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Der Norden Wurde die Currywurst in Niedersachsen erfunden?
Nachrichten Der Norden Wurde die Currywurst in Niedersachsen erfunden?
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07:18 23.10.2018
Wurde die Currywurst in Bückeburg erfunden? Quelle: RND-Collage/dpa
Schaumburg

Sie landet regelmäßig auf dem Spitzenplatz als beliebtestes Kantinengericht der Deutschen: Seit mehr als 20 Jahren ist der Küchenklassiker Currywurst/Pommes am Arbeitsplatz so gefragt wie kein anderes Gericht.

Mit seinen Liedzeilen „Gehste inne Stadt, wat macht dich da satt, ne Currywurst. Kommste vonne Schicht, wat schönret gibt et nich als wie Currywurst“, hat ihr Herbert Grönemeyer ein musikalisches Denkmal gesetzt. Altkanzler Gerhard Schröder hat sie in der Variante Currywurst plus Pommes rot/weiß als Promi-Gericht geradezu in den Adelsstand erhoben. Doch geht es nach Alexander zu Schaumburg-Lippe, muss die Geschichte der Currywurst nun offenbar neu geschrieben werden.

Erfand Ludwig Dinslage die Currywurst?

Denn glaubt man dem, was der Schlossherr in den Archiven von Schloss Bückeburg gefunden haben will, deutet vieles darauf hin, dass nicht Wirtin Herta Heuwer, die einen Imbissstand in Berlin-Charlottenburg betrieb, die typische Currywurstsauce am 4. September 1949 erfand – sondern der Bückeburger Küchenmeister, Konditor und spätere Hotelier Ludwig Dinslage (1912-1987).

Dieser machte seine Kochlehre im Fürstenhof in Berlin und verdiente sich später seine Sporen im Palais Royal und im Drouant, beides namhafte Speiselokale in Paris. 1937 kochte er bei der dortigen Weltausstellung im deutschen Pavillon. Kurz nach dem Krieg verköstigte Dinslage dann die Offiziere der britischen Rheinarmee, die im September 1946 Bückeburg besetzt hatten und servierte ihnen – Currywurst.

Schon 1946 zubereitet

„Sie wurde in meiner Schlossküche erfunden“, zitiert die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung dann auch Alexander zu Schaumburg-Lippe und lichtet ihn ab, wie er mit Lebensgefährtin Mahkameh Navabi auf einem roten Ledersofa im Restaurant „Alte Schlossküche“ Currywurst nach Schlossherren-Art speist.

Demnach könnte der Bückeburger Dinslage die heutige Kult-Wurst bereits drei Jahre vor der Berlinerin Heuwer erfunden haben, die sich ihre „Chillup“-Sauce – eine Kombination der Worte Chili und Ketchup – allerdings 1959 als Warenzeichen eintragen ließ.

Tatsächlich zitiert eine im Sauerland erscheinende Tageszeitung bereits im Jahre 1984 in einem Artikel „Warsteiner servierte Briten schon vor 38 Jahren Currywurst – Geburtsstunde im Schloss Bückeburg“ Dinslages Frau Elvira mit den Worten: „Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mein Mann nach Hause kam und voller Stolz von seinem Erfolg mit der neuen Soße zur Bratwurst erzählte.“

Doch wer die Currywurst in Wirklichkeit erfunden hat, kann einem eigentlich „Wurst“ sein. Die Geschichte, die Alexander zu Schaumburg-Lippe erzählt, ist so oder so einfach köstlich. Man sieht ihn förmlich vor sich: den hell erleuchteten Speisesaal des Schlosses, die etwas steifen Offiziere an den Tischen. Dann öffnen sich plötzlich die Flügeltüren und die Bediensteten kredenzen deutsche Bratwurst, allerdings mit einer seltsam dicken und bis dahin offensichtlich unbekannten roten Soße.

Auf Skepsis folgte Begeisterung

Die Skepsis der Offiziere soll schnell der Begeisterung gewichen sein: „It’s delicious!“, sollen sie ausgerufen haben, es sei köstlich. „Der Koch hatte Stunden experimentiert. Er mixte aus 25-Liter-Kanistern Tomaten-Ketchup, Curry und Orangenmarmelade zusammen. Wir haben Dokumente, die belegen, dass es sich so abgespielt haben muss“, wird der Adelige in der „Bild“ zitiert.

Auf die Spur des Currywurst-Erfinders hatte ihn dessen Sohn Axel Dinslage in einem Brief vom März dieses Jahres gebracht: „Ich fände es großartig, wenn Sie auf der Speisekarte Ihrer Schlossküche an meinen Vater erinnern würden, vielleicht mit den Worten ,Schlossküchen Currywurst mit selbst gemachter Gewürzsauce, erfunden 1946 vom Küchenmeister Ludwig Dinslage hier in der Schlossküche‘“, heißt es darin.

Wird die Currywurst-Geschichte jetzt umgeschrieben?

Nun, zumindest dessen Bild hängt jetzt dort an der Wand. „Ich hoffe, dass die Geschichte der Currywurst nun umgeschrieben wird und Herr Dinslage auch im Currywurst-Museum in Berlin ein Plätzchen findet“, so der Bückeburger Adelige.

Zumindest Letzteres dürfte allerdings eher unwahrscheinlich sein. Zum Jahreswechsel 2018/2019 geht der Museumsbetrieb an der Schützenstraße 70 in der Bundeshauptstadt, nur 100 Meter vom Checkpoint Charlie entfernt, nach zehn Jahren zu Ende. Eine Million Menschen soll das Museum in dieser Zeit besucht haben. Die Letzten haben noch bis Freitag, 21. Dezember, die Möglichkeit, die Ausstellung zu sehen.

Von Thomas Wünsche/Schaumburger Nachrichten

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