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Der Norden Blogtext aus Bad Nenndorf wird international geteilt
Nachrichten Der Norden Blogtext aus Bad Nenndorf wird international geteilt
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12:12 16.08.2017
Bad Nenndorf gegen Rechts - würden solche Aufmärsche auch in den USA wie beispielsweise Charlottesville (kleines Bild) funktionieren? Quelle: Archiv/HAZ-Montage
Bad Nenndorf/Charlottesville

Der 35-jährige Schriftsteller, Fotograf und Filmemacher Christoph Rehage hat durchaus „Sympathien für junge Leute, die 'Nazis klatschen' wollen“. Nicht zuletzt wegen der jahrelangen humorvollen und erfolgreichen Bürgerproteste gegen Rechtsextreme im niedersächsischen Bad Nenndorf hält er gewaltsamen Widerstand gegen Rechts inzwischen aber für „völlig ineffektiv“, wie der frühere Nenndorfer in seinem Internetblog schreibt. Nach den Gewaltausbrüchen im US-amerikanischen Charlottesville am vergangenen Wochenende ist Rehages Text zum Renner in den sozialen Netzwerken geworden.

In der US-Stadt Charlottesville marschiert die Alt-Right-Bewegung auf, ein Sammelbecken für Rassisten und Nationalsozialisten. Es kommt zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten.

Die „wahrscheinlich wirkungsvollste Waffe“ gegen Nazis ist dem Punkfan Rehage zufolge eine humorvolle Protestbewegung aus der Mitte der Gesellschaft - wie eben in Bad Nenndorf. Sein Beitrag wurde weltweit und vielhundertfach verlinkt, geliked und retweeted. Ein Politik-Professor aus Kanada bezeichnete die Nenndorfer Methode als „brillant und effektiv“, ein schottischer Wissenschaftler spricht von einer entwickelten „Geheimwaffe“ gegen Rechts. Mehrere US-Amerikaner forderten im Internet dazu auf, die Nenndorfer Proteste zu kopieren. Und im Kurzmitteilungsdienst Twitter schlägt jemand vor, die Kurstadt doch analog zu dem Englischen „Bad“ für schlecht in „Good Nenndorf“ umzubenennen.

In seinem Blog vom April dieses Jahres warnt Rehage vor gewaltsamen Protesten, denn diese nützten nur den Nazis. „Leider sind nicht alle Nazis dumm, und ihre Organisatoren schon gar nicht“, sagt er. „Wenn Proteste gegen Nazis den Fehler machen, in Gewalt auszuarten, dann bedienen sich die Nazis daran und geben sich in der Öffentlichkeit die Opferrolle.“ Am vergangenen Sonnabend hatten sich in Charlottesville teils bewaffnete Neonazis und Ku-Klux-Klan-Leute mit Gegendemonstranten heftige Prügeleien geliefert. Es gab zahlreiche Verletzte, eine Frau starb, als ein Rechtsextremist mit seinem Auto in die Menge raste.

In Bad Nenndorf zogen Rechtsextreme von 2006 bis 2015 in „Trauermärschen“ zum städtischen Wincklerbad, das nach dem Zweiten Weltkrieg ein britisches Verhörzentrum und Militärgefängnis für Nationalsozialisten war. Zunächst hatten diese Märsche großen Zulauf. 2010 kamen mehr als 900 Neonazis nach Bad Nenndorf. 2015 waren es nur noch rund 180, im vergangenen und in diesem Jahr sagten die Rechten ihre Veranstaltungen ganz ab.

Rehage führt das auf die Proteste zurück. Die Nenndorfer empfingen die Neonazis mit Schlumpfmützen, lauter Schlagermusik und Konfetti, sie schmückten deren Marschroute mit Luftballons und Plakaten. Und sie ließen sich den „unfreiwilligsten Spendenlauf Deutschlands“ einfallen: Für jede Minute unerwünschten Aufenthalts der Neonazis spendeten Privatleute und Unternehmer zehn Euro für das Bündnis „Bad Nenndorf ist bunt“.

So könnten die Nazis ihre Grundrechte wahrnehmen und würden dabei nicht körperlich angegriffen, sagt Rehage: „Aber ordentlich verlacht, das werden sie! Und das können sie nicht zu ihrem Zweck ummünzen. Das tut ihnen weh. Ich glaube, dass viele andere Zivilgesellschaften, zum Beispiel die der USA, sich schleunigst auch dieser Methode bedienen sollten.“ 

epd

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