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Was Gründerinnen im Osten und Westen unterscheidet

Arbeit Was Gründerinnen im Osten und Westen unterscheidet

Im Osten wie im Westen gründen heute mehr Frauen Unternehmen als vor 25 Jahren. Unterschiede gibt es zwischen den Regionen allerdings noch immer - nicht nur bei der Art der Unternehmen.

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Ingrid Weinhold begutachtet mit zwei Mitarbeitern in der MABA Spezialmaschinen GmbH in Wolfen ein Rohr. Weinhold hatte das Maschinenbau-Unternehmen nach der Wende gegründet.

Quelle: Andre Kehrer

Berlin. Als Ingrid Weinhold Anfang der 90er Jahre für ihr Maschinenbau-Unternehmen zu potenziellen Kunden in den Westen reist, wird sie für die Sekretärin gehalten. "Die haben mich gefragt, wann der Chef kommt", erinnert sich die 56-Jährige, die 1991 gemeinsam mit vier Mit-Gesellschaftern die MABA Spezialmaschinen GmbH in Sachsen-Anhalt gründete. "Das war ich aus Ostdeutschland nicht gewohnt. Dort wurden Frauen im Arbeitsleben gleichwertig behandelt."

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall haben sich die Verhältnisse noch nicht vollständig angeglichen. "Im Osten gründen etwa 0,7 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter, im Westen rund 1,1 Prozent", sagt René Leicht vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim. In absoluten Zahlen sei das ein beachtlicher Unterschied: "Wäre die Quote von Frauen im Osten genauso hoch wie im Westen, dann hätten wir dort pro Jahr statt 29 000 Neugründungen durch Frauen etwa 44 000."

Aus Leichts Forschungsergebnissen ergibt sich auch, dass Ost- und Westdeutsche andere Arten von Unternehmen gründen: So tendieren Frauen im Westen eher dazu, sich im Bereich der wissensintensiven Berufe selbstständig zu machen. Dazu zählen etwa Steuer- und Unternehmensberaterinnen, Rechtsanwältinnen, Ingenieurinnen, Journalistinnen und Medizinerinnen. Während im Osten 35 Prozent der Selbstständigen diese Art von Dienstleistungen anböten, seien es im Westen 39 Prozent. Ostdeutsche Gründerinnen seien dagegen häufiger im Bereich der persönlichen Routinedienstleistungen anzutreffen - also etwa im Handel, im Gastgewerbe oder als Kosmetikberaterin und Friseurin. "Bildung hat im Osten einen geringeren Einfluss darauf, ob sich eine Frau selbstständig macht", sagt Leicht.

Die Unternehmen ostdeutscher Frauen sind im Schnitt größer. "Im Osten haben 40 Prozent der selbstständigen Frauen Beschäftigte, während im Westen nur 33 Prozent Arbeitgeberinnen sind", sagt Leicht. Außerdem stünden Frauen im Osten etwas stärker auf eigenen Füßen. Während bei etwa jeder zehnten selbstständigen Frau im Westen der Lebensunterhalt überwiegend durch andere Angehörige im Haushalt - etwa den Mann - bestritten werde, sei dieser Anteil im Osten verschwindend gering.

Das könne an der wirtschaftlichen Lage liegen, sagt der Wissenschaftler. Während eine Existenzgründung im Osten stärker darauf gerichtet sei, die ganze Familie zu ernähren, habe im Westen ein - wenn auch kleiner - Teil der Frauen einen gut verdienenden Mann im Hintergrund.

Auch Weinhold hat sich für die Gründung entschieden, um aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. Das ist ihr gelungen. Nach knapp 25 Jahren ist sie nun alleinige geschäftsführende Gesellschafterin. Aus 16 Mitarbeitern sind mehr als 50 geworden. Auch bei den Kunden im Westen konnte sie sich durchsetzen. "Am Anfang wollten die mich erst mal darüber belehren, was ein Schweißverfahren ist", erinnert sich die Unternehmerin. Sie habe den Männern im Westen dann erklärt, dass es technisch keinen Unterschied zwischen Ost und West gebe. "Den gab es schon damals nicht."

dpa

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