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Der Norden Bürger wollen Wald vor Wohnungsbau schützen
Nachrichten Der Norden Bürger wollen Wald vor Wohnungsbau schützen
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11:29 08.07.2017
Egbert Ehm, Henning Homann, Horst Riemer und Michael Roehnert im Grünen (v. r.): „Da fühlt man sich doch auf den Arm genommen.“ Quelle: von Ditfurth
Lachendorf

Auf der Terrasse von Egbert Ehm gibt es Kaffee und Kekse und Empörung. Ein paar zornige Männer sitzen um den Tisch und reden sich ihren Frust von der Seele. Dass sie hingehalten werden. Dass man sie behindert. Dass man ihnen nicht die Wahrheit sagt. Dass man sie nicht ernst nimmt. Und nicht nur sie: einen durchaus nennenswerten Teil der Bevölkerung ebenfalls nicht.

Die Herren reden über ein Stück Wald, 30 Hektar, so groß wie 42  Fußballfelder, gelegen am südwestlichen Ortsrand von Lachendorf im Landkreis Celle. Kiefern, Birken, Eichen, viel Unterholz. Ein Spaziergängergebiet, gut geeignet auch für Hundebesitzer und Jogger und andere Grünhungrige, nur ein paar Schritte weg von den vielen hübschen Lachendorfer Einfamilienhäusern.

Der Ort wächst

Derzeit gehört das Areal den Landesforsten, aber die Gemeinde will es kaufen, für weitere hübsche Lachendorfer Einfamilienhäuser. Der Ort wächst nahezu kontinuierlich. Die Gemeinde muss Baugebiete ausweisen.

„Aber nicht dort“, sagt Egbert Ehm von den UB, den Unabhängigen Bürgern, einer kleinen oppositionellen Wählergemeinschaft im Rat. Sie will den Anwohnern den Wald erhalten und hat dafür Unterschriften gesammelt: 976 an der Zahl. Was in einer ländlichen Kommune mit rund 2500 Haushalten und 6000 Einwohnern ziemlich viel ist.

An Ehms Terrassentisch, bei Kaffee und Empörung, sind außer der Ratsopposition UB noch ein paar andere Institutionen vertreten, die den Wald nicht abholzen lassen wollen. Die Bila, die Bürgerinitiative Lachendorf, entstanden aus dem Widerstand gegen einen Maststall, hat sich auf die Waldbefürworterseite gestellt. Henning Homann und Hans-A. Buchbinder haben ein (zunächst abgelehntes) Bürgerbegehren gegen das Baugebiet in Gang gesetzt. Michael Roehnert, ein Ingenieur, sitzt als Unterschriftenlistenunterschreiber mit am Tisch und sagt, er sei auch wegen des Waldes nach Lachendorf gezogen, und wenn der Wald wegkomme, gehe er ebenfalls. Man habe der Ratsmehrheit, einer Gruppe aus CDU, SPD und FDP, eine Alternative aufgezeigt, erzählen die Herren und legen Karten auf den Tisch. Drei Flächen im Westen, nicht so schön wie der Wald, zusammen nur 16  Hektar, aber ein Anfang.

Die Verwaltung habe gesagt, die UB sollten den Vorschlag doch in den Rat einbringen, aber bevor das geschehen konnte, habe der Verwaltungsausschuss die Aufstellung des Bebauungsplans bereits beschlossen. „Da fühlt man sich doch auf den Arm genommen“, heißt es in der Runde. Mittlerweile sei auch sogar festgelegt worden, zunächst nur einen Teil der Waldfläche zu bebauen. Aber wie viel genau, daraus mache die Gemeinde ein Geheimnis. „Die haben doch völlig den Kontakt zu den Bürgern verloren“, konstatiert Henning Homann.

Wald ohne Ende?

Bürgermeister Hartmut Ostermann von der CDU hat im Rathaus gerade wieder einen Vertrag über einen Bauplatz unterschrieben. Er erläutert, was unstrittig ist, dass die Gemeinde mehr Platz brauche. Den Wald sieht er nicht als erhaltenswert an. „Wir haben hier doch Wald ohne Ende in der Gegend.“

Immer, wenn es konkret wird, wird Ostermann wortkarg. Wie viel will die Gemeinde für das Waldgebiet zahlen? „Sage ich nicht“, sagt er, „nicht öffentlicher Beschluss.“ (Es sind 3 Millionen Euro.) Wenn die Gemeinde erst nur einen Teil bebauen lassen wolle, wie viel von dem Wald wäre das? „Nicht öffentlicher Beschluss.“ (Es sind 8,5 Hektar.) Warum macht man so ein Geheimnis daraus? Schweigen. Was ist mit den Alternativgebieten, die die UB aufgezeigt haben? Ostermann schaut zur Ersten Samtgemeinderätin Uta Lüßmann hinüber, die mit im Raum sitzt, und die sagt, das würde „schwierig“ werden.

Und der Unmut der Bürger? All die Unterschriften? Das seien doch nicht so viele, sagt Ostermann. Je länger er über die Unterschriftenaktion redet, umso mehr sinkt in seinen Schilderungen die Zahl derjenigen, die unterschrieben haben, am Ende sind wir bei etwa 930. Und dass da Leute unterschrieben hätten, sei „nicht von Sachkenntnis getragen“, sagt der Bürgermeister. Das Formular hätten auch Bürger abgezeichnet, die anderthalb Kilometer weit weg wohnten, „die wissen doch gar nicht, dass da ein Wald ist“. Und schließlich sei die Aktion suggestiv gewesen: „Es wurde gefragt, ob jemand für Wald ist. Alle sind für Wald, oder?“

Suggestiv ist in jedem Fall die Art, wie Ostermann die Unterschriftenaktion darstellt. Der DIN-A4-Bogen der Unabhängigen Bürger war vollgestopft mit Informationen über die Gemeinde­planungen, diverse Einschränkungen wurden genannt, und für den Wald unterschreiben sollte nur, wer „ohne Wenn und Aber“ dafür sei, ihn zu erhalten.

August, sagt Ostermann. Im August werde die Gemeinde die geheimnisvollen, bisher unveröffentlichten Details zum Baugebiet, also die 8,5 Hektar, öffentlich vorstellen. Bis dahin müssten sich alle gedulden. Zwischendurch hat er gesagt, man dürfe keinen „Dorfkrieg“ in Kauf nehmen für das Thema. Aber zehn Minuten später will er das nicht mehr gesagt haben.

Am Tisch der zornigen Männer wird das Thema einer möglichen Verwaltungsklage behandelt. Die Bila hat sich entschlossen, etwaige juristische Schritte finanziell zu unterstützen. „Die ertragen es im Rathaus nicht, wenn ihnen jemand in die Quere kommt“, sagt Egbert Ehm. „Die fühlen sich gestört von Bürgern“, sagt Michael Roehnert.

Von Bert Strebe

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