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Schöne neue Uni: Digitalisierung der Hochschulen

Arbeit Schöne neue Uni: Digitalisierung der Hochschulen

Messungen im Labor? Das war früher. Heute machen Physik-Studenten das Gleiche an manchen Unis nur noch virtuell. Die Digitalisierung verändert die Hochschulen.

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Prof. Jürgen Bolten (o/l) bietet seinen Studenten «Virtuell Classrooms» an. Dabei lernen seine Studenten auch, interkulturelle Kommunikation zu praktizieren. Screenshot: Bildarchiv Uni Jena

Quelle: Bildarchiv Uni Jena

Hannover. Auf der Bildungsmesse Didacta stellten Professoren neue Lehrformen vor.

Statt nur die Literatur vorzubereiten zu Hause auch die Grundlagenvorlesung des Profs. angucken? Für manche Erstsemester ist das bereits Alltag. "Inverted Classroom" heißt das Konzept. Durch die Digitalisierung verändern sich die Hochschulen. Auf der Bildungsmesse

Didacta (bis 28. Februar) stellten Professoren vor, welche neuen Konzepte sie derzeit in der Lehre ausprobieren.

 

 

Inverted Classroom:

Prof. Jörn Loviscach von der Fachhochschule Bielefeld hat seine letzte reguläre Mathe-Vorlesung vor vier Jahren gehalten. Er unterrichtet Mathematik für Ingenieure und technische Informatik, aber auch Fächer wie Wind- und Wasserkraft. Mitschnitte aus seiner Grundlagenvorlesung hat er für Erstsemester ins Netz gestellt. Bei Youtube haben sie Zehntausende Klicks. Zu den Hausaufgaben seiner Studenten gehört es nicht, dicke Bücher zum Thema zu wälzen. Sie sollen die Vorlesung im Netz ansehen. In der Veranstaltung an der Hochschule baut er dann darauf auf: Die Studenten bearbeiten komplexere Aufgaben, um zu vertiefen, was sie im Netz gesehen haben.

 

Loviscach sieht den Vorteil darin, dass die Präsenzzeit für das gemeinsame Arbeiten und vor allem Diskutieren zur Verfügung steht und er viel mehr Gelegenheit zu persönlicher Betreuung hat. Im besten Fall geht das Lernen auf diesem Weg mehr in die Tiefe. Doch das Konzept funktioniert nicht bei allen Studenten, erzählt Prof. Jürgen Bolten von der Universität Jena. Er bietet ebenfalls Inverted Classrooms an. "Bei den Master-Studenten wird es toll angenommen, weil die eigenständig arbeiten können." Bachelorstudenten seien gelegentlich mit dem Selbststudium überfordert.

 

Virtuelle Labore: Experimente gehören bei Naturwissenschaftlern und Ingenieuren ab dem ersten Semester dazu. "Elektronische Schaltungen aufbauen oder Frösche sezieren - das muss heute nicht mehr im

Laborgemacht werden, diese Experimente können längst am Computer simuliert werden", erklärt Prof. Loviscach. Wartelisten für Laborpraktika erübrigen sich dann. Allerdings ist die Softwareentwicklung teilweise aufwendig und vor allem fehlt die echte Erfahrung, was es im realen Labor an Tücken und Kniffen gibt.

 

 

Generationenübergreifendes Lernen: Prof. Bolten experimentiert außerdem mit neuen Formen, die von Studenten angefertigten Hausarbeiten nachhaltiger zu nutzen. Macht er in einem Semester ein Seminar zur Thema Werbegeschichte, sammelt er mit Hilfe einer Software diese auf einer Plattform im Netz. Bietet er in späteren Jahren einen ähnlichen Kurs an, können Studenten auf die damals auf der Plattform gesammelten Informationen zurückgreifen.

 

"Ich wollte verhindern, dass Studenten mit viel Mühe Hausarbeiten anfertigen, die dann später im Regal verschwinden", erläutert er. Und wie entscheidet er, was auf die Plattform gelangt? "Alles, was die Note 2,0 und besser erhält, lade ich hoch." Den Vorteil sieht Bolten darin, dass Studenten motivierter und professioneller an ihre Hausaufgaben herangehen - und die Nachfolger mit ihrer Recherche zum Thema nicht von vorne anfangen müssen, sondern diese vertiefen können.

 

Virtual Classroom: Dass Studenten aus München, Hamburg, Moskau und Peking parallel an einer Vorlesung teilnehmen, ist mit einem Virtual Classroom kein Problem. Studenten treffen sich im Netz - etwa wie bei Skype - und erarbeiten gemeinsam ein Thema. Für Prof. Bolten ist das von großem Vorteil. Dank des Virtual Classrooms beschäftigen sich Studenten nicht nur in der Theorie damit, wie interkulturelle Kommunikation funktioniert. Sie wenden das Erlernte in der Praxis an, indem sie gemeinsam mit Studenten aus anderen Ländern ein gemeinsames Projekt erarbeiten.

 

 

MOOC : MOOC steht für Massive Open Online Courses. Das sind  Vorlesungen im Netz, für die sich jeder einschreiben kann, der einen Internetzugang hat. Neu an den MOOCS ist, dass sie speziell fürs Netz kreierte Lehrveranstaltungen sind - mit kurzen Videos, anschließenden Tests und Diskussionsforen. Die Stiftung Warentest hat im

Netz unter eine Auswahl an Plattformen zusammengestellt, über die Onlinevorlesungen abrufbar sind.

 

Eine deutsche Plattform ist Iversity. Dort haben Internetnutzer derzeit die Wahl zwischen rund 55 MOOCs, erläuterte Hannes Klöpper, Geschäftsführer von Iversity. Den Vorteil bei MOOCs sieht Klöpper darin, dass Nutzer Vorlesungen von Professoren anschauen können, die an einer weit entfernten Universität lehren und an denen Studenten sonst nie teilnehmen könnten. Klingt vielleicht zunächst paradox, ist aber ein Erfahrungwert: In der global vernetzten Hochschulwelt werden die Entfernungen kleiner.

dpa

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