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Der Norden Mehr Show, mehr Tempo: So lief die Hengstparade 2018
Nachrichten Der Norden Mehr Show, mehr Tempo: So lief die Hengstparade 2018
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00:18 22.08.2018
Reiter und Pferdebesitzer präsentieren ihre wertvollen Hengste. Quelle: Katrin Kutter
Celle

Konzentration liegt in der Stallluft. Die Wortwechsel zwischen den Pferdeboxen sind knapp, die Handlungen fokussiert. Hier wird noch ein wenig das Zaumzeug zurechtgerückt, dort ist noch jemand kurz mit dem Hufkratzer zugange, in einer Box sprüht eine junge Frau schwarzes Hufspray auf die nicht ganz so schwarzen Fesseln eines ansonsten sehr schwarzen Friesen-Kaltblüters. Alles soll gut aussehen. Draußen spült ein Mann mit einem Schlauch den letzten Staub von einem holländischen Concourswagen. Es sind nur noch ein paar Minuten bis zu den ersten Takten des Radetzkymarsches, mit dem alles losgeht: Paradenzeit im Celler Landgestüt. Dreimal wurde die traditionelle Show, jetzt in neuem Gewand, am Wochenende gezeigt, von der Premiere am Freitag bis zum Finale am Sonntag.

Vieles ist neu. Die Veranstaltung ist kein septemberliches Herbsttreffen mehr, sondern – auch der Name wurde verändert – ein „Sommervergnügen rund um die Celler Hengstparaden“. Im Vordergrund steht nicht mehr nur, Stutenbesitzern das herausragende genetische Material der Celler Deckhengste vorzuführen, sondern die Freude am Pferd als solches.

Gestütschef Axel Brockmann möchte ganze Familien anlocken, man braucht nicht einfach nur Sitzfleisch, man darf auch flanieren. Eine Kölner Agentur hat dem Gestüt einen Markt organisiert: Im Spörckenstall, in dem keine Pferde mehr stehen, und auf dem Freigelände gibt es handgemachte Keramik, edlen Schmuck, ausgesuchte Hüte, erlesene Kleider und richtig schön kitschige Pferdebilder zu kaufen. Die Fressbuden heißen nicht mehr Fressbuden, sondern Foodmeile, und das Niveau ist besser. Ein historischer Minijahrmarkt wurde auch noch aufgebaut, mit Karussell und Dosenwerfen und Zuckerwattestand.

Paraden seit 110 Jahren

Das Gestüt (das so heißt, obwohl es dort nur Hengste gibt) steht unter wirtschaftlichem Druck. Arbeitspferde werden so gut wie gar nicht mehr benötigt, Freizeitpferde kann sich nicht jeder leisten, die Zahl der Pferde in Deutschland geht zurück. Auch deswegen will Landstallmeister Brockmann mehr Eventcharakter bei seinen Paraden. Von den Zahlen her scheint das erst einmal aufzugehen: 7500 Sitzplatzkarten und rund 5000 Tickets für Stehplätze (oder fürs Herumbummeln) wurden diesmal für alle drei Veranstaltungsdurchläufe verkauft. Brockmann ist damit zufrieden. Der Chef, der selbst mit professioneller Lässigkeit durchs Programm führt, setzt auf langsame Veränderung: „Drei Jahre braucht es meist, bis sich so was durchsetzt.“

Die einzelnen Programmpunkte sind noch weitgehend traditionell. Wie wohl schon vor 110 Jahren, als die ersten Paraden stattfanden, lenken betresste Herren und schulterfreie Damen Jagdwagen oder Landauer mit eleganten Hannoveranern oder energiegeladenen Oldenburgern davor über den Platz. In der „zweifachen Fahrschule“ sind erstaunlich behände Rheinisch-Deutsche Kaltblüter vor normale Reitpferde gespannt (und als ein Kaltblut mal nicht so will, wie es soll, sich dann aber rasch wieder einkriegt, spricht Moderator Brockmann vom „in sich ruhenden Temperament“ dieser Tiere).

Dressurausbilder Hans-Jürgen Armbrust etwa präsentiert Nachwuchshengste und was sie können, preist „tolle Trabarbeit“ und „hohe Reitqualität“, und alles „ohne dass man das Pferd zusammenhaut“. Zwischendurch gibt er Anweisungen: „Zweierdiagonale.“ „Galopptraversale.“ „Jetzt Scheeeritt, und dann in die Pirouette.“ Untermalt werden die Vorführungen von wahlweise Brahms oder Vivaldi oder Kaufhausfahrstuhlmusik. Diese Art der Präsentation unterscheidet sich deutlich von den überall tourenden Pferdeshows im Stile von „Apassionata“, und sie soll das wohl auch, lässt aber ab und zu deren Esprit vermissen.

Das Publikum ist dennoch zufrieden. Es beklatscht alles – Pferde und Reiter aus dem befreundeten Gestüt Kladruby nad Labem in Tschechien und die Springquadrille und die Traberwagenquadrille und die königlich-welfischen Hofwagen samt original Pferderassenbespannung – mit Ausdauer und Empathie. Man merkt: Da sitzen viele Leute, die was von dem verstehen, was ihnen gezeigt wird.

Rasante Kaltblüter

Richtiger Jubel kommt aber immer nur dann auf, wenn es rasant wird, bei den schnellen Kutschfahrten etwa, oder, beispielsweise, bei der Vorführung der schwarzen Friesen aus dem Stall Marschhorst bei Sittensen. Da können sich die Männer im Publikum nicht entscheiden, ob sie eher die muskelbepackten Pferde oder die gothic-angehauchten Damen bewundern sollen, die obendrauf sitzen, und freuen sich am Ende an beiden.

Und einmal gibt es den tosenden Applaus erst, als kein Pferd und kein Reiter mehr auf dem Platz sind. Das passiert am Freitag nach der „Ungarischen Post“, bei der zwei Reiter, Eirik Erlingsen und Rene Meyer, auf je zwei Pferden stehend durch die Arena preschen. An einer Stelle entfernen sich die beiden Tiere von Meyer zu sehr voneinander, er fällt fast runter, hängt dann halb zwischen beiden, aber er gibt nicht auf, und nach etwas Mühe und Hilfe steht er wieder oben. Axel Brockmann bittet die Zuschauer, sich still zu verhalten, bis alles vorbei ist, um die Pferde nicht noch weiter zu irritieren. Die Leute sind mucksmäuschenstill. Dann, die Bahn ist leer: Jubel, Begeisterungspfiffe, Getrampel.

Von Bert Strebe

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