motivlage, warum jemand so etwas macht, ist für uns wichtig, um daraus zu lernen“, sagt Tenzer. „Es gibt einige Kollegen im Haus, die sich noch heute fragen, ob sie etwas hätten erkennen können.“ 

 Auch in Oldenburg hat man ein Whistleblowing-System eingeführt und lässt kritische Fälle in Konferenzen besprechen. „Die Kultur in deutschen Krankenhäusern hat sich in den letzten 15 Jahren geändert“, erläutert Tenzer. „Wir sprechen im Klinikum Oldenburg heute offen über Fehler - und zwar vorwurfsfrei.“ 

 Rund 150 000 Patienten behandelt sein Haus im Jahr. Daran haben auch die Mordserie und die Ermittlungen gegen Mitarbeiter nichts geändert. Als Universitätsmedizin hat das Haus in der Region einen anderen Stellenwert als das kleinere Josef-Hospital in Delmenhorst. 

Opferfamilien bekommen Geld 

Wirtschaftlich spürt die Klinik die Folgen dennoch: „Wir haben einen Millionenschaden“, sagt Tenzer. Seit mehr als drei Jahren zahlt das Krankenhaus Entschädigungen an Familien der Opfer, auch wenn deren Tod noch nicht vor Gericht verhandelt wurde. „Die Angehörigen haben wieder angefangen zu trauern, das alleine ist schon schlimm genug. Wir wollen ihnen deshalb einen langwierigen juristischen Weg ersparen.“ 

 Die nächsten Monate dürften für viele Opferfamilien ohnehin schwierig werden. Der neue Prozess wird alte Wunden aufreißen. Am Strafmaß für Niels H. ändern wird er nichts. In Deutschland kann ein Täter nur einmal lebenslang erhalten. Trotzdem ist die Aufarbeitung vor Gericht wichtig: „Viele meiner Mandanten wollen, dass alles aufgeklärt wird, damit man daraus lernt“, sagt die Rechtsanwältin Gaby Lübben. Sie vertritt nach eigenen Angaben etwa 100 Angehörige. „Es soll Verantwortung übernommen werden, aber nicht nur von Niels H..“ 

 Das treibt auch Christian Marbach an. Gerechtigkeit vor Gericht ist seiner Familie schon widerfahren. Eine Entschädigung vom Delmenhorster Krankenhaus hat sie bekommen. Ein Trost war beides nicht. Marbach empfindet immer noch Wut auf den heute 41 Jahre alten Ex-Pfleger. Ihm im Prozess gegenüber zu sitzen, sei aber auch heilsam gewesen, sagt er. „Er hat jeglichen Schrecken verloren.“ 

 Eine Zeit lang hat Marbach dem Mörder seines Großvaters Briefe geschrieben. Um ihn zu einer Aussage vor Gericht zu motivieren. „Im Prozess gegen die Klinikmitarbeiter ist er Zeuge“, sagt er. „Er ist nicht der alleinige Schuldige in dem Fall.“ Irgendwann will Marbach ein Buch über die beispiellose Mordserie schreiben, das auch das Versagen in den Krankenhäusern und bei der Justiz aufarbeitet. „Ich will etwas bewegen, ich will, dass sich was ändert“, sagt er. Vielleicht kann er dann damit abschließen.

Interview: „Komplettes Systemversagen“

Über Jahre spritzte der Krankenpfleger Niels H. Patienten zu Tode. Dass besonders viele Kranke in seinen Schichten starben, fiel auch Kollegen auf. Folgen hatte das lange nicht. Der Psychiater Prof. Karl H. Beine hat fast 50 Mordserien in Krankenhäusern und Heimen untersucht. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erläutert er, wieso Morde an Patienten oft spät erkannt werden. Und er kritisiert ein „Systemversagen“. 

Psychiater Prof. Dr. med. Karl H. Beine Quelle: dpa

Niels H. soll mehr als 100 Patienten ermordet haben. Ist das ein herausragender Fall, wenn sich alles als wahr erweist?  

Ja, das ist er - in Deutschland, aber auch international. In keinem der mir bekannten Fälle ist eine derart hohe Zahl von Tötungen nachgewiesen worden. Herausragend ist er aber auch in der Hinsicht, dass ich ein so komplettes Systemversagen noch nicht erlebt habe. In den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst haben alle Kontrollmechanismen versagt. Dazu wurden die von Angehörigen gemeldeten Verdachtsfälle von der Justiz sehr schleppend bearbeitet. 

 Wieso konnte Niels H. so lange ungehindert morden? 

Für die Kollegen im Krankenhaus ist es unvorstellbar, dass jemand, mit dem sie jahrelang zusammengearbeitet haben, Patienten schädigt oder gar tötet. Außerdem ist der Arbeitsdruck in den Krankenhäusern so groß, dass das Personal nicht ausreichend Zeit für gewissenhafte Beobachtungen hat. Die Pflegekräfte können weder rechts noch links schauen, weil sie nur ihre Aufgabe schaffen wollen. Auch die Zeit für Gespräche mit Kollegen ist nicht da. Vorgesetzte erkennen dadurch nicht, wenn sich Mitarbeiter verändern. 

Heißt das, dass Morde im Krankenhaus schlichtweg übersehen werden? 

Es gibt Aufdeckungsbarrieren. Im Krankenhaus erwartet so etwas niemand von einem Kollegen. Man will es erstmal nicht glauben. Wenn dann Verdächtigungen da sind, ist es eindeutig so, dass Vorgesetzte beschwichtigen, dass verdeckt wird - bis dahin, dass der Betroffene versetzt oder abgefunden wird mit einem guten Arbeitszeugnis. Denn die Aufklärung und der offene Umgang mit Fehlern wird als Wettbewerbsnachteil gesehen. Es besteht die Sorge, dass die Patienten wegbleiben und dass das Haus in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. 

Gibt es Warnsignale, die darauf hindeuten, dass jemand Patienten töten könnte? 

 Die Täter sind häufig solche, die den Beruf ergriffen haben, um eigene Probleme zu bewältigen. Sie wollen ihr Selbstwertgefühl aufwerten, denn Pflege- und medizinische Berufe rangieren in der Werteskala sehr weit oben. Bei ihnen ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Mitarbeiter müssen erkennen, wenn ein Kollege sich verändert, wenn er zynisch wird, wenn er grob über Patienten spricht, diese beschimpft oder haut. Und dann muss man mit diesen Menschen reden. Mit allen Tätern inklusive Niels H. ist wahrscheinlich nicht offen und direkt gesprochen worden. 

Lassen sich Morde im Krankenhaus überhaupt vermeiden? 

Im Einzelfall lassen sich Patiententötungen nur schwerlich verhindern. Man kann aber verhindern, dass aus Einzeltaten Serien werden. Es muss ausreichend Personal da sein. In Schulungen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgeklärt werden, dass es Morde in Krankenhäusern gibt. Vorgesetzte und Kollegen müssen achtsamer miteinander umgehen. Gespräche und der Austausch untereinander dürfen nicht als Zeitverschwendung gelten, sondern als essenziell für die gute Behandlung von Patienten.

Von dpa

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