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Zwischen "Aldi-Süd-Hörsaal" und Humboldts Bildungsideal

Hochschulen Zwischen "Aldi-Süd-Hörsaal" und Humboldts Bildungsideal

Wenn Hochschulen viel Geld aus der Wirtschaft erhalten, kann die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre leiden. Soweit sind sich wohl alle einig. Die Frage ist nur: Wo beginnt ungute Einflussnahme? Ein kritisches Internetportal facht die Debatte neu an.

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Studierende in der Vorlesung: Wie groß ist der Einfluss der Privatwirtschaft auf die deutschen Hochschulen?

Quelle: Jan Woitas

Berlin. Der Gedanke an einen "Aldi-Süd-Hörsaal" bereitet Edda Müller spürbar Unbehagen. So etwas gab es tatsächlich vor einigen Jahren an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt - ebenso wie einen "easyCredit-Hörsaal" an der Uni Erlangen-Nürnberg. Die oberste Korruptionswächterin von Transparency International sieht allzu enge Verbindungen als "blanke Firmenwerbung, die in Form von Sponsoring an den Hochschulen Einzug hält". Aber Müller warnt nicht nur vor gut dotierten Audimax-Umbenennungen im Stil moderner Fußballstadien.

Die Ex-Ministerin äußert massive Sorgen wegen womöglich wachsender Einflussnahme von Firmen und Konzernen auf die Wissenschaft in Deutschland. Zunehmend bestimmten "die Verwertungsinteressen der Wirtschaft die Lehre und auch die Forschung - und weniger das, was unser großes Erbe ist, nämlich die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre. Ich sage mal: das alte Humboldt'sche Bildungsideal."

Auch deswegen setzt die Transparency-Chefin auf das frisch überarbeitete Internet-Portal

hochschulwatch.de, das in zwei Jahren über 10 000 Kooperationen sowie erhebliche Finanzströme zwischen Unternehmen und Hochschulen festgestellt hat. Nach den Angaben der Statistik-Behörden gehen jährlich 1,3 Milliarden Euro als sogenannte Drittmittel aus der Wirtschaft an die Unis, die ansonsten eine staatliche Grundfinanzierung (Erstmittel) und öffentliche Zuwendungen etwa von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Zweitmittel) erhalten.

 

Auch Studentenvertreterin Isabella Albert nimmt kein Blatt vor den Mund: "Hochschulen werden immer weiter zu Produzenten von Arbeitskräften degradiert." Und die Bildungsgewerkschaft GEW warnt vor einem "Ausverkauf" an den Unis: "Immer mehr Stiftungslehrstühle, immer mehr Auftragsforschung - private Unternehmen versuchen, einen immer stärkeren Einfluss auf staatliche Universitäten und Fachhochschulen zu nehmen", sagt der stellvertretende GEW-Chef Andreas Keller. Länder und Hochschulen müssten "Grenzen setzen".

Der Gewerkschafter mahnt aber auch, nun nicht gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten: "Wenn Hochschulen private Drittmittel einwerben, ist das nicht per se ein Problem. Entscheidend ist, dass von der Kooperation nicht einseitig die privaten Partner profitieren." Der Druck auf Wissenschaftler, Drittmittel einzuwerben, sei gestiegen - davon hänge nicht selten die eigene Weiterbeschäftigung ab.

Die Universität als "Marktplatz" - dagegen verlangt Transparency International klare Regeln für die Annahme von Forschungsaufträgen und die Offenlegung fremdfinanzierter Projekte. Verbandschefin Müller betont, dass es ihr nicht um eine Unterscheidung zwischen "gutem" und "schlechtem" Hochschul-Engagement von Wirtschaftsunternehmen gehe. Beispiel Fachhochschule Flensburg: Die habe über Stiftungsprofessuren enge Verflechtungen mit der Windenergie-Branche, gegen die ja nun niemand etwas habe - und doch weise man auf so etwas kritisch hin.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, zeigt Verständnis für das Anliegen der Korruptionswächter: "Der kritische Blick auf die Hochschulen ist völlig in Ordnung. Dazu gehört auch die Forderung nach größtmöglicher Transparenz." Wer das Engagement aber unter Generalverdacht stelle, skandalisiere "eine sinnvolle, für Unternehmen, Hochschulforschung, Studierende und Volkswirtschaft ertragreiche Zusammenarbeit. (...) Und wenn die Forderung nach Transparenz so weit geht, dass Verträge über Drittmittelprojekte generell öffentlich gemacht werden sollen, geht das an der Wirklichkeit vorbei." Denn dann seien Entwicklungsideen "frühzeitig öffentlich und damit für das Unternehmen im Wettbewerb verbrannt".

dpa

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