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Der Norden Arztgespräch per Tablet
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00:18 10.02.2018
Pilotprojekt "Telemedizin in Melle": Katharina Menke (89) kommuniziert mt Hausärztin Gabriele Schnepper über ein Tablet.  Quelle: Samantha Franson
Melle

 Die Patientin ist guter Dinge. „Solange ich noch 17 Gedichte auswendig kann, bin ich zufrieden“, sagt Katharina Menke, lacht und und zupft vor sich auf dem Wohnzimmertisch ein paar Deckenfransen zurecht. Neulich in der Reha hat sie die Pflegerinnen mit „Drauß vom Walde ... “ beeindrucken können. Die Beine allerdings wollen nach diversen Stürzen und Hüftoperationen nicht mehr so recht, ohne Rollator kommt die frühere Lebensmittelhändlerin aus Altenmelle (Kreis Osnabrück) kaum noch voran. Deshalb ist sie froh, den Weg von ihrer Wohnung zur zwei Kilometer entfernten Arztpraxis nicht auf sich nehmen zu müssen. Von ihrer Hausärztin kann sich Katharina Menke seit ein paar Wochen über den Bildschirm eines Tablets begutachten lassen. Die Telemedizin macht es möglich. 

In und um Melle sind, wie fast überall auf dem Land, Hausärzte knapp. Mit jedem, der in den Ruhestand geht, wird der Bedarf größer, weil Nachfolger schwer zu finden sind. Der Landkreis Osnabrück hat jetzt zusammen mit der Stadt als erster in Niedersachsen eine neue Idee in  die Tat umgesetzt und mit einer Anschubfinanzierung versehen, um das Problem zumindest abzumildern; Mut machende Vorbilder fand er unter anderem im Nachbarland Nordrhein-Westfalen. Beim Pilotprojekt „Hausarzt mit Telemedizin“ können Ärzte auf elektronischem Weg Ferndiagnosen stellen und sich so manch zeitaufwändigen Hausbesuch sparen.

Blick auf persönliches Umfeld 

Die Gesundheitsbehörde ermittelte zunächst, wo in der Region der größte Bedarf bestand. Dazu gehört die Kleinstadt Melle mit ihren dörflichen Ortsteilen, wo insgesamt 6,5 Arztstellen unbesetzt sind. Landkreisweit fünf Arztpraxen wurden angesprochen, und alle zeigten sich sofort begeistert – auch die von Gabriele Schnepper, Menkes Hausärztin. Schnepper und ihr Kompagnon Udo Groeneveld, seit 26 Jahren ein Team, halten sehr viel von Hausbesuchen. „Der Blick auf das persönliche Umfeld gerade allein lebender älterer Menschen ist wichtig“, meint die Allgemeinmedizinerin. „So kann man nicht zuletzt erkennen, welche zusätzliche Hilfe  jemand vielleicht braucht.“ 

In der Praxis in Melle stehen die Kranken am Tresen Schlange, für Neupatienten herrscht Aufnahmestopp. An zwei Tagen in der Woche hatten sich die beiden Allgemeinmediziner dennoch abwechselnd für bisher jeweils rund sechs Stunden losgeeist, um Patienten aufzusuchen. Trotz Telemedizin verzichten sie weiterhin nicht auf die regelmäßige Tour. Doch nun müssen sie nur noch die halbe Zeit dafür einplanen. Denn sie wechseln sich jetzt mit Arzthelferin Christine Landwehr ab, die dann den „Telearzt“-Rollkoffer mit Tablet, Spritzen und EKG-Gerät ins Auto packt und ihre Runde über die Dörfer dreht.

„Was es heute alles so gibt!“

Im Wohnzimmer von Katharina Menke geht es an diesem Morgen zunächst darum, den Blutdruck zu überprüfen, Blut soll erst beim nächsten Besuch wieder abgenommen werden. Über eine gesicherte Internetverbindung übermittelt die Arzthelferin, den  – nicht besonders auffälligen  – Wert an die Praxis. Eine Kollegin dort ruft die Ärztin vor den Monitor, der in einem der Sprechzimmer fest installiert ist. Das dauert ein wenig. Erst muss das Zimmer frei sein, und erst muss Schnepper den Patienten, der aktuell vor ihr steht, behandeln und verabschieden.

