Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Der Norden Das ist der neue Schlossherr in Ahlden
Nachrichten Der Norden Das ist der neue Schlossherr in Ahlden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 13.09.2018
Der Schlossherr in seinem Reich: Zwischen Kunst und Antiquitäten empfängt Daniel Cremene seine Kunden. Quelle: Fotos: Rebecca Hürter (4)
Ahlden

Pfauenfedern ragen in den Raum hinein, Gemälde lehnen neben Bücherstapeln und Kerzenständern. Staub liegt im Schloss Ahlden in der Luft. Und mittendrin, zwischen Kunst und Antiquitäten, sitzt der neue Inhaber: Daniel Cremene, 35 Jahre alt, Schlossherr. Der Kunsthistoriker hat das Schloss und Auktionshaus in Ahlden bei Celle gekauft. Sein silbergraues Sakko und der rote Schlips leuchten zwischen der Kunst hervor, die in Cremenes Besprechungsraum lagert. Hier trifft er sich mit seinen Kunden – Privatleuten, Händlern, Kunstliebhabern. Sie bringen ihre Sammlungen mit. Einige der Stücke schaffen es in die nächste Kunstauktion.

Penthouse oder Schloss?

Als Schlossherr tritt Cremene in prominente Fußstapfen. Prinzessin Sophie Dorothea lebte ab 1694 bis zu ihrem Tode 32 Jahre später in dem Fachwerkgemäuer. Sie wurde hierher verbannt, nachdem sie sich trotz ihrer Ehe mit dem späteren König von England, Georg I., auf eine Affäre mit dem Grafen Königsmarck eingelassen hatte. „Sie ist mir nachts noch nicht begegnet“, scherzt Cremene. „Aber wer weiß, ob das nicht noch passiert.“

So unglücklich Sophie Dorothea in dem Schloss in der Lüneburger Heide war, so glücklich ist es der Kunsthistoriker heute. Das ist ihm anzusehen, trotz seiner meist konzentrierten Miene. Jeder Satz ist wohl überlegt. „Für mich persönlich habe ich entschieden: Schloss Ahlden ist ein Ort, an dem Wünsche in Erfüllung gehen.“ Noch arbeitet Cremene nur in dem Schloss. Bald zieht er gemeinsam mit seiner Frau Magdalena Schmuck-Cremene auch ein. „Für mich war es schon immer ein Traum, so ein altes Gebäude zu haben.“ Damit sei er auf dem Kunstmarkt längst nicht allein: „Die einen haben Schlösser, die anderen ein Penthouse in New York“, sagt Cremene, ohne dabei überheblich zu wirken. Er ist dankbar für die Möglichkeit, die sich ihm in Ahlden bietet. Cremenes Frau ist ebenfalls Kunsthistorikerin und unterstützt ihn bei der Arbeit im Auktionshaus. Auf dem Schlossgelände ist das Paar in Zukunft nicht nur zu zweit. Es muss sich um eine Katze und vier Heidschnucken kümmern. „Die waren auch mit dabei“, sagt Cremene.

Er sitzt in einem alten Sessel, schlägt die Beine übereinander, verschränkt die Hände auf dem Schoß. Ähnlich wie in seinem Besprechungsraum will er sich auch in der Einrichtung seines neuen Wohnraums nicht auf einen Stil festlegen. Unter Kunstliebhabern werde es immer beliebter, Stile miteinander zu mixen, um der Einrichtung eine persönliche Note zu geben. „Wie ein Enzyklopädist“, sagt Cremene. Er ist ein Sammler, immer neugierig darauf, Neues zu entdecken.

Von der IT zur Kunst

In Ahlden will Cremene vieles so machen wie seine Vorgänger, und manches anders. Karin und Florian Seidel, die das Schloss in den Siebzigerjahren zum Auktionshaus gemacht hatten und ihre Arbeit jetzt aus Altersgründen beenden, haben sich nicht auf eine Kunstepoche oder eine Sparte festgelegt. Schmuck, Porzellan, Gemälde, Möbel und Skulpturen aus aller Welt werden weiterhin in drei Auktionen im Jahr versteigert. Daneben will Cremene die Bereiche Zeitgenössische Kunst und Design stärken. Er steht neuen Entwicklungen offen gegenüber. Manche Auktionshäuser haben mittlerweile Mangas und Comics im Angebot. Das schließt Cremene auch für Ahlden nicht aus. Zusätzlich zu den Auktionen will er zudem ein Onlineangebot aufbauen und auf neuen Wegen Kunden gewinnen. „Für mich ist Instagram was ganz normales – ich habe jetzt schon 1000 Follower“, sagt Cremene. „Da erreicht man ein ganz anderes Publikum.“

