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Der Norden Lüneburg lehnt Bahnprojekt Alpha E ab
Nachrichten Der Norden Lüneburg lehnt Bahnprojekt Alpha E ab
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16:53 30.11.2018
Die geplante Variante Alpha E. Quelle: Verkehrsministerium
Celle

Ein mühsam gefundener Kompromiss gerät ins Wanken: Der Landkreis Lüneburg und Kommunen aus der Region wehren sich gegen zusätzliche Lärmbelastung im Rahmen des geplanten Schienenprojekts „Alpha E“ und drohen mit rechtlichen Schritten. Unterdessen zogen der Projektbeirat, die Bahn und Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) am Freitag beim Statustreffen in Celle eine positive Zwischenbilanz.

Der Güterverkehr nimmt zu und braucht mehr Kapazitäten auch auf der Bahn. Aber wo und wie könnten Trassen entstehen oder erweitert werden, ohne die Anlieger über Gebühr zu belasten? Die Frage wird in Niedersachsen, das über die Anbindung der Seehäfen besonders betroffen ist, seit Jahrzehnten heftig diskutiert. Vor drei Jahren schien die Antwort endlich klar: Ein „Dialogforum“ mit Vertretern von Bürgerinitiativen und Kommunen einigte sich nach knapp einjähriger Beratung bei seiner letzten Sitzung in Celle am 5. November 2015 gegen jedweden Neubau von Eisenbahntrassen aus.

Beirat spricht von Erfolg bei Alpha E

Mit der so genannten Alpha-Variante, deren Name sich auf die Buchstabenform A bezieht, wurde statt dessen ein Ausbau vorhandener Strecken befürwortet. Ein Projektbeirat wurde gegründet, der am Freitag am selben Ort beim Statustreffen eine Erfolgsgeschichte beschrieb. „Alpha E ist zu wichtig, als dass es leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte“, sagte Peter Dörsam, Sprecher des Projektbeirats und Samtgemeindebürgermeister in Tostedt (Kreis Harburg): „Sonst fängt alles wieder von vorne an.“ Es habe ein Abschlussdokument mit breiter Zustimmung sowie anschließend einen einstimmigen Landtagsbeschluss zur „Alpha“-Variante beim Schienenverkehr gegeben. Der Projektbeirat besteht aus 16 Mitgliedern (acht von Bürgerinitiativen, vier von Landkreisen, vier von Gemeinden) und einer Geschäftsstelle. Dörsam wies darauf hin, dass ein besonderer Lärmschutz für die Anlieger von Anfang an zu den Bedingungen für „Alpha E“ gehört habe.

Kommunen protestieren gegen Alpha E

Doch nicht alle Kommunen fühlen sich vom Projektbeirat, der die Pläne der Bahn begleitet, vertreten. „Unsere Anliegen werden dort nicht berücksichtigt“, meint etwa Michael Hansen von der Bürgerinitiative gegen den Streckenausbau in Deutsch Evern bei Lüneburg. In Lüneburg selbst präsentierten vor dem Treffen Vertreter von Stadt und Landkreis Lüneburg, der Samtgemeinden Amelinghausen, Bardowick, Gellersen, Ilmenau und Ostheide sowie der Gemeinde Deutsch Evern eine gemeinsame Protesterklärung. „Der Projektbeirat Alpha E ist nicht befugt oder legitimiert, für den Landkreis Lüneburg und unsere Kommunen zu sprechen“, sagt Landrat Manfred Nahrstedt.

Das Ergebnis der Verhandlungen sei lediglich, die Schiene aus dem dörflichen Umland zu verbannen und in dicht besiedeltes Gebiet – nämlich rund um Lüneburg – zu lenken. Dabei seien die tatsächlich Betroffenen an den Bestandsstrecken deutlich unterrepräsentiert: „Die knapp 3800 Einwohner von Deutsch Evern, wo die Schiene mitten durch die Gemeinde geht, sind nicht einmal mit einer Stimme vertreten“, sagt Manfred Nahrstedt.

