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Mütter arbeiten nach Elternzeit schneller wieder

Arbeit Mütter arbeiten nach Elternzeit schneller wieder

Vor zehn Jahren wurde das Elterngeld eingeführt. Seitdem scheint es vor allem für Mütter attraktiver geworden zu sein, in Elternzeit zu gehen. Arbeitgeber und Gewerkschaften loben fast unisono und sehen doch jeweils Probleme - etwa für Väter.

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Immer mehr Mütter nehmen Elternzeit.

Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin. Zeit mit seinem kleinen Kind verbringen, ohne sich Sorgen um das Einkommen machen zu müssen - seit zehn Jahren können alle Eltern dafür einen staatlichen Zuschuss beantragen.

2007 wurde das Elterngeld eingeführt. Es löste das Erziehungsgeld ab, das nur an Eltern mit vergleichsweise kleinen Einkommen gezahlt wurde. Seitdem scheint es für Mütter und Väter attraktiver geworden zu sein, nach Geburt eines Kindes per Elternzeit vom Job auszusetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Während demnach 2006 rund 27 Prozent der Mütter zwischen Geburt und erstem Geburtstag ihres Kindes eine bezuschusste Auszeit nahmen, verdoppelte sich der Anteil auf knapp 60 Prozent aller Mütter im Jahr 2014. Zugleich kehren Mütter früher in den Job zurück. Im zweiten Lebensjahr des Kindes arbeiteten rund 43 statt zuvor 35 Prozent. Der Anteil der nicht erwerbstätigen Mütter - die also weder berufstätig noch in Elternzeit waren - sank ebenfalls, lag aber auch 2014 immer noch bei rund 30 Prozent aller Mütter von Kleinkindern unter vier Jahren.

Das IW wies darauf hin, dass nicht abschließend geklärt werden kann, ob nur das Elterngeld für die Entwicklung verantwortlich ist. Dennoch lasse sich sagen, "dass Mütter heute deutlich früher wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren". Das Elterngeld steht Eltern im ersten Jahr nach der Geburt zu, wenn sie ihr Kind zuhause betreuen. Es ersetzt das Einkommen vor der Geburt zu 65 Prozent, bei niedrigen Einkommen unter 1000 Euro bis zu 100 Prozent.

Auch Väter nehmen verstärkt Elternzeit - wenngleich es nach wie vor die Mütter sind, die hauptsächlich vom Beruf aussetzen. Zwar nimmt dem Familienministerium zufolge mittlerweile ein Drittel aller Väter Elternzeitmonate. Der weitaus größte Teil von ihnen nimmt aber nur die zwei Bonusmonate mit, die das Gesetz Paaren gewährt, bei denen beide Partner in Elternzeit gehen. Wenn beide gehen, können sie 14 Monate unter sich aufteilen. Geht nur einer, bekommt er nur zwölf Monate lang das Elterngeld.

Arbeitgeber und Gewerkschaften lobten das Elterngeld gleichermaßen und begrüßten, dass Mütter früher in den Beruf zurückkehren. Der Arbeitgeberverband BDA verwies jedoch darauf, dass es für Unternehmen schwieriger geworden sei, für Mütter geeignete Vertretungen zu finden, wenn sie nach der Geburt kürzer aussetzten. "Gerade für kleinere Firmen können sich so personelle Engpässe ergeben", sagte ein Sprecher. Befristete Arbeitsverträge und Minijobs dürften zum Ausgleich dessen nicht "diffamiert werden".

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) teilte hingegen mit, Mütter und Väter hätten weiterhin Schwierigkeiten, ihren Wünschen entsprechend in den Job zurückzukehren. Aus der Rechtsberatung der Gewerkschaften seien viele Fälle bekannt, in denen Arbeitgeber die Rückkehr von Müttern in Teil- oder später Vollzeit zu verzögern versuchten. "Flexibilität im Sinne der Beschäftigten" werde vielerorts vermisst. Die Arbeitgeber seien dafür verantwortlich, flexible Lösungen zu schaffen - und etwa von einer "Präsenzkultur" im Job abzurücken.

Für Väter sei das Elterngeld eine Chance, am Aufwachsen ihrer Kinder größeren Anteil zu nehmen, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. "Allerdings treffen viele dabei in den Betrieben immer noch auf große Hürden und fürchten, ihre beruflichen Perspektiven aufs Spiel zu setzen."

Dass rund 30 Prozent aller Mütter weiterhin gar nicht erwerbstätig sind, bezeichnete der BDA als "eindeutig zu hoch". Der Grund dafür liege in falschen Anreizen bei Steuern und Sozialabgaben. Etwa die beitragsfreie Mitversicherung von Partnern in der Krankenkasse und das Ehegatten-Splitting begünstigten Alleinverdiener-Familien.

dpa

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