Katharina Menke plaudert unterdessen mit der Arzthelferin und blickt zwischendurch gespannt zum Bildschirm auf dem Wohnzimmertisch. „Hervorragend, was es heute alles so gibt“, sagt die 89-Jährige, beugt sich erwartungsvoll vor und begrüßt, als die Ärztin auf dem Tablet erscheint, diese wie eine alte Bekannte: „Guten Morgen, Frau Schnepper, schön dass wir uns sehen!“ Die Hausärztin nutzt die Gelegenheit, sich nach möglichen Beschwerden der 89-Jährigen zu erkundigen. Diese erzählt so unbefangen, als würde sie seit Jahren Internetkontakt mit Enkeln in Übersee pflegen. Videoübertragungen über alltägliche Programme wie Skype oder Whats-App dürfen zwischen Arzt und Patient im Übrigen nicht zum Zuge kommen. Eine Firma für Medizintechnik vermietet spezielle Geräte, die dem Datenschutz Genüge tun sollen. 

Auch Wunden werden  betrachtet

Die niedersächische Ärztekammer unterstützt das Telemedizin-Projekt, wie zuvor schon den selbständigen Einsatz erfahrener Arzthelferinnen –ohne Tablet –bei Hausbesuchen im Rahmen des Erfolgsprojekts Verah (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis). „Es muss aber immer eine Ergänzung zum direkten Arzt-Patienten-Kontakt sein“, sagt Sprecher Thomas Spieker. So ist es in Melle zweifellos. Gabriele Schnepper kündigt ihren Ferngesprächspartnern jeweils an, demnächst auch wieder persönlich zu ihnen nach Hause zu kommen. Die Zeitersparnis kommt sie und ihren Kollegen teuer zu stehen: Zusätzlich zur Pauschale für die Arzthelferin wird weder Wegegeld gezahlt, noch wird den Ärzten die Zeit der Beratung am Bildschirm vergütet. „Es laufen dazu Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung“, sagt Mareike Wächter von der Gesundheitsbehörde in Osnabrück

Auch anderes ist ausbaufähig. „Teilweise gibt es Probleme mit der Datenübertragung“, berichtet Arzthelferin Landwehr. Es werde geprüft, unter bestimmten Sicherheitsbedingungen auch Wlan-Netze nutzen zu dürfen. Hausarzt Groeneveld hofft zudem auf eine verbesserte Bildqualität, um Wunden besser beurteilen zu können. „Eine neue Wund-App ist angekündigt“, sagt er.  Auch ein leistungsfähigeres EKG-Gerät solle Bestandteil des „Telearzt“-Koffers werden.

Katharina Menke verabschiedet sich nach fünf Minuten von ihrer Hausärztin: „Bis zum nächsten Mal!“ Sie strahlt und plaudert im Wohnzimmer mit der Arzthelferin weiter –bis auch diese weiter muss zur nächsten Patientin.

Telemedizin

Die Digitalisierung soll in Niedersachsen auch in der Gesundheitsbranche schnell voran schreiten. Das hat Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) unlängst beim ersten „Digital-Gipfel Gesundheit“ in Hannover versprochen. Ein guter Teil der eine Milliarde Euro, die das Land für den Ausbau des schnellen Internet ausgeben will, werde in die Telemedizin fließen, kündigte er an. Einzelne Projekte hat es schon vor dem Regierungswechsel gegeben. 

Ein Telemedizin-Netzwerk in Oldenburg wurde 2015 mit dem niedersächsischen Gesundheitspreis ausgezeichnet. Fachärzte im Klinikum beurteilen mittels digitaler Telekommunikation Patienten in Nordsee-Offshore-Windparks. Sie stellen Diagnosen, treffen therapeutische Entscheidungen und leiten bei Unfällen Ersthelfer  oder Rettungsassistenten an. „Das Netzwerk liefert ein Modell, wie auch für Patienten in strukturarmen Regionen eine schnelle fachärztliche Versorgung sichergestellt werden kann“, heißt es im Landesgesundheitsministerium. 

Von Gabriele Schulte

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