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10:46 30.12.2016
In einigen Städten müssen Autofahrer bereits mehr Platz machen für Radler. Der ADFC sieht jedoch noch viel Nachholbedarf. Quelle: Hauke-Christian Dittrich
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Karlsruhe

In deutschen Städten müssen Autofahrer mehr Raum an Fahrradfahrer abtreten: Schutzstreifen, markierte Abbiegespuren und mehr Stellplätze sollen die Menschen auf das umweltfreundliche Zweirad locken.

Dem Fahrrad sagen manche wieder eine gute Zukunft voraus. Aus Sicht des

Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ändert sich aber noch zu wenig. "Die Verkehrspolitik muss dem Radverkehr den roten Teppich ausrollen", forderte Sprecherin Stephanie Krone.

Die deutsche Fahrradindustrie setzte 2015 nach Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) rund fünf Milliarden Euro um. 4,35 Millionen verkaufte Fahrräder und Elektro-Bikes in Deutschland brachten davon einen Umsatz von gut 2,4 Milliarden Euro. Aktuell sind rund 72 Millionen Fahrräder auf deutschen Straßen unterwegs. Die gesamte deutsche Fahrradwirtschaft inklusive Tourismus steht für rund 278 000 Arbeitsplätze und 16 Milliarden Euro Umsatz.

Einen weiteren Zuwachs an Arbeitsplätzen erwartet der ZIV am ehesten im Fahrradtourismus. "Da ist das größte Potenzial", sagt Verbandssprecher David Eisenberger. Branchenexperten setzen auch auf einen Schub durch die Digitalisierung. Im ersten Halbjahr 2016 lief es wegen des schlechten Wetters nicht ganz so gut. Der ZIV geht von 2,7 Millionen verkauften Fahrrädern aus, einem Minus von 5 bis 8 Prozent. Der Umsatz sei aber wegen des weiter gestiegenen Anteils von E-Bikes etwa stabil geblieben.

Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Absatzplus bei den Elektro-Rädern von rund 5 Prozent auf 560 000 Stück. 2015 lag ihr Anteil bei 12,5 Prozent - Tendenz wachsend. Bis zum Jahr 2025 werde der Anteil der E-Bikes auf 30 Prozent steigen, meint Eisenberger.

Hierzulande gibt es laut dem Verband des deutschen Zweiradhandels (VDZ) rund 3700 Fahrradgeschäfte mit einem Umsatz von mindestens 100 000 Euro im Jahr. Die Tendenz gehe zu großen und kleinen spezialisierten Geschäften. Das klassische Fahrradgeschäft mittlerer Größe verliere dagegen an Boden.

Im internationalen Vergleich ist die Bundesrepublik in Sachen Zweirad stark aufgestellt. In der EU lag Deutschland 2015 laut dem Verband der Europäischen Fahrradindustrie (

Conebi) bei der Fahrrad- und Zubehörproduktion mit einem Anteil von 18 Prozent auf dem zweiten Platz - gemeinsam mit Rumänien, aber hinter Italien mit 28 Prozent. Bei den Verkäufen steht Deutschland an der Spitze mit 21 Prozent vor Großbritannien.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Fahrrads, dessen Vorläufer vor 200 Jahren Freiherr Karl von Drais mit seiner Laufmaschine in Mannheim entwickelt hatte, blieb indes lange gering. In den Boomjahren der Bundesrepublik mit Massenmotorisierung geriet das pedalgetriebene Zweirad zeitweise sogar in eine Randposition, wie das

Landesmuseum Technoseum in Mannheim in einer Sonderausstellung zeigt.

Symbol dafür sei das Klapprad. Das Fahrrad war in den 1970er Jahren weitgehend zum automobilen Accessoire verkommen, zusammengefaltet im Kofferraum verstaut, genutzt nur noch für kurze Fahrten ins Grüne. Das habe sich erst wieder durch die Entwicklung zum Freizeitgefährt und die Eroberung des Stadtverkehrs geändert.

Ein Sorgenthema für die Branche ist der Radler-Nachwuchs. Heute seien deutlich weniger Kinder mit dem Fahrrad unterwegs als früher, sagt Susanne Eickelmann vom

Verband VDZ. Damit müsse sich die Branche auseinandersetzen. Auch beim ZIV werde die Entwicklung ernst genommen. "Wir sehen den Schlüssel an den Schulen", sagt Sprecher Eisenberger. Auch der ADFC sieht das Problem: "Die meisten Kinder können zwar Radfahren, aber sie tun es im Alltag seltener", sagt Sprecherin Krone. Nötig seien Städte mit kurzen Wegen, eine familientaugliche Fahrrad-Infrastruktur mit durchgängigen, breiten, gut gepflegten Radspuren und mehr Tempo 30 in den Städten.

dpa

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