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Aktuelles Volle Kraft mit 70 Prozent - Führen in Teilzeit
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07:07 16.11.2015
Um Familie und Job unter einen Hut zu bringen, reduzierte Kathrin Stübbe von 100 auf 70 Prozent. Stübbe führt ein Team mit 60 Mitarbeitern. Quelle: Deniz Calagan
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Stuttgart

Freitags ist Kathrin Stübbe nie da. Am Montag und Mittwoch können ihre Mitarbeiter sie bis 16.00 Uhr im Büro antreffen, am Dienstag und Donnerstag ist sie häufig bis 18.00 Uhr da, bei Bedarf auch einmal länger. Als Chefin führt sie auf einer 70-Prozent-Stelle.

Stübbe arbeitet im Forschungsbereich Softwareintensive Systeme bei Bosch und führt ein Team mit 50 Mitarbeitern. Für eine Führungskraft sind das ungewöhnlich kurze Arbeitszeiten. "Die Regelung erlaubt mir, einen interessanten Job und meine Familie unter einen Hut zu bekommen", erzählt sie. Und: "Im normalen Alltag klappt das sehr gut."

Was für Kathrin Stübbe seit vielen Jahren gelebter Alltag ist, dürfte bei vielen Angestellten und Personalern Erstaunen auslösen. Dass Führen in Teilzeit möglich ist, halten viele immer noch für ausgeschlossen. Und tatsächlich machen es derzeit auch nur wenige. 2014 arbeiteten nach Angaben der Arbeitskräfteerhebung von Eurostat lediglich 6,5 Prozent der Führungskräfte in Deutschland mit reduzierter Stundenzahl.

Im europaweiten Vergleich steht Deutschland damit im Mittelfeld. Spitzenreiter sind die Niederlande. Dort führte 2014 fast jede fünfte Kraft (17,4 Prozent) in Teilzeit. Schlusslicht ist die Tschechische Republik mit 1,6 Prozent.

Aber möglicherweise steht in den Unternehmen ein Umdenken bevor: "Der Arbeitsmarkt wird immer mehr zum Bewerbermarkt", sagt Brigitte Abrell. Sie ist selbst seit vielen Jahren Führungskraft in Teilzeit bei einer Versicherungsgesellschaft und hat ein Buch zum Thema geschrieben. Gute Führungskräfte zu finden, sei in Branchen mit Fachkräftemangel nicht so leicht. Unternehmen seien deshalb zunehmend auch zu neuen, ungewöhnlichen Führungsmodellen bereit.

Doch wie das Ganze organisieren? Will eine Führungskraft den Schritt in die Teilzeit gehen, muss der Arbeitgeber zunächst eine Aufgaben- und Umfeldanalyse machen, sagt Abrell. Bei ersterer wird geklärt, welche Aufgaben die Führungskraft hat und welche sie delegieren kann. Bei letzterer wird überlegt, welches Teammitglied die Aufgaben übernehmen kann.

Außerdem rät Abrell, am Anfang nicht zu stark zu reduzieren. Zu Beginn sei es häufig ratsam, nicht unter 75 Prozent zu gehen. Sonst sei es oft besser, dass sich zwei Chefs eine Stelle im Rahmen eines Jobsharing-Modells teilen. Schließlich müssen die Führungskraft und ihr Team überlegen, wie Arbeitsabläufe sich ändern müssen.

Als Stübbe begann, in Teilzeit zu führen, musste sie sich außerdem persönlich stark umstellen. "Man muss bereit sein, Verantwortung abzugeben", erzählt sie. Aufgaben, die sie früher selbst wahrgenommen hat, macht heute ihr Stellvertreter. Schwierig war am Anfang auch, klare Absprachen mit ihrem Vorgesetzten zu treffen, was ihr genauer Arbeitsumfang ist.

Stübbe glaubt, dass fast alle Positionen in Teilzeit gemacht werden können - bis auf drei Ausnahmen: jene, die einen hohen Vernetzungsgrad erfordern, jene, bei denen es viele unvorhergesehene Ereignisse gibt und jene, bei denen die Mitarbeiter genau vor Ort angeleitet werden müssen. Bei allen anderen lasse sich auch mit reduzierter Stundenzahl führen - wenn der Wille der Geschäftsführung da ist.

dpa

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