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Der Norden Christliche Kirchen verlieren weiterhin Mitglieder
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20:41 21.07.2017
„Den Trend der demografischen Entwicklung können wir nicht umkehren“: Die Evangelische Landeskirche Hannover schrumpfte im vergangenen Jahr um 46 000 Mitglieder.  Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Es werden immer weniger. Acht Konfirmandengruppen hat Walter Merz, stellvertretender Superintendent aus St. Andreasberg, vor einigen Jahren noch betreuen lassen - von acht Pastoren. Heute sind es zwei Gruppen, geleitet von zwei Geistlichen. Kleinere Gemeinden müssen oft ganz ohne Pastor auskommen. Und auch im Harz übernehmen ehrenamtliche Laien sogar Gottesdienste in Eigenregie. Dennoch blickt der Pastor entschlossen nach vorne. „Wir dürfen uns nicht mit dem Kleinerwerden aufhalten, sondern müssen Mut machen“, sagt Merz, und verweist auf eine andere Zahl. „In sieben Jahren musste ich nur zwei Austritte entgegennehmen“, berichtet er stolz. Gegen den demografischen Wandel kommt er dennoch nicht an. „Im Harz ist es schwer, alle Beerdigungen zu bewältigen“, sagt Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch.

Harz besonders betroffen

In der  vorgestellten Jahresbilanz der Evangelischen Landeskirche Hannover taucht der Kirchenkreis Harzer Land als einer der am stärksten vom Mitgliederschwund betroffenen Bereiche in Niedersachsen auf. Doch auch landesweit sinkt die Zahl der Mitglieder. Bei der Landeskirche Hannover, der mit 2,63 Millionen Mitgliedern bundesweit größten evangelischen Landeskirche, betrug der Rückgang im vergangenen Jahr - die Todesfälle eingerechnet - insgesamt 1,75 Prozent. Das entspricht rund 46 000 Menschen.

Bei den Austritten allerdings verweist die Kirche auf einen positiven Trend: Sie sanken im Vergleich zum Vorjahr um 17,8 Prozent. Verließen im Jahr 2015 insgesamt 24 486 Menschen die Landeskirche, waren es im vergangenen Jahr 20 136 Austritte. 3136 Menschen sind wieder in die Kirche eingetreten. Landesweit liegt die Zahl der Taufen über dem Niveau der Austritte.

Dennoch: Perspektivisch rechnet die Landeskirche bis zum Jahr 2030 sogar mit einem Schrumpfen der Mitgliederzahlen um etwa 20 Prozent. „Den Trend, dass wir durch die demografische Entwicklung in einer pluralen Gesellschaft weniger Kirchenmitglieder haben werden, können wir nicht umkehren“, konstatiert Stephanie Springer, die Präsidentin des Landeskirchenamts in Hannover.

Das katholische Bistum Hildesheim, zu dem auch Teile Bremens gehören, meldete rund 610 000 Mitglieder, das sind rund 800 weniger als im Jahr zuvor. Die Austritte gingen aber auch hier zurück: Rund 5 500 Menschen kehrten dem Bistum den Rücken, das sind etwa 500 weniger als im Vorjahr. Im Bistum Osnabrück gab es im vergangenen Jahr mehr als 558 000 Mitglieder, das ist ein Rückgang um 5 000 gegenüber 2015.

Nachgefragt bei Thomas Kersten, evangelisch-lutherischer Pastor in Nordhorn

Herr Kersten, Ihre Gemeinde in Nordhorn in der Grafschaft Bentheim teilt sich seit acht Jahren eine Kirche mit der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Gemeinde. Wie ist es dazu gekommen?

Im Vorort Klausheide gab es damals zwei Kirchen – die große katholische und die kleine Kirche, die von den beiden evangelischen Gemeinden im Wechsel genutzt wurde. Weil es in der katholischen Gemeinde immer weniger Gemeindemitglieder gab, fiel schließlich der Entschluss, die katholische Kirche zu entwidmen. Der Pfarrer hat sich dann Gedanken gemacht, wie das Glaubensleben im Dorf trotzdem erhalten bleiben könnte. Er kam dann auf uns zu.

