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Der Norden Lathen will größte Osternest der Welt bauen
Nachrichten Der Norden Lathen will größte Osternest der Welt bauen
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00:37 02.04.2018
Hat das Lathener Osternest gestaltet: Alfons Cordes, Chef des Bauhofs des Ortes. Quelle: Foto: Villegas
Lathen

 Wir müssen gar nicht drumherumreden: Es sieht schlecht aus. Sagt der Wetterbericht. Temperaturen bis maximal 8 Grad, Regen. Der Freitag war nett, aber die nächsten Tage wird die Sonne nur widerwillig durch die Wolken linsen. Schöne Ostern.

Alfons Cordes lässt die Hoffnung trotzdem nicht fahren. „Wenn’s was wird, wird’s auch gut“, sagt er. Beinahe beschwörend. „10 Grad – und wir haben den Höhepunkt, von der Blüte her.“ Er lächelt, was er offenbar gern tut, es sei denn, jemand richtet eine Kamera auf ihn. Fotografiertwerden mag er nicht, man solle doch bitteschön die Blumen ablichten.

Die Blumen finden sich in dem ausladenden Rondell aus Strohballen, Buchsbäumen, Osterglocken, Stiefmütterchen, Hornveilchen und Bellis (vulgo: Gänseblümchen) vor dem Eingang zum Rathaus von Lathen im Emsland. Cordes selbst hat die Fläche mit 18 Metern Durchmesser entworfen und aufgebaut, zusammen mit seinen Mannen: Cordes ist der Bauhofchef von Lathen. Er hat sich sich überlegt, wie man aus lauter Osterglocken beispielsweise einen Osterhasen formt, einfach so, aus dem Kopf, ohne Zeichnung, und dann hat er den Brunnen, der sonst vor dem Eingang zum Rathaus von Lathen steht, abgebaut und mit dem Aufschütten von  34 Kubikmetern 1-A-Kompost und dem Setzen von 7000 Pflanzen begonnen. 

In die Mitte haben Cordes Mannen drei überdimensionale Ostereier auf Sockel gestellt, angemalt von Lathener Kindern, allerliebste Schmetterlinge und Keith-Haring-Männchen und die Lathener Emsbrücke und das Lathener Wappen. Was Kinder eben so malen.

50000 Gäste fehlen

Und jetzt liegt es da: Das größte Osternest der Welt. Vielleicht.

Ausgedacht hat sich das Projekt die Lathener Marketing- und Tourismusgenossenschaft. 2013 wurde sie gegründet, von den örtlichen Gewerbetreibenden, seit 2016 ist Matthias Gehrs als Geschäftsführer an Bord. Die Genossenschaft kürzt sich selbst „MuT“ ab, und Mut braucht man im 6000-Einwohner-Ort Lathen, trotz der stabilen Finanzen und des schier unerschütterlichen emsländischen Selbstbewusstseins. 2006 verschwand der Ort von eben auf jetzt von der Landkarte mit den deutschen Attraktionen, nachdem sich auf der Magnetschwebebahn-Teststrecke neben der Bundesstraße 70 ein schlimmer Unfall ereignet hatte. Ein Versuchsfahrzeug war auf einen Werkstattwagen aufgefahren, 23 Tote. Deswegen sei der Magnetbahnbetrieb gar nicht eingestellt worden, wird überall in Lathener erzählt, und das stimmt auch. Aber es fanden keine Fahrten für Touristen mehr statt, und bald danach war ganz Schluss, es lief also aufs Gleiche raus: 50000 Gäste pro Jahr weg, einfach so. Lathen hat tolle Radwanderwege und Reiterhöfe, aber man merke den Einbruch, sagt Gehrs.

Deswegen will Lathen mehr tun für den Tourismus, und weil der Ostermarkt anstand, setzte sich der Marketing-Geschäftsführer hin und googelte, was Ostern so los ist in der Welt, stieß auf große Osternester, plante sein eigenes, googelte noch mal und stieß auf Lauingen in Bayern mit dem größten Osternest. Können wir auch, dachte sich Gehrs. Können wir besser. Und rief bei Bauhofchef Cordes an.

Lauingen im schwäbischen Donautal baut seit Jahren sein Nest zu Ostern auf dem Markt auf. Anton Grotz vom örtlichen Kulturmarkt-Verein referiert die Fakten: 16 Meter Durchmesser, 200 Quadratmeter Fläche. Fünf Rieseneier, 250 Kilo schwer, und sage und schreibe 43000 kleine Eier.  