 Lüneburg wünscht Neubautrasse

Weiterer Kritikpunkt: Die Lösung Alpha E sei nicht bedarfsgerecht und lasse aktuelle Schätzungen zum künftigen Schienenverkehrsaufkommen unberücksichtigt. „Für den Güterverkehr, der sich nach den Prognosen des Bundes in den kommenden Jahren noch mehr als verdoppeln soll, muss es eine sinnvolle Lösung mit einer möglichst weiträumigen Umfahrung Lüneburgs geben“, meint Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Auf Lüneburger Gebiet wohnen Tausende Menschen zum Teil unmittelbar neben den Bahngleisen, die schon jetzt den unerträglichen Belastungen an einer der meistbefahrenen Strecken Deutschlands ausgesetzt sind.“ Der Landkreis Lüneburg und betroffenen Kommunen in der Region favorisieren deshalb für den Güterverkehr eine lärmgeschützte Neubautrasse entlang der Autobahn 7. „In jedem Fall müssen Alternativen geprüft werden, ansonsten werden die Kommunen rechtlich dagegen vorgehen“, sagte Nahrstedt.

Dagegen wünscht sich die ebenfalls betroffene Stadt Uelzen lediglich besseren Lärmschutz an den Gleisen. Auch die Samtgemeinde Bienenbüttel (Kreis Uelzen) steht wie viele andere Kommunen zu dem Projekt: „Für uns ist schließlich auch der Nahverkehr wichtig“, sagt Bürgermeister Martin Franke. Es sei keine gute Idee, wenn aus Stadt und Landkreis Lüneburg nun ein einstimmiger Landtagsbeschluss gekippt werden solle.

 Landesverkehrsminister Bernd Althusmann hob in Celle hervor: „Mobilität ist eines der Zukunftsthemen Europas.“ 38 Prozent Zunahme des Schienenverkehrs werde für die nächsten Jahre prognostiziert, auch wegen der Güter aus und zu den Seehäfen, „Hier wurden 2015 die Weichen gestellt für das Ausbauprojekt Alpha und die alten Y-Trassenpläne abgelöst.“ Hundert Prozent Übereinstimmung werde es bei solchen verkehrspolitischen Themen sicher nicht geben: „Am Ende muss das immer einen Kompromiss beinhalten.“

400 Kilometer Lärmschutzwände

„Die Deutsche Bahn setzt sich intensiv für eine zügige Umsetzung des Projektes ein“, sagte Ute Plambeck, Personalvorstand der DB Netz. Mittlerweile sei in fast allen Abschnitten die Planung begonnen worden. „Wir brauchen eine stabile und rechtssichere Planung,“ ergänzte sie. Immerhin würden hier rund vier Milliarden Euro in die Schiene investiert. Beteiligt seien elf Landkreise und drei Bundesländer; unter anderem gehe es um 400 Kilometer Lärmschutzwände und die Untersuchung tausender Kreuzungen, Tunnel und Brücken.

Vorausgegangen waren in den letzten Monaten erhebliche Irritationen hinsichtlich der Planung zusätzlicher Gleise zwischen Hamburg und Hannover, die weder dem Konsens des Dialogforums Schiene Nord noch dem Bundesverkehrswegeplan entsprachen. Das Ausräumen dieser Irritationen und der Konsens über die zukünftige Zusammenarbeit standen deshalb im Vordergrund des Treffens in Celle. Zumindest die Veranstalter zeigten sich am Ende zufrieden: „Die Forderung des Projektbeirates nach deutlich mehr Transparenz wird von allen Beteiligten erfüllt“, sagte Beiratssprecher Dörsam. Nur so könne die größtmögliche Akzeptanz für die Umsetzung von „Alpha E“erzielt werden.

Von Gabriele Schulte

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