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17:17 01.10.2018
Gin Tonic ist in Deutschland ein beliebtes Mixgetränk. Bleibt das so? Quelle: Jens Kalaene
Berlin

Bitter und erfrischend: An den Tresen der Republik

dominiert schon seit einiger Zeit der Longdrink Gin Tonic. Wenn es um

In-Getränke geht, weiß das Magazin für Barkultur,

"Mixology", in

Berlin Bescheid.

Anfang Oktober (7.10.) verleiht das Fachmagazin

wieder seine in der Branche begehrten "Mixology Bar Awards", bereits

für 2019, also für das kommende Jahr. Man ist seiner Zeit voraus.

Welcher Drink führt den Trend an?

"Der Peak bei Gin und Gin Tonic scheint mir noch nicht erreicht",

sagt Helmut Adam, der seit mehr als 15 Jahren Herausgeber des

Magazins ist. Der 44-Jährige arbeitete einst jahrelang als Barkeeper

und Manager in Cocktailbars in Wien, London, Zürich und Berlin.

Er sagt, Wodka sei nicht mehr so im Fokus. "Aber auch da gibt es

Neuheiten und Experimente, zum Beispiel Dinkel-Wodka oder

Roggen-Wodka." Und sonst? "Rum war früher eine Cocktailspirituose,

erlebt jetzt aber ein Comeback als purer Drink, wird sozusagen zum

neuen Whisky."

Experimentierfreude beim Bier

Insgesamt seien die Deutschen in den vergangenen Jahren viel

experimentierfreudiger geworden, nicht zuletzt ja auch beim Bier.

"Craft Beer und die Kreativbierbewegung stimulieren die Branche."

Zuwächse gebe es bei allen möglichen Sorten, etwa den besonders

gehopften Bieren wie Pale Ale und auch bei alkoholfreien Sorten.

"Außerdem wurden alle Radlervarianten aufgestockt."

Seit wann schlürfen die Deutschen gerne Coctails?

Experten wie Helmut Adam wissen: Jede Zeit hat ihre Getränke. So

richtig angesagt wurde das Cocktail-Trinken in Deutschland erst in

den 90er Jahren. Zunächst waren es vor allem tropisch anmutende

Kreationen wie Caipirinha, Mai Tai, Mojito und Long Island Icetea.

Zudem breiteten sich - im Rave-Zeitalter - Energy-Drinks aus, vor

allem Red Bull, oft auch mit Wodka. Von den 90ern in die frühen

Nullerjahre schwappte - auch wegen der weltweit erfolgreichen Serie

"Sex and the City" - der Cranberry-Wodka-Cocktail Cosmopolitan

hinüber.

Bis zu den 90ern war Deutschland nicht immer ganz auf der Höhe der

Zeit - global gesehen. Die wilden 70er, das war hierzulande noch eher

die Zeit von Bowle und Kalter Ente. In den grellen 80er Jahren trank

man gern bunte Drinks wie Grüne Witwe aus O-Saft und Blue Curacao.

Viele nippten immerhin chic am Champagner-Cocktail Kir Royal.

Moscow Mule, Hugo und Co

Am Ende der 90er, um die Jahrtausendwende, sprach alle Welt plötzlich

über die süßen Spiritousen-Mischgetränke Alkopops, die dann nach

Einführung einer Sondersteuer recht schnell wieder untergingen.

Es folgten Trendgetränke wie der scharfe Moscow Mule mit Ginger Beer

(Ingwerlimo), gern aus der Kupfertasse, und der Whisky-Wermut-Drink

Manhattan. Vor etwa zehn Jahren verbreitete sich auch der Hugo,

bestehend aus Prosecco, Holunderblütensirup, Minze und Mineralwasser.

Er war schon eine Art Gegenentwurf zum altbekannten Aperol Spritz,

den Anfang der Zehnerjahre plötzlich ganz viele in Mitteleuropa

tranken. Mit dieser Übernahme aus Italien war der deutschsprachige

Raum im Vergleich zu den sonst meist schnelleren USA Trendsetter. In

Amerika wird der rosa Spritz erst seit kurzem gepuscht, mit einiger

Verspätung und großen Werbe-Etats.

Die Vielfalt des Gin Tonic

In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland der Gin-Boom

entwickelt, mit vielen neuen Sorten und spezialisierten Bars. Gin

Tonic scheint wirklich in aller Munde zu sein. Im Mai hatte sogar der

Discounter Lidl eine "Gin des Lebens"-Woche mit besonderen Sorten des

Wacholderschnapses und der Bitterlimonade im Angebot.

Wie die Marktforscher von GfK in Nürnberg auf Nachfrage sagen, werden

schon seit einiger Zeit bei Deutschlands Haushalten Bittergetränke

populärer. Der Gin-Tonic-Trend schwappt also von der Gastronomie ins

Zuhause. 2017 habe fast ein Drittel aller Haushalte (29 Prozent)

mindestens einmal ein Bittergetränk gekauft. Das liege deutlich über

den Vorjahren. Der Trend setze sich 2018 und wohl auch 2019 fort.

Variationen bei Tonic-Wassern sind außerdem angesagt. Die Marke

Thomas Henry zum Beispiel hat jetzt mit "Coffee Tonic" die hippen

Getränke Cold-Brew-Kaffee und Tonic-Water in einer Flasche

zusammengebracht.

Getränke mit Likör und Wermut

Neben dem Gin-Tonic-Trend beobachtet der frühere Bartender Adam auch

den Likör-Boom und eine neue Liebe zum Wermut, also dem mit Gewürzen

und Kräutern aromatisierten Wein. Im klassischen, von James Bond

geliebten Dry Martini Cocktail war Wermut schon immer ein

Sparring-Partner des Gins. Neu sei nun aber, dass Wermut-Tonic als

Aperitif angeboten werde - auch in Mittelklasse-Restaurants. Außerdem

wird der Gin-Wermut-Campari-Aperitif

Negroni immer beliebter.

"Bitter und Kräuterliköre sind angesagt, weil sie eine gewisse

Leichtigkeit vermitteln", sagt Mixologe Adam. Womit auch ein

Langzeittrend umrissen wäre - nämlich zu weniger Zucker und vor allem

leichteren Drinks mit weniger oder womöglich gar keinem Alkohol mehr.

Her mit dem Mocktail

Scherzhaft werden Cocktails ohne Alkohol "Mocktail" genannt, was ein

Kofferwort aus Cocktail und dem englischen Wort mock ist

(Fälschung/Nachahmung).

Auch Gin Tonic wird womöglich bald öfter ohne Alkohol getrunken. Im

Gin-Boom hat zumindest die Marke Siegfried Rheinland Dry Gin eine

alkoholfreie Version auf den Markt gebracht: das kalorienarme

Kräuterwasser zum Mixen heißt

"Wonderleaf".

Der größte Trend ist also vielleicht das Trinken ohne Umdrehung. Die

Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke in Berlin betont, dass

es noch nie soviel Abwechslung gegeben habe wie heute. Niemand könne

verlässlich sagen, wie viele Limonaden, Schorlen und aromatisierte

Wässer es zurzeit am Markt gebe.

Die Marktforscher von GfK wissen immerhin, dass bei Colas und

Limonaden eine Nachfrageverschiebung hin zu zuckerfreien Produkten zu

beobachten sei: Zeroprodukte bei den Süßgetränken haben demnach in

den vergangenen fünf Jahren etwa fünf Prozent Marktanteil erreicht.

dpa

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