 Echte Eier? „Kunststoff“, gibt Grotz zu. „Aber bunt.“

Gehrs hat auch über Eier nachgedacht. 15000 hätte man schon hingekriegt, sogar echte, man lebt ja in einer Geflügelwirtschaftsregion, aber Eierfärbemaschinen sind teuer. Und Kunststoffeier sind es auch. Das mit den 7000 Pflanzen hingegen, das war in vier Tagen zu wuppen. Gehrs nimmt dreimal das Wort „Nachhaltigkeit“ in den Mund, und jedes Mal betont er es, als wollte er sagen: Die da unten mit ihrem Plastikkram. 

In Bayern sagen sie: Die da oben mit ihrem Blumenbeet. Das sei ja gar kein richtiges Osternest, grantelt Anton Grotz.

Exakt 254,919 Quadratmeter

Und wenn man es ganz genau nimmt, dann könnte er damit, nun ja: vielleicht ein bisschen recht haben? Ein ganz kleines bisschen?

Das mit der Konkurrenz um das größte Nest aber nehme man sportlich, sagt Grotz, alles ein großer Spaß, haha. Um dann doch eine Spur gallig darauf hinzuweisen, das Rekord-Institut in Hamburg erkenne Lauingen an, nicht Lathen

Gehrs interessiert sich nicht für Hamburger Institute, er hat sich an die Redaktion des Guiness-Buchs der Rekorde gewandt. Die Herren aus London sind zwar nicht nach Lathen gekommen, aber Gehrs hat das Oster(glocken)nest mit GPS-Technik vermessen lassen, exakt 254,919 Quadratmeter, und die Daten eingereicht. Jetzt hofft er auf positive Rückmeldung.

Und da liegt es nun, das (vielleicht) größte Osternest der Welt. Zum Ostermarkt Mitte März kamen 3000 Besucher, in den Tagen vor Ostern schlappten nur ab und zu ein paar Einheimische durch den Sprühregen. Bis Ende April soll es liegen bleiben. Danach werden die Pflanzen umgepflanzt. Nachhaltigkeit.

Aber was Ostern selbst und das Wetter angeht: Alfons Cordes gibt die Hoffnung nicht auf.

Lichtgöttin, Morgenröte, Auferstehung

Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi. Es liegt zeitlich beim jüdischen Passah-Fest, den Feiern zum Ende der Sklaverei der Juden. Der Begriff Ostern könnte auf den altgermanischen Begriff „Austro“ für Morgenröte zurückgehen, vielleicht aber auch auf eine angelsächsische Lichtgöttin namens „Ostara“ – genau geklärt ist das nicht.

Der Brauch, Eier bunt anzumalen und für die Kinder zu Ostern zu verstecken und ihnen zu erzählen, das habe der Osterhase für sie gemacht, hat eine lange christliche Tradition. Die bunten Eier kamen über Armenien und Russland nach Deutschland. Sie gelten, wie auch der Hase, als Auferstehungssymbol.

Norddeutschland und vor allem Ostfriesland ist reich an verschiedenen Osterbräuchen. So rollt man in Leer am Ostermontag Eier einen Hügel hinunter und hofft, dass sie möglichst unbeschadet unten ankommen. Beim „Eiersmieten“ („Eierschmeißen“) steckt man Eier in einen Strumpf und wirft sie möglichst weit. Auch mit Nüssen wird Ostersport betrieben, beim „Nötenscheten“: Wie beim Boccia versucht man mittels Metallkugeln, Nüsse aus einem Kreis herauszuschießen.

Osterküken kann man in Braunschweig in Landesmuseum bestaunen, sie schlüpfen vermutlich am Montag. Das ist eine junge Tradition, erst 22 Jahre alt.

Sehr viel älter ist das „Osterlachen“, das es schon im 14. Jahrhundert gab, vor allem in Bayern: Der Pastor erzählt Vergnügliches auf der Kanzel. Das sollte der Freude über die Auferstehung Ausdruck geben. In Bremen wird es derzeit wiederbelebt: In der Alt-Hastedter Evangelische Kirchengemeinde erzählt Pastor Jörg Mosig in der Predigt Witze./str

Von Bert Strebe

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