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Der Norden Das ist die Nachwuchshoffnung der AfD
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00:16 01.04.2018
„Eines schönen Tages werden wir dieses Land kontrollieren“: Fragen nach seiner Gesinnung beantwortet Lars Steinke routiniert und zügig. Quelle: Foto: Villegas
Göttingen

 Er steht unter den Arkaden, die den Fußweg vor dem Göttinger Bahnhof überspannen. 25 Jahre jung. Freundliche braune Augen. Rosige Gesichtshaut. Akkurat gezogener Scheitel, aber der Schopf rechts ein bisschen keck geschwungen. Er lächelt. Ein Schwiegermutterlieblingtyp. 

Vielleicht sogar ein bisschen zu sehr: Er trägt Jackett und Weste und blütenweißes Hemd, dazu eine goldene Uhrkette. Der Vollbart ist nicht allzu dicht, dafür hat der junge Mann die Schnurrbartenden so gezwirbelt, dass sie zu den Seiten abstehen. Da hat jemand das Bedürfnis, auf sich aufmerksam zu machen. 

Streit mit der Vermieterin

Und das tut er. Beispielsweise mit Videos auf Youtube, in denen er von der „harten“ und „zähen“ Generation spricht, zu der er gehöre, einer Generation, die im Kampf „geschmiedet“ werde, die Generation, die Deutschland retten werde. „Eines schönen Tages werden wir dieses Land kontrollieren“, sagt der junge Mann. Es klingt wie eine Drohung. Und das soll es auch. 

Lars Steinke, Politikstudent im 6. Semester in Göttingen, ist Vorsitzender der „Jungen Alternative Niedersachsen“, der Jugendorganisation der AfD. Außerdem ist er Mitarbeiter der AfD-Fraktionsvorsitzenden Dana Guth im niedersächsischen Landtag. Er hat es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht mit seinen Kontakten zu Rechtsradikalen. Oder mit der Forderung nach Lockerung der Waffengesetze. Oder mit seinem Gerede von einer „ungezügelten Zuwanderung von Menschen aus strukturell gewalttätigen Kulturkreisen“. 

Seine Vermieterin wollte ihn aus der Wohnung werfen, weil er ihr die AfD-Mitgliedschaft verschwiegen hat und sie Ärger mit Demonstranten fürchtet (das Verfahren läuft noch). Sein Auto wurde ihm vor dem Haus angezündet. Mehrfach wurde er in Göttingen, einer Heimat der linksautonomen Szene, angepöbelt und angegriffen. 

Zuletzt vor einer Woche: Sechs vermummte Linke, erzählt er, seien das gewesen, gegen ihn und einen Freund und zwei „Damen“. Sie seien als Nazis beschimpft und geschubst und geschlagen worden. Aber ein Lars Steinke gibt nicht nach: „Ich habe mindestens zwei „Stück“ – er sagt wirklich „Stück“ – „im Gesicht getroffen“. Am Ende zogen die Gegner ab. 

In Steinkes Stimme schwingt Stolz mit, als er von all dem berichtet, aber ein bisschen klingt er auch wie die sprichwörtlichen alten Männer, die vom Krieg erzählen. Er habe nichts dagegen, sich körperlich auseinanderzusetzen, sagt er, er grinst – und merkt nicht, dass er gerade etwas über seine eigene strukturelle Gewalttätigkeit ausgesagt hat. 

Lars Steinke wurde in Emmendingen in Baden-Württemberg geboren, seine Eltern zogen aber bald nach Varrelbusch bei Cloppenburg und dann nach Gehrde bei Bersenbrück im Kreis Osnabrück. Der Vater verkauft medizinisches Gerät, die Mutter hilft dem Vater in der Firma, es gibt einen älteren Bruder. Als Lars Steinke ungefähr fünf war, hat ihn ein Kind vom Klettergerüst geschubst und dann noch einen Stein auf ihn fallen lassen, davon zeugt eine Vertiefung zwischen den Augenbrauen. Die andere Narbe, die auf der linken Wange, ist ein Schmiss, aus der Zeit bei der Burschenschaft „Hannovera“. 

Das Gerücht, er sei dort wegen allzu rechter Umtriebe rausgeflogen, dementiert er umgehend; er sei ausgetreten. Auch alle anderen Fragen nach der Gesinnung beantwortet er routiniert und zügig. Der Ärger sogar innerhalb der eigenen Partei wegen seiner Sprüche? Es gebe zu viele Politiker in der AfD, die nur an sich dächten, sagt er, er nennt sie „Parasiten“. Der rechtsextreme „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“? Ja, den habe er mitbegründet, sei aber getäuscht worden über Kontakte zur NPD, da laufe nichts mehr. Die rassistische „Identitäre Bewegung“? Er habe dort persönliche Freunde, mehr nicht. 

Natürlich weiß er, dass er Assoziationen an den Kruppstahl-Spruch von Hitler auslöst, wenn er von seiner „geschmiedeten“ Generation spricht. Aber er sagt, er denke nicht an so was. Was ist mit seiner Ausländerfeindlichkeit? Er sei doch kein Ausländerfeind, sagt er. „Ich habe überhaupt keine Probleme mit Moslems oder Türken, im Gegenteil.“ Lars Steinke beugt sich vor und strahlt von Bartspitze zu Bartspitze. „Ich bin nur gegen gemischte Kulturen. Weil das zu Spannungen führt. Die Leute haben Ressentiments gegen Fremde. Das gehört zur Natur.“ 

Aber warum sollte man Ressentiments nachgeben? „Politik“, doziert Lars Steinke und strafft den Körper, „heißt nicht, die Welt zu verändern. Sondern mit dem Vorhandenen umzugehen.“ 

Trotz aller Sprüche scheint ein Riss durch diesen jungen Mann zu gehen. Er wirkt, als wolle er gern kalt und klar rüberkommen. Aber seine jungenhafte Ausstrahlung passt nicht zu der angeblichen Härte. Seine rechte Rhetorik hat etwas Angelesenes. Und wenn er seine Analyse der Lage ausbreitet – Arbeitswelt im Eimer, Politik korrupt, das Land vor dem Kollaps – hört er sich nach den „Ist-doch-alles-Scheiße“-Gesprächen beim dritten Bier am Kiosk an. Eigentlich ist er für so etwas zu intelligent. 

Reise nach Ostpreußen

Einmal fällt die Maske. Da erzählt Lars Steinke von seinen Vorfahren, die aus Lyck in Ostpreußen stammten und vertrieben wurden. Darüber hat er mit seiner Großmutter gesprochen, hat Filme geschaut, Berichte gelesen, ist dann einfach hingefahren, allein mit dem Auto, 1000 Kilometer. Und dieses Ostpreußen, das es nicht mehr gibt und in dem er nie gelebt hat, das hat in Steinke ein Heimatgefühl ausgelöst. Und einen Schmerz über den Verlust. 

Als er davon redet, bekommt seine Stimme etwas Fragiles. Er verbindet nichts sonst mit Heimat, Emmendingen nicht und Varrelbusch nicht und Gehrde nicht und Göttingen nicht. Aber Ostpreußen. Und es dürfe nicht wieder passieren, dass, wie damals, Leute so vertrieben würden. 

Da wird plötzlich ein Eckchen der Seele von Lars Steinke sichtbar. 

Doch es verschwindet gleich wieder. Andere Vertriebene, aus Afrika oder Syrien oder von sonstwo, will er hier trotzdem nicht sehen. Er kann das eine mit dem anderen nicht verbinden. Und dass sich Fremde hierzulande heimisch fühlen, das glaubt er einfach nicht. 

Von Bert Strebe

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