Wie funktioniert die Kooperation praktisch im Alltag?

Jede Konfession hat einmal im Monat die Chance, in ihrer Liturgie und Tradition Gottesdienste zu feiern. Die Reformierten fangen jeweils am ersten Sonntag des Monats an, am zweiten Sonntag ist römisch-katholische Eucharistiefeier, am dritten Sonntag ist lutherischer Gottesdienst mit Abendmahl.Am vierten Sonntag haben wir immer einen gemeinsamen Wortgottesdienst.

Gab es auch Probleme?

Ein wichtiger Punkt war, dass wir uns als Pastoren der drei Konfessionen öfter getroffen und persönlich gut verstanden haben. Wir verschickten anfangs ein Schreiben mit Begründungen für unsere Entscheidung, und es gab einen Tag der offenen Tür in der Kirche. Trotzdem gab es Irritationen – zum Beispiel war in der evangelischen Kirche kein Weihwasserbecken vorhanden, was für Katholiken selbstverständlich ist. Das wurde aber dann angebracht. In der Michaeliskirche gibt es auch ein Kreuz, was vielleicht dem ein oder anderen Reformierten ungewöhnlich erscheint.

Was raten Sie anderen Gemeinden, die an einer ähnlichen Lösung interessiert sind?

Wichtig ist, dass man die Gemeinsamkeiten der Konfessionen lebt. Unsere Kirche ist aus meiner Sicht ein kleiner Leuchtturm und Hoffnungsschimmer, dass die Konfessionen mehr verbindet als trennt.     

Kristina Wienand

Reform mit Comics

In Buxtehude hat Pastor Matthias Schicht unterdessen seinen eigenen Weg gefunden, mit den Problemen umzugehen. Mit Comics, Stockbrot und Hausbesuchen hat er sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Weg gemacht, um der Gemeinde neues Leben einzuhauchen. „Leben stärken, Glauben fördern“, nennt sich sein Projekt.

Was sich nach trockener Kirchenrethorik anhört, ist in der Praxis durchaus innovativ. Wer in Buxtehude älter als 75 Jahre alt ist und Mitglied der Gemeinde ist, bekommt einmal im Jahr Besuch vom Pastor oder seinen Mitstreitern. „Da staunen die Leute, wenn plötzlich jemand ganz persönlich vor der Tür steht“, sagt Schicht. 1300 Hausbesuche macht das im Jahr in der 7000-Mitglieder-Gemeinde. „Glauben ist Begegnung“ lautet Schichts Motto.

Damit Täuflinge nicht erst zur Konfirmation wieder Kontakt suchen, bekommen die jungen Protestanten in Buxtehude jedes Jahr Post von der Gemeinde. „Das sind erst Comics und später Einladungen zu Aktionen, die wir für die Kinder und Jugendlichen organisieren“, erklärt Schicht.

In ganz Niedersachsen erweist sich das christliche Ritual der Taufe als ein Joker. „Die Taufe ist als Familienereignis sehr beliebt“, stellt Landeskirchenamtspräsidentin Stephanie Springer fest. „Ein kluger Gärtner kümmert sich auch um die jungen Pflanzen“, sagt Oberlandeskirchenrat Mainusch.

Personal wird abgebaut

„Langsam und sozialverträglich“ will die Landeskirche Hannover in den kommenden Jahren weiter Personal abbauen, kündigte Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch gestern an. Als Hintergrund verwies er auf die anhaltend „dramatische“ Finanzsituation der Landeskirche, die in ihrer Jahresbilanz 2016 einen Verlust von 35,2 Millionen Euro aufweist.

Durch hohe Rücklagen sei man in der Lage, noch bis 2024 den Haushalt auszugleichen. Zu Kündigungen werde es nicht kommen, bekräftigte Mainusch. Die Landeskirche beschäftigt 2017 insgesamt 166 708 Mitarbeiter. mm

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