Die Kunst, das sei schon immer sein Leben gewesen, sagt Cremene und spielt an dem dicken goldenen Ring an seinem Finger. Seit 18 Jahren ist er im Kunstmarkt tätig. „Das ist für mein Alter doch eine gute Zeit.“ Als Abiturient jobbte er bei einem Antiquitätenhändler in seiner Heimatstadt Stuttgart: Er sollte IT-Probleme lösen und entdeckte die Kunst für sich. In Würzburg, München und Paris studierte er deshalb Kunstgeschichte und BWL. Nach dem Studium versuchte er sich als Wissenschaftler, doch das war nicht das Richtige. „Wenn man wissenschaftlich tätig ist, ist das vor allem ein Dialog mit dem Papier“, sagt Cremene. „Mir macht es aber wahnsinnig viel Spaß, etwas mit Menschen zu machen.“

2014 kam er zum ersten Mal nach Ahlden, als Assistent der Geschäftsführung. Danach arbeitete er als Kunsthändler, blieb dem Schloss aber als Versteigerer treu. Als Karin und Florian Seidel ihm ihr Lebenswerk zum Verkauf anboten, zögerte Cremene nicht lange: „Das ist eine einmalige Chance, die man im Leben bekommt“.

Was ihn das Schloss gekostet hat, will er nicht verraten. „Das sind große Verpflichtungen, das steht fest.“ Cremene und seiner Frau ist die Geschichte ihres neuen Zuhauses wichtig. Zu Sophie Dorotheas Zeit hatte das Schloss vier Gebäudeflügel, heute sind es nur noch drei. Cremene denkt daran, den vierten wieder aufzubauen – in Gedenken an die Prinzessin von Ahlden.

Barockfest erinnert am Wochenende an Sophie Dorothea

Ahlden feiert am Wochenende seine Prinzessin mit Lesungen, Musik und einem Handwerkermarkt. Auch Gaukler sind unterwegs, und die Besucher können mit einem Planwagen fahren.

Das barocke Fest beginnt am Sonnabend um 18.30 Uhr im Gemeindehaus des 1500-Einwohner-Ortes im Heidekreis mit einer Einführung in das Leben und die Zeit der Prinzessin Sophie Dorothea – unter anderem mit Volksliedern, Theaterszenen und einer Kunstausstellung.

Der Handwerkermarktbeginnt am Sonntag um 11.30 Uhr. Programm gibt es auch in der Kirche Ahlden: Von 12.30 Uhr an spielt das Trio la festa musicale Werke aus der Zeit des Barock, von 15.45 Uhr an liest der Autor Heinrich Thies aus seinem Buch „Die verbannte Prinzessin“.

Daniel Cremene und seine Frau sind bei dem Fest mit einem Infostand dabei. Zudem ist das Schloss am Sonnabend von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Kunstwerke, die bei der letzten Auktion nicht versteigert wurden, werden zum Verkauf angeboten.

Von Rebecca Hürter

Ein 31 Jahre alter Mann hat am Mittwoch in Hessisch Oldendorf (Kreis Hameln-Pyrmont) einen schweren Unfall vorgetäuscht. Als ihn die Polizei vernehmen wollte, kam er den Beamten quietschfidel zu Fuß entgegen.

13.09.2018

Ein ehemaliger Wachmann hat vor dem Landgericht Göttingen zugegeben, einen Zehnjährigen sexuell missbraucht zu haben. Dennoch hat das Gericht die Haftstrafe auf Bewährung ausgesetzt – und ist damit der Forderung der Staatsanwaltschaft nachgekommen.

13.09.2018
Der Norden Lies und Otte-Kinast spielen Streit herunter - Minister geloben Besserung

Viel Lärm um die Zukunft der Walkdschnepfe? Im Landtag legten Niedersachsens Umweltmiister und die Agrarministerin ihren Streit bei.

13.09.2018