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Der Norden Obstbauern erwarten eine gute Ernte
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17:15 17.07.2018
16.07.2018, Niedersachsen, Jork: Zahlreiche Birnen hängen in einer Plantage an einem Birnenbaum. (zu dpa "Obstbauern im Alten Land freuen sich über warmen Sommer" vom 17.07.2018) Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa
Jork

Hein Lühs lässt keinen Zweifel daran, dass er zufrieden ist. „Bei uns ist alles gut“, sagt er. Und nur ein feiner Unterton in dem Satz zeigt an, dass Lühs meint, es wurde auch langsam mal Zeit, dass alles gut ist. Womit er recht hat: Nach drei Jahren mit sehr mäßigen Ernten und nach einem Jahr 2017, das den Obstbauern zu viel Frost und zu viel Regen und zu wenig Bienen beschert hat, können sie sich jetzt freuen. Während überall sonst in Niedersachsen die Landwirte über Hitze und Wassermangel klagen, geht es den Obstbauern im Alten Land vor den Toren Hamburgs bestens.

Dirk Köpcke von der Obstbauversuchsanstalt Jork erklärt das mit dem Umstand, dass es im Alten Land schweren Marschboden gibt, der das Wasser gut speichert. Und dann viel Sonne – da wächst das Obst besonders gut. Abseits des Alten Landes gibt es allerdings auch Regionen in Niedersachsen, in denen die Böden sandiger und trockener sind. In der Regel, sagt Köpcke, hätten aber zum Beispiel Erdbeerbauern die Möglichkeit, ihre Felder zu bewässern. „Wenn man das gar nicht hat, kann man eigentlich keine Erdbeeren machen.“

Hein Lühs, der einen Biobetrieb mit 25 Hektar Äpfeln führt und außerdem Süßkirschen und Pflaumen und Zwetschgen „und ein paar Birnen“ anbaut, hat solche Sorgen nicht. Er erzählt von den zwei Gewittern, die in den letzten Wochen runterkamen. Sie haben bei seinem wasserspeichernden Boden ausgereicht für das Monatssoll an Regen. „Solange keine Hagelkörner von oben kommen, ist das in Ordnung so“, sagt Lühs.

Durch die viele Sonne sind die Früchte in diesem Jahr rund zwei Wochen früher reif als üblich. Frische Kirschen gibt es jetzt schon nicht mehr überall zu kaufen. Und die Qualität des Obstes sei gut, sagt Helwig Schwartau von der Agrar-Informations-Gesellschaft AMI in Hamburg. „Wir haben im Norden seit Anfang Mai hochsommerliches Wetter. Da hat es durch Regen keinerlei Produktionseinbußen gegeben – und auch keine Qualitätseinbußen.“

Normalerweise seien die Obstanbaugebiete in Norddeutschland vom Reifegrad her immer die letzten in Europa, erläutert Schwartau. „Aber wegen der hochsommerlichen Temperaturen sind wir genauso früh dran wie in Süddeutschland, teilweise hatte man auch eine Überschneidung mit den Ländern im Mittelmeerraum.“ Preismäßig rangieren Kirschen derzeit zwischen 5 und 8 Euro pro Kilo, je nach Qualität. Auch Erdbeeren gebe es noch in guter Qualität, sagt Schwartau. Deren Preis bewege sich derzeit zwischen 2 Euro und 4,50 Euro pro Kilo.

Davon, dass es eine Superernte geben werde, spricht auch Obstbauer Dirk Zabel aus Bennigsen bei Hannover. Am Dienstag endet bei ihm die Sauerkirschenernte, die einen Monat früher als gewöhnlich gestartet ist. Allerdings muss er seine Plantagen beregnen, und die Wasservorräte sind inzwischen fast aufgebraucht. Er brauche dringend mehr Niederschlag.

Äpfel mit Sonnenbrand

Hein Lühs in Jork, bei dem es ausreichend gegossen hat, wirft ab und zu trotzdem die Beregnungsanlage an. Denn wenn Wasser fehle, wüchsen die Äpfel nur zögerlich, sagt er, und wenn es dann feucht werde, wachse das Fruchtfleisch schneller als die Schale. Ergebnis: Risse im Apfel, durch die Keime eindringen können. Da möchte er ein bisschen ausgleichen. Außerdem hätten auch Äpfel eine empfindliche Haut und könnten bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Sonnenbrand bekommen. Es bilden sich dann braune Stellen mit Verfärbungen drumherum, die leicht faulen.

Natürlich wisse man noch nicht, wie die Preise sich insgesamt entwickelten, sagt Lühs. „Aber erst mal finde ich die Lage positiv.“ Die Erntemenge werde vermutlich normal ausfallen, die Qualität höher als sonst. Ob sich das in den Erlösen wiederspiegele, müsse man abwarten.

Auch bundesweit rechnen Experten bei den Äpfeln in diesem Jahr mit einer guten Ernte, wenn auch nicht mit Rekorden – weil die Blütezeit in diesem Jahr recht kurz war, sodass nicht so viele Blüten bestäubt werden konnten. „Bei allen Kulturen ist die Qualität eigentlich perfekt“, sagt Obstbauexperte Köpcke. Die Sonne führe dazu, dass die Früchte sehr viel Zucker bilden können.

Prognosen sprechen für ganz Europa von einer guten Erntemenge. Bezogen darauf sieht der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau im Landesbauernverband Niedersachsen, Ulrich Buchterkirch aus Krummendeich bei Stade, die Lage aber auch wieder mit Sorge. In Deutschland werde insgesamt eine Million Tonnen Äpfel im Jahr geerntet, bei unseren Nachbarn aus Polen seien es vier Millionen. Bei uns würden 8,84 Mindestlohn gezahlt, in Polen 2,20 Euro. Und fast alles bei der Obsternte müsse von Hand erledigt werden. „Das ist ein Wettbewerbsnachteil“, sagt Buchterkirch. 

Jeder dritte Apfel wächst im Alten Land

An den Bäumen im Alten Land wächst jeder dritte in Deutschland produzierte Apfel. In der Regel werden dort pro Jahr 330000 Tonnen geerntet . 2017 kam sogar jeder zweite Apfel aus der Region bei Hamburg, das lag aber daran, dass die Ernte dramatisch eingebrochen war, auf bundesweit nur noch eine halbe Million Tonnen.

Insgesamt wird in Deutschland auf 34000 Hektar Obst angebaut. Äpfel belegen von dieser Fläche 68 Prozent, gemessen an der Erntemenge haben sie sogar einen Anteil von 77,4 Prozent. Erdbeeren machen 10,7 Prozent der deutschen Ernte aus, Pflaumen und Zwetschgen kommen auf 2,8 Prozent, Birnen auf 2,6, Süßkirschen auf 2,2, Sauerkirschen auf 1,2 Prozent.

Von Bert Strebe und Elmar Stephan

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