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Der Norden „Bauernkind“ – Agrarstudenten machen Mode gegen Mobbing
Nachrichten Der Norden „Bauernkind“ – Agrarstudenten machen Mode gegen Mobbing
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00:18 27.01.2019
Logistikzentrum in der Wohngemeinschaft: Die Göttinger Studenten Ansgar Selhorst, Jost Teepker und Jannik Altpeter packen Kartons. Quelle: Patrick Otte/Wochenblatt
Göttingen

„Bauernkind“ – bei dieser Anrede zuckt mancher zusammen. Denn nicht selten ist sie herablassend gemeint. Eine Gruppe von fünf Göttinger Agrar- und Forststudenten will das nicht länger hinnehmen. Die jungen Männer lassen „Bauernkind“ in deutlich sichtbaren Lettern über einem Bullenkopf auf Pullover, T-Shirts und Babybodys drucken; die gleichnamige Firma betreiben sie in ihrer Freizeit in einer Wohngemeinschaft neben der Uni. „Wir wollen dem Mobbing von Landwirtskindern etwas entgegensetzen“, sagt Mitgründer Jost Teepker.

Die große Nachfrage hat den 25-Jährigen und seine Mitstreiter selbst überrascht. „Wir treffen auch außerhalb von Göttingen immer mehr Leute, die unser Logo stolz auf der Brust tragen“, erzählt der aus Melle (Kreis Osnabrück) stammende gelernte Landwirt. Man komme dann schnell ins Gespräch. Nicht alle Kunden seien auf einem Hof aufgewachsen, fühlten sich als Landbewohner aber mit den Bauern verbunden.

DJ bringt Label nach vorn

„Es ist furchtbar, wenn sich Kinder in der Schule nicht mehr zu sagen trauen, dass ihre Eltern Bauern sind,“ sagt Teepker. Medienberichte darüber hätten ihn und seine Freunde vor einem Jahr dazu bewogen, mit „Bauernkind“ in die Öffentlichkeit zu gehen.

Nicht nur in den sozialen Medien, auch beim Bauernverband sind Vorfälle immer wieder Thema, bei denen ganze Familien für anderswo vorkommende Lebensmittelskandale oder Tierquälerei verantwortlich gemacht werden; eine Landvolksprecherin in Hannover spricht von „Sippenhaft“. Bei Verbandstreffen in Niedersachsen wurde unter anderem eine Umfrage der württembergischen Landfrauen vorgestellt. Mehr als die Hälfte von 2151 Befragten gab darin an, wegen ihrer Herkunft aus dem ländlichen Milieu gemobbt worden zu sein, beispielsweise mit Beleidigungen wie „Du stinkst nach Schweinescheiße“. Bei einer Umfrage der Fachzeitschrift „agrarheute“ berichteten von rund 800 Teilnehmern sogar drei Viertel von Mobbingerfahrungen in ihrem Umfeld.

In der Studentenwohngemeinschaft in Göttingen ist vor diesem Hintergrund aus der ursprünglichen Idee, bloß einheitliche Pullover für die Clique anfertigen zu lassen, die patentierte Marke „Bauernkind“ entstanden. Zu den ersten, die das Logo öffentlich trugen, gehörte der DJ einer großen Semesterparty. Sie selbst seien glücklicherweise nie Opfer schlimmen Mobbings geworden, erzählt einer der Unternehmensgründer, der 24-jährige Agrarwissenschaftsstudent Jan Möllenbrink, dessen Eltern beide im Agrarbereich arbeiten: „Aber ich hieß in der Schule immer der Bauer, das war nicht gerade der am positivsten besetzte Name.“ Dabei würden Bauernkinder mit ihrer Herkunft eigentlich sehr viel Schönes verbinden, wie das recht freie Aufwachsen auf dem Land, die Verbundenheit mit der Natur, die Produktion von Lebensmitteln.

Auch „Bauernkind“-Turnbeutel

Auf dem Küchenschrank und dem Sofa in seiner Wohngemeinschaft stapeln sich Kartons. Die fünf Studenten fassen die Bestellungen alle paar Wochen zusammen, um die Kleidungsstücke dann aus Biobaumwolle herstellen und mit dem im Februar 2018 zusammen mit einer Modedesignerin entwickelten Logo bedrucken zu lassen. Anschließend helfen ihnen Freunde und Freundinnen in oft Tag und Nacht dauernden Schichten dabei, die Sachen zu verpacken, mit Grußkarten zu versehen und zu verschicken. „Im Moment laufen die Hoodies besonders gut“, berichtet Jost Teepker. „Beliebteste Farbe ist blau.“

In Modefragen würden gern auch Kommilitoninnen zurate gezogen. Das Klischee vom Bauern in Karohemd und Gummistiefeln wollen die fünf mit ihrer Kollektion nicht bedienen. Turnbeutel sind ebenso im Programm wie Wollmützen mit dem Schriftzug „vom Land“. Ihre 4000 Euro Startkapital seien gut angelegt, meinen die Gründer. Vor Weihnachten reichten die 70 Quadratmeter der Wohngemeinschaft als Versandraum angesichts der Bestellflut nicht aus. Die Studenten mieteten für zwei Tage zwei Seminarräume auf einem Hof am Stadtrand und brachten ihre Ware mit einem geliehenen Lieferwagen dorthin. „Wir hatten beim Verpacken wieder viele Helfer an unserer Seite“, erzählt Jost Teepker. „Wir haben viel Arbeit, aber auch viel Spaß bei Pizza und Bier.“

Bulle auf der Brust

Wie ist auf die Dauer mit „Bauernkind“ weitergeht, ist offen. Die Unternehmensgründer schreiben gerade ihre Masterarbeiten oder sind, wie Lukas Meyer-Tonndorf, schon fertig geworden – von seinem neuen Wohnort Vechta aus arbeitet der 26-Jährige zurzeit weiter an dem Gemeinschaftsprojekt mit.

„Wir haben auf jeden Fall wertvolle Erfahrungen gemacht“, sagt Jan Möllenbrink, der sich unter anderem in Fragen der Finanzen und des Steuerrechts vertieft hat. Jost Teepker freut sich, dass die Idee, Menschen vom Land mit „Bauernkind“ selbstbewusst auftreten zu lassen, offenbar funktioniert. „Wir bekommen ganz viele coole Rückmeldungen aus allen Altersgruppen“, erzählt er. So hat eine Mutter ein Foto ihrer drei Kinder geschickt, die alle das Bullenlogo auf der Brust tragen. In der dazu gehörigen Email verrät sie, dass ein Sohn sich zunächst nicht traute, den Pullover in der Schule zu tragen. Nachdem die Geschwister gute Erfahrungen machten, habe er es schließlich gewagt. Jost Teepker sagt: „Wenn das Kind mit der Zeit merkt, dass es mit Stolz diesen Pulli tragen kann, haben wir unser Ziel erreicht.“

Von Gabriele Schulte

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