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Der Norden Celle und Heidekreis sehen keine Flutgefahr
Nachrichten Der Norden Celle und Heidekreis sehen keine Flutgefahr
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07:40 31.07.2017
Die Wassermassen aus Leine und Oker bewegen sich Richtung Norden. Quelle: dpa
  • Die langanhaltenden Regenfälle haben zahlreiche Flüsse wie Innerste und Leine stark anschwellen lassen
  • Lage in Braunschweig, Hildesheim und Goslar allmählich entspannt; Aufräumarbeiten beginnen
  • Wasser fließt Richtung Norden - Celle und Heidekreis rechnen jedoch nicht mit allzu hohen Pegelständen

Pegel in Neustadt fällt wieder

Am Freitagabend hatte das Hochwasser in Hannover mit 5,80 seinen Scheitelpunkt erreicht. "Der Wasserstand wird an beiden Pegeln allerdings noch auf hohen Niveau bleiben und nur langsam sinken", sagt Achim Scholz vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Die Flutwelle bewegt sich momentan in Richtung Norden, wo etwa Neustadt akut betroffen ist. Dort stieg der Pegel zu Beginn des Wochenendes weiter an - stagnierte dann aber am Sonntagmorgen bei 5,67 Metern, bevor er im Verlauf des Tages dann wieder langsam zu sinken begann. Montagmorgen lag er bei 5,23 Metern. Große Flächen Wiesen- und Ackerlandes beiderseits der Leine zwischen Neustadt und Schwarmstedt sind überflutet.

Entwarnung für Celle und Heidekreis

Die Behörden sowohl in Celle als auch im Heidekreis rechneten – entgegen vorheriger Befürchtungen – am Sonntagnachmittag nicht mehr damit, dass Flüsse deutlich über die Ufer treten könnten. An den meisten Messstellen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden sinkende Pegelstände registriert. „Wir haben hier kein Hochwasser“, hieß es aus der Rettungsleitstelle in Celle. Auch im Heidekreis wurde die Hochwasserlage am Nachmittag als unkritisch bewertet. In Celle erreichte der Pegel am Montagmorgen die Marke von 3,95 Metern – und lag damit noch unterhalb der Marke der dritten Warnstufe.

Auch im Heidekreis hat sich die Lage in der Nacht zu Montag weiter entspannt. Für die Nacht hatte die Feuerwehr zwar hohes Wasser erwartet, aber nicht mit einer kritischen Lage gerechnet. Am Montagmorgen gab Sprecher Jens Führer Entwarnung. Es habe keine Einsätze in der Nacht gegeben. Auch in der Region Bad Fallingbostel blieben Hochwasser-Einsätze einem Polizeisprecher zufolge aus.

Lage in Südniedersachsen entspannt sich 

Am Freitag und Sonnabend sind die Pegelstände in Innerste, Grane und Rhume stark gesunken. Die Flüsse kommen aus dem Harz und haben unter anderem in Hildesheim für Hochwasser gesorgt. Allerdings dürfe es laut NLWKN nicht erneut regnen. "Die Böden sind wie versiegelt. Egal, wo es regnet - der Niederschlag würde direkt wieder in die Flüsse fließen", sagt Scholz.

Innenstadt von Wolfenbüttel teilweise unter Wasser

In der stark betroffenen Kleinstadt Wolfenbüttel bei Braunschweig liefen die Aufräumarbeiten am Sonntag auf Hochtouren. Fast alle Bewohner seien wieder in ihre Häuser zurückgekehrt und hätten in Abstimmung mit der Stadt damit begonnen, Sperrmüll an die Straße zu stellen, teilte die Stadtverwaltung mit. Einsatzkräfte unter anderem vom Technischen Hilfswerk und von der Feuerwehr waren dabei, Kellerräume leer zu pumpen. Auch ein Gymnasium in einem historischen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert ist stark betroffen. Bürgermeister Thomas Pink dankte erneut allen amtlichen und ehrenamtlichen Hilfskräften für ihren tagelangen Einsatz. „Ohne dieses Engagement wäre in Wolfenbüttel sicherlich ein noch höherer Schaden entstanden“, hieß es.

Das Hochwasser hatte hier auf dem Weg in den Norden vollgelaufene Keller und verschlammte Straßen hinterlassen. Der Pegel der Oker sank bereits am Samstag leicht ab; der hohe Wasserstand des Flusses werde aber noch einige Zeit bestehen bleiben. Es hatte Probleme mit der Stromversorgung gegeben, einige Häuser mussten evakuiert werden.

Einsatzkräfte in Wolfenbüttel klagen über Hochwasser-Gaffer

Feuerwehrleute und Helfer klagten beim Hochwasser in Wolfenbüttel über Behinderungen durch Schaulustige. „Wir kriegen hier jetzt zusehends eine Gafferproblematik“, sagte Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink am Freitag. Eine Feuerwehrfrau habe ihm berichtet, sie sei beinahe von einem Auto überfahren worden. Auch andere Helfer seien behindert worden. Er kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen Gaffer an. „Wir würden jetzt auch nicht mehr lange fackeln und den Leuten mit Platzverweisen kommen“, sagte Pink. Seit Mai gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten wollen. Darauf stehen Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.

Millionenschaden an Hildesheimer Uni

Auch Hildesheim konnte schon vor Beginn des Wochenendes Entwarnung geben. Der Wasserstand der Innerste falle weiter, meldete die Stadt am Freitagnachmittag. Im Verlauf des Wochenendes sollen wegen Überflutung gesperrte Straßen wieder freigegeben werden können.

Insbesondere einige kleinere Orte wie Klein- und Groß Düngen sowie Höckeln waren im Landkreis Hildesheim massiv vom Hochwasser betroffen. Diese waren am Donnerstag stundenlang von der Außenwelt abgeschnitten.

Während sich die Lage in vielen Teilen Niedersachsens nach dem Hochwasser langsam entspannt, bangt Hildesheim um die durchweichten Dämme. Zwar fallen die Pegelstände, allerdings nicht so schnell wie erwartet.

Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) hatte ihren Urlaub abgebrochen, um in Hildesheim die Domäne Marienburg zu besuchen. Dort wurden an der Universität Hildesheim der Kulturcampus mit wissenschaftlichen Instituten auf der denkmalgeschützten Burganlage geflutet. Der Schaden soll im siebenstelligen Bereich liegen.

Braunschweig kommt glimpflich davon

Auch in Braunschweig beruhigte sich die Lage am Freitaag. Die in Braunschweig beobachteten Pegelstände der Flüsse Schunter und Mittelriede fielen, die der Oker blieben konstant.

„Wir sind glimpflich davongekommen, im Gegensatz zu unserer Nachbarstadt Wolfenbüttel“, teilte Michael Hanne, Leiter der Feuerwehr Braunschweig, mit. Der Wasserstand werde über das Wochenende hoch bleiben, jedoch erwarte die Feuerwehr keine größeren Probleme.

Weil kündigt „unbürokratische Soforthilfe“ an

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat den Opfern des Hochwassers „unbürokratische Soforthilfe“ zugesichert. „Wir sind da guten Willens, aber wir können natürlich auch keine Blankoschecks ausstellen“, sagte der SPD-Politiker am Freitag. „Das heißt, wir müssen darüber reden: wie viel, zu welchen Bedingungen, wofür.“ Einen finanziellen Rahmen nannte der Regierungschef allerdings nicht. „Kurzfristig wird nach Möglichkeiten gesucht, unmittelbar Geschädigten eine finanzielle Soforthilfe zu zahlen“, hieß es in einer Mitteilung.

Goslar ruft zeitweise Katastrophenalarm aus

Im Landkreis Goslar liefen bereits am Freitagmorgen die Aufräumarbeiten an. Wegen der massiven Überschwemmungen hatte der Landkreis von Mittwoch bis Donnerstagfrüh den Katastrophenalarm ausgerufen. Damit übernahm der Katastrophenschutzstab des Landkreises die Koordination aller Einsätze. Im Landkreis waren nach Behördenangaben insgesamt 1500 Feuerwehrleute wegen der massiven Überflutungen im Einsatz. Weil sich die Lage entspannte, wurde der Katastrophenalarm dann in der Nacht zu Donnerstag aufgehoben.

„Eine solch dramatische Hochwasserlage hat die Stadt Goslar seit 70, 80 Jahren nicht erlebt“, sagte Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk am Mittwochabend. Zahlreiche Menschen sehen sich durch die Schäden in ihrer Existenz bedroht. Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk hatte am Mittwoch von Kosten in Millionenhöhe für Sanierung und Renovierung gesprochen.

Äußerst angespannt war die Lage zeitweise auch in der Stadt Goslar selbst. Dort wurde die Innenstadt gesperrt, braune Wassermassen bahnten sich dort den Weg durch die Straßen. Das Hotel Kaiserworth, die Seniorenresidenz Theresienhof mit 124 Bewohnern sowie einige weitere Häuser mussten evakuiert werden, weil dort Wasser ins Erdgeschoss gedrungen war. Die Wasserfluten strömten über den Marktplatz. Viele Schaulustige kamen, um die Wassermassen zu fotografieren.

dpa/kad/sbü/